Teurer Neubau, geringe Leistung: Vergleich zeigt Effizienzprobleme der "Osteriff"
Der Neubau des Hopperbaggers "Osteriff" bleibt umstritten: Ist die Technik veraltet, sind die hohen staatlichen Investitionen gerechtfertigt? Experten zweifeln an der Effizienz des Schiffes und kritisieren Mängel bei der Ölbekämpfungskapazität.
Der Hopperbagger "Osteriff" ist an den Eigner, die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung, übergeben worden und wird künftig vom WSA Weser-Jade-Nordsee in Wilhelmshaven betrieben. Die Bauhistorie des 133 Meter langen Schiffes ist bemerkenswert. Die Frage ist allerdings auch, ob der Laderaumsaugbagger den Anforderungen an ein modernes Arbeitsschiff gerecht werden kann.
Laut Dr. Nils Moser, Geschäftsführer von Blohm + Voss, wo das Schiff seit 2022 fertigkonstruiert worden ist, erfülle die "Osteriff" "die höchsten technischen Standards für effiziente und ressourcenschonende Saugbaggerarbeiten", wie es in einer Presseerklärung aus dem Dezember vorigen Jahres hieß. Aber stimmt das auch? Geplant wurde das Schiff seit 2013, gebaut wurde es von Dezember 2016 an bis April 2022 auf der Pella Sietas Werft in Hamburg Neuenfelde. Nach deren Insolvenz ging es bei Blohm + Voss in Hamburg bis zur Fertigstellung ab August 2022 weiter. Nach Informationen aus Fachkreisen werden die Motoren, mit denen die "Osteriff" ausgestattet ist, schon seit 2019 nicht mehr gebaut.
Wird der Antrieb heutigen Ansprüchen noch gerecht?
Der Cuxhavener Schifffahrtsexperte Jürgen Grzeskowiak meint, dass schon vor der ursprünglich geplanten Fertigstellung Ende 2018 hätte klar sein müssen, dass Nachfolgemotoren oder Ersatzteile für die Zukunft nicht mehr zur Verfügung stehen würden. Er zweifelt daran, dass der Antrieb heutigen Ansprüchen gerecht wird. Der Auftraggeber, das Bundesverkehrsministerium, hätte sich spätestens nach der Insolvenz von Pella Sietas Gedanken darüber machen müssen, ob ein Weiterbau des Schiffes noch Sinn ergibt, so Grzeskowiak. Oder man hätte auch über eine zeitgemäßere Motorisierung, etwa mit Flüssiggas (LNG), nachdenken können.
Ein Blick in die technischen Einzelheiten lässt einiges deutlich werden. Die "Osteriff" hat eine Ladekapazität von 7500 Kubikmetern und ist mit einer Motorenleistung von 14.000 kW ausgestattet. Die "Alexander von Humboldt", mit 120 Metern Länge und einem Laderaum von 10.450 Kubikmetern einer der größeren Saugbagger, benötigt nur 13.000 kW. Das Verhältnis "Osteriff" zu "Alexander von Humboldt" beträgt 1,87 kW pro Kubikmeter zu 1,24 kW pro Kubikmeter. Und selbst der fast 50 Jahre alte bundeseigene Bagger "Nordsee" ist mit 1,55 kW pro Kubikmeter effizienter als die "Osteriff". Die Aussage des Werftchefs, dass der Hopperbagger mit 7500 Kubikmetern "über eine enorm hohe Transportkapazität" verfüge, relativiert sich, wenn man das Volumen des Saugbaggers "Kaishuu" dagegenhält. Der hat eine Ladekapazität von etwa 16.500 Kubikmetern.
Bauzeit vervierfacht und rund 50 Prozent teurer
Dass der Bau des Baggerschiffes zum Investitionsgrab werden würde, konnte bei Kiellegung niemand ahnen. Doch den veranschlagten Baukosten von 95 Millionen Euro musste der Bund weitere 47 Millionen nachschießen. Davon gelangten allerdings nur 35 Millionen Euro zu Blohm + Voss. Zwölf Millionen Euro mussten für die Insolvenz von Pella Sietas aufgewendet werden. Rechnet man die Kosten hinzu, mit denen die "Nordsee", die eigentlich schon 2019 außer Dienst gestellt werden sollte, für den Weiterbetrieb fit gemacht werden musste, und zieht man die Kosten hinzu, die für Ersatzaufträge an Fremdfirmen zwischen 2019 und 2025 aufgewendet werden mussten, sind wirtschaftliche Gesamtkosten von mehr als 300 Millionen Euro anzunehmen.
Kapazität für Ölbekämpfung geht drastisch zurück
Es kommt noch etwas Entscheidendes hinzu. Bei der "Osteriff" wurde die Fähigkeit zur Ölbekämpfung nicht vorgesehen. Die "Nordsee" ist hingegen noch mit "Sweeping-Armen" ausgerüstet und kann Leichtöl von der Wasseroberfläche abschöpfen und im Laderaum speichern. Mit der Außerdienststellung entfällt diese Fähigkeit. Zwar verfügen auch die Mehrzweckschiffe des Bundes (Neuwerk, Scharhörn, Mellum, Arkona) über Kapazitäten zur Ölbekämpfung im Havariefall. Doch die sind sehr begrenzt. Im Sinne der maritimen Notfallvorsorge wurden den zuständigen Stellen Kapazitäten in der Größenordnung von etwa 15.000 Kubikmetern Ladevolumen in Aussicht gestellt. Von dieser Größenordnung ist die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung künftig weit entfernt. Mögliche Großschadenslagen könnten so kaum bewältigt werden.
Auf eine entsprechende Nachfrage des Bundes der Steuerzahler Niedersachsen und Bremen bei der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt Kiel aus dem Jahr 2022 hieß es, dass die "zuvor definierten Ziele" zur Bekämpfung von Ölverschmutzungen auf See "mit dem existierenden System erreicht werden". Diese Einschätzung dürfte wohl demnächst revidiert werden müssen, denn die zukünftige Ausstattung wird auf diese Weise nicht erreicht.
Bagger-Pilotprojekt könnte Problem fehlender Ölbekämpfungskapazitäten beheben
Eine Lösung könnte das Pilotprojekt bieten, für das 2 Millionen Euro Planungsmittel in den Bundeshaushalt eingestellt worden sind. Es geht um den Bau von Baggern ohne Laderaum mit mehreren Transportschiffen, die optional mit Einrichtungen zur Ölbekämpfung sowie zur Übernahme von Containern ausgestattet werden können. Das ausschreibungsreife Konzept wurde von einer Arbeitsgruppe um Jürgen Grzeskowiak über Jahre entwickelt. Es wird sowohl vom Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Haushaltsausschuss, Florian Oßner, als auch vom Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft und Tourismus, Christoph Ploß (CDU), sowie vom hiesigen Bundestagsabgeordneten Christoph Frauenpreiß (CDU) politisch unterstützt.
Zuständig für die Umsetzung des Beschlusses ist die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt Kiel. Sie plant eine offene Ausschreibung für das Gerätekonzept. Wann die stattfinden wird, ist allerdings völlig unklar.