Cuxhaven, die Wiege der Kreuzfahrt: Als die "Augusta Victoria" auf Reisen ging
Vor 135 Jahren begann in Cuxhaven die Geschichte der Kreuzfahrt. In den Hapag-Hallen wurde zum Jubiläum an die erste Reise der "Augusta Victoria"erinnert. Es gab einen Ausblick auf die Zukunft nachhaltiger Kreuzfahrten an der Nordsee und in Cuxhaven.
Am 22. Januar 1891 startete in Cuxhaven die Geschichte der Kreuzfahrt: Eisgang auf der Elbe, ein starker Ostwind - und der Kaiser hatte sich in Cuxhaven angemeldet. Die erste Kreuzfahrt der Geschichte sollte mit der "Augusta Victoria" beginnen. Das ist 135 Jahre her, und anlässlich dieses Jubiläums gab es eine Veranstaltung in den Hapag-Hallen mit einem Blick in die Vergangenheit und die Zukunft.
In Cuxhaven kamen rund 50 Gäste in der denkmalgeschützten Galerie der Hapag-Hallen zusammen. Kristian Kamp, stellvertretender Vorsitzender der Tourismuswirtschaftsgemeinschaft Cuxhaven e. V., begrüßte die Gäste. Zum Thema Kreuzfahrt sagte er: "Anlass ist das 135-jährige Jubiläum, das hier in Cuxhaven von der Alten Liebe aus stattfand, damals mit der 'Augusta Victoria‘. In diesen historischen Räumlichkeiten kann man sich durch die vielen Bilder und die Ausstellung gut vorstellen, wie es damals war."
"Um die Ecke geht es nach Amerika"
Ein Grußwort gab es von Bürgermeister Thomas Brunken. Er sprach davon, dass 135 Jahre für eine Person kaum zu überblicken seien. "Umso schöner, dass hier daran erinnert wird und Geschichte lebendig gehalten wird", so der Bürgermeister. Brunken betonte zudem, dass man auch heute Visionen brauche - so wie sie seinerzeit Albert Ballin gehabt hat.
Anschließend sprach TWG-Vorstandsmitglied Torsten Maaß, der selbst Führungen durch die Hapag-Hallen leitet. Er erzählte aus der Geschichte:
"Der Kaiser hatte sich damals in Cuxhaven angemeldet. Er wollte die 'Augusta Victoria‘ besichtigen, weshalb das Schiff an der Alten Seebäderbrücke anlegen musste. Viel zu klein für das Schiff - aber der Kaiser wollte an Bord. Albert Ballin hatte das Schiff für eine Kreuzfahrt umrüsten lassen. Die Schiffe lagen im Winter sonst auf, denn niemand wollte im November freiwillig über den Nordatlantik nach Amerika. Die Schiffe verdienten also kein Geld. Die Idee war eine 'Lustreise‘. Aus einem Transportmittel wurde ein Fortbewegungsmittel für Freizeitvergnügen. Umgerüstet wurde das Schiff für rund 240 Passagiere - ausschließlich Erste Klasse. Cuxhaven gehörte damals zu Hamburg."
Wer sich über die Cuxhavener Geschichte informieren möchte, kann die Ausstellung "Um die Ecke geht es nach Amerika" besuchen. Noch nie gezeigte Bilder und Exponate hat der Förderverein Hapag-Halle für eine umfassende Ausstellung im Galeriegebäude des Steubenhöfts zusammengestellt.
"Albert Ballin war seiner Zeit voraus"
Anschließend schloss sich der Kreuzfahrtexperte Philipp Rademann an. Er sprach über die Kreuzfahrt im Wandel: "Wo kommen wir her, wo wollen wir hin?" - diese Frage stellte er und beantwortete sie selbst.
"Albert Ballin war seiner Zeit voraus. Jeder, der heute eine Kreuzfahrt macht und sich darüber aufregt, dass es so viele Bezahlrestaurants gibt, muss wissen: Albert Ballin war schon 1913 der Vorreiter. Auf der 'Imperator‘ kostete das Ritz-Carlton-Restaurant ebenfalls extra."
Die Kreuzfahrt habe in den letzten Jahren in Cuxhaven einen Dornröschenschlaf gehalten. Man müsse sich fragen, wie es sein könne, dass in einer Region mit jährlich acht Millionen Übernachtungen - davon vier Millionen in Cuxhaven - nicht auch für Kreuzfahrer noch mehr zu entdecken sei. Er sprach vor allem über die kleineren Schiffe mit 140 bis 200 Gästen.
"In diesem Jahr kommt aber auch die 'Deutschland‘ auf ihrer Abschiedstournee viermal zum Passagierwechsel nach Cuxhaven. Wir wollen uns dort gut präsentieren. Das kann ein Auftakt sein, künftig hier mehr nachhaltige Kreuzfahrt zu etablieren", so Rademann.
Rademann ist sich sicher: "Es bieten sich Chancen mit anderen Partnern in der Region. Eins ist klar: Wir sind einer der beliebtesten Tourismusstandorte an der Nordsee. Und den Zauber von früher hat die Stadt nicht verloren."
Die Interessen der neuen Generation von Kreuzfahrern würden sich immer mehr wandeln - weg von Stadtführung und Museum, hin zu Natur und Erlebnis. In Cuxhaven und der Region mit dem Weltnaturerbe Wattenmeer und dem Alten Land habe man dafür beste Voraussetzungen, ein attraktives Programm zu gestalten. Es brauche nur Mut zur Innovation.


