Der Landkreis hat gewählt: Die Bürgermeisterwahlen fielen unerwartet deutlich aus. Die Wahlbeteiligung war mit gut 58 Prozent ordentlich. Symbolfoto: Pleul/dpa
Der Landkreis hat gewählt: Die Bürgermeisterwahlen fielen unerwartet deutlich aus. Die Wahlbeteiligung war mit gut 58 Prozent ordentlich. Symbolfoto: Pleul/dpa
Kommunalwahl 2026

Kommunalwahl im Cuxland: Unerwartete Ausgänge & beunruhigende Erkenntnis (Kommentar)

von Ulrich Rohde | 13.09.2026

Drei unerwartete Ausgänge und deutliche Siege bei den Bürgermeisterwahlen und eine solide Wahlbeteiligung prägten die Kommunalwahl im Landkreis Cuxhaven. Doch es gibt auch eine beunruhigende Erkenntnis.

Was wohl niemand erwartet hat, sehr wahrscheinlich am allerwenigsten die Kandidaten selbst, ist eingetreten. Es wird keine Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters in der Stadt Cuxhaven geben. Die Wahlvorstände und -helfer in den Wahllokalen können am 27. September 2026 getrost zu Hause bleiben und den Sonntag genießen.

Überwältigendes Votum für Uwe Santjer

Amtsinhaber Uwe Santjer (SPD) hat einen überwältigenden Vertrauensbonus erhalten und darf gestärkt durch ein hervorragendes Wahlergebnis von fast 59 Prozent seine zweite Amtszeit antreten. Von einer Wechselstimmung, wie sie sein Kontrahent von der CDU, Thomas Brunken, noch kurz vor dem Wahltag erspürt haben will, gibt es keine Spur. Brunken, der sich durchaus tapfer durch einen Wahlkampf gegen einen Oberbürgermeister kämpfte, der geradezu omnipräsent schien, dümpelte mit gerade mal 19 Prozent ins Ziel. Auf ihn folgt Alexander Bremer (Die Cuxhavener), ein Politikneuling, der sich mit fast 13 Prozent achtbar schlug. Für Günter Wichert (FDP) hat sich der enorme Aufwand nicht ausgezahlt. Er kam nur auf gut 6 Prozent (Stand am Wahlabend 21.30 Uhr).

Eine "Familienangelegenheit" ist der Urnengang für Oberbürgermeister Uwe Santjer, dessen persönliches Wahlziel in einer zweiten Amtszeit als Stadtoberhaupt besteht. Zur Stimmabgabe in der Geschwister-Scholl-Schule ließ sich Santjer am Vormittag von seiner Ehefrau Petra sowie den Töchtern Jule und Finja begleiten. Foto: Koppe

Großes Vertrauen für Frank Thielebeule

Auch in der Samtgemeinde Hadeln blieb das Warten auf den Wahlausgang in der Stichwahl aus. Noch weit weniger als in der benachbarten Kreisstadt hatte irgendwer vermutet, dass Frank Thielebeule, der parteiunabhängige, von der SPD in Land Hadeln unterstützte Samtgemeindebürgermeister, so glatt gewinnen würde, wie er es am Sonntag tat. Er setzte sich mit großem Abstand (52,38 Prozent) gegen den Einzelbewerber Maik Schwanemann (24,32 Prozent) und Michael Merz von der CDU (23,30 Prozent) durch.

Frank Thielebeule bleibt Land Hadelns Samtgemeindebürgermeister. Foto: Mangels

Unerwartet gutes Ergebnis für Hendrik Lunden

Dass es keine Stichwahl geben würde, war zumindest in der Samtgemeinde Hemmoor schon im Vorhinein völlig klar. Denn es gab nur zwei Bewerber. Dass sich aber der von der SPD unterstützte parteiunabhängige Kandidat Hendrik Lunden die Wahl zum Samtgemeindebürgermeister mit 63,42 Prozent so deutlich gegenüber dem ebenfalls parteilosen Torge Krüger (36,58 Prozent), den die CDU nominiert hatte, dominieren würde, war dann doch sehr überraschend.

Der Vorgänger und sein Nachfolger: Der amtierende Amtsinhaber Jan Tiedemann (r.) gratuliert seinem Nachfolger als Rathauschef in der Samtgemeinde Hemmoor zu dessen deutlichem Erfolg bei der Direktwahl. Foto: Brettschneider

Wahlbeteiligung war solide bis ordentlich

Es ist immer schwierig, bei einer Kommunalwahl einen roten Faden zu erkennen, weil vieles von Personen und persönlichen Präferenzen und oft weniger von den Parteifarben abhängt. Eine wichtige Erkenntnis dieses Wahlabends ist jedoch die relativ hohe Wahlbeteiligung von immerhin rund 58 Prozent: Für eine Kommunalwahl ist das solide und eine erfreuliche Nachricht.

AfD nicht ganz so stark wie erwartet

Eine weitere Erkenntnis ist das im Vergleich zu den vergangenen Landtagswahlen in den östlichen Bundesländern deutlich schwächere Abschneiden der AfD. Das ist erst einmal beruhigend. Das hat nach allem, was man zum jetzigen Zeitpunkt analysieren kann, zum einen damit zu tun, dass das Kandidatentableau der Rechtsextremen in unserer Region verhältnismäßig schwach ausgeprägt war, zum anderen damit, dass sie - anders als im Osten der Republik - hier nicht als sogenannte Kümmererpartei angesehen werden, sie in den vergangenen Jahren auch kaum präsent waren und ihre Gesichter nur wenigen bekannt sind. Das Label der Volksparteien auf lokaler Ebene haben sich in unserem Küstenkreis weiterhin die großen Parteien der demokratischen Mitte verdient.

Demokratische Kräfte müssen sich etwas einfallen lassen

Dies ist eine wichtige Erkenntnis, die in den nächsten Jahren noch eine bedeutende Rolle spielen dürfte. Denn eines, und das ist weniger beruhigend, muss klar sein: Trotz der geringen Sichtbarkeit der Kandidaten von Rechtsaußen im Wahlkampf haben sie mit ihren Slogans, die auf den Plakaten prangten, immerhin überall im Kreisgebiet Ergebnisse zwischen 10 und 20 Prozent erzielt - ihr Wahlergebnis bei der Kreistagswahl von knapp 5 Prozent vor fünf Jahren hat die Partei in etwa verdreifacht. Und das sollte wirklich allen zu denken geben und bei den demokratischen Kräften der Mitte im Küstenkreis alle Alarmglocken schrillen lassen.

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Redaktionsleiter
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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