"Hemmoor-tolerant"- ein Kommentar

Die "Hemmoor Erklärung" - ein klares Signal gegen Hass und Hetze, auch online?

von Bengta Brettschneider | 11.04.2025

Wie ernst ist es mit der "Hemmoor Erklärung" gegen Hass und Ausgrenzung wirklich gemeint? Eine Hemmoorer Bürgerinitiative gegen den "McDonald's"-Standort wird im Netz angefeindet und auch die Omas gegen Rechts sind ein Ziel von Hetze. (Kommentar)

"Lächerlich" lautet noch einer der nettesten Kommentare in der Hemmoorer Gruppe "Hemmoor schnackt" im sozialen Netzwerk Facebook, den ich gelesen habe.

Die Häme und vor allem der Hass richtet sich vor allem gegen die Bürgerinitiative gegen "McDonald's" am Heidestrandbadsee. In den Kommentarspalten ist die Rede von importierten Demo-Touristen, die Presse wird der Lüge bezichtigt, falsche Zahlen zu Demonstrations-Teilnehmern zu liefern. Es wird explizit nach dem Namen der Veranstalter gefragt und eine Information, wo diese wohnen, wird auch prompt geliefert. Besser noch sollten die Mitglieder der Initiative doch gleich Hemmoor verlassen, wenn es ihnen nicht passt. Die Sprache, die dabei online gewählt wird, erinnert an die antidemokratische Rhetorik der AfD. Diese hat es wieder salonfähig gemacht, Andersdenkende als Gegner zu etikettieren.

Von der Bürgerinitiative kann man halten, was man möchte. Man muss nicht ihrer Meinung sein. Man muss sich ihr nicht anschließen. Gewiss ist aber, dass diese Bürgerinitiative eine Demonstration anmelden und abhalten darf, nach Artikel 8, Absatz eins des Grundgesetzes. Dieser ist ein wichtiger Baustein unserer Demokratie. Wer zum Ausdruck bringen möchte, dass er unbedingt einen "McDonald's" in Hemmoor möchte, darf selbstverständlich auch eine Demonstration anmelden.

Fast 24 Prozent der Hemmoorer haben der AfD bei der Bundestagswahl ihre Stimme gegeben; ein erschreckend hoher Anteil der Wählerinnen und Wähler. Erschreckend auch: Im Februar wurden die "Omas gegen rechts" auf dem Wochenmarkt in Hemmoor angebrüllt - und auch zu diesen finden sich heftige Kommentare in dem sozialen Netzwerk. Die Administratoren der Gruppe scheinen schon aufgegeben zu haben. Das ist bedauerlich. Denn: Spätestens seit dem Mord an dem Regierungspräsidenten in Kassel, Walter Lübcke, der 2019 von einem Rechtsextremisten ermordet worden war, zeigt sich, wozu Hass im Netz führen kann. Dieser bleibt leider oft nicht nur online.

Die etlichen Politiker und Politikerinnen, die ebenso Teil dieser Gruppe des sozialen Netzwerkes sind, sollten nicht aufgeben und wegschauen. "Es ist ein Versprechen, das wir uns gegenseitig geben, um ein Umfeld zu schaffen, in dem Vielfalt geschätzt und gelebt wird", sagte Sabine Wist beim Unterzeichnen der "Hemmoorer Erklärung". Ich hoffe, dass auf diese Worte auch Taten folgen.

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Bengta Brettschneider

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