Michael Stein (m.) ist die erste Person, die eine anerkannte Zwischenprüfung eines Schiffes ohne Taucher durchgeführt hat. Dafür erhielt er das erste ROV-Klassenzertifikat von Lloyd's Register. Foto: Ulrich Wirrwa
Michael Stein (m.) ist die erste Person, die eine anerkannte Zwischenprüfung eines Schiffes ohne Taucher durchgeführt hat. Dafür erhielt er das erste ROV-Klassenzertifikat von Lloyd's Register. Foto: Ulrich Wirrwa
Der Mega-Trend KI

Dieser Cuxhavener will die Schifffahrt effizienter und nachhaltiger gestalten

von Tim Larschow | 28.03.2024

Unbemannte Schiffsinspektionen unter Wasser: Was nach Zukunftsmusik klingt, macht der Cuxhavener Michael Stein durch den Einsatz von Drohnen und KI bereits möglich. Eine Erfolgsgeschichte, die unter anderem in Cuxhaven entwickelt wurde.   

Während Pkw regelmäßig zum TÜV müssen, bekommen Schiffe alle paar Jahre ihre sogenannte "Klasse". Diese wird weltweit von Klassifikationsgesellschaften, als technische Sachverständige für die Sicherheit von Schiffen, überprüft und bescheinigt. Seit Jahrzehnten liefen diese Kontrollen mit Tauchern ab, im vergangenen Jahr jedoch, wurde diese Methode von Unterwasserdrohnen erstmalig abgelöst. Eine Erfolgsgeschichte, die unter anderem auch in Cuxhaven entwickelt wurde.   

Michael Stein ist in Sahlenburg aufgewachsen und hat sich zum Ziel gesetzt, die Seeschifffahrt durch den Einsatz von Unterwasserdrohnen (ROV‘s) und künstlicher Intelligenz (KI) effizienter und vor allem nachhaltiger zu gestalten. Einen wichtigen Meilenstein erreichte Stein im vergangenen Jahr, als er erstmalig eine Zwischenklasse für ein Schiff einzig mit einem ROV durchgeführt hat - dafür erhielt er als erster ein Klassenzertifikat von Lloyd's Register, dem führenden Anbieter von Klassifizierungsdienstleistungen für die Schifffahrts- und Offshore-Industrie.

Drohnen sind schneller und kosteneffizienter

Die Testtauchgänge mit seiner Drohne hat er dabei auch an Schiffen im Cuxhavener Hafen getestet, bevor er sich an die "Klassebetauchung" gewagt hat. Der Vorteil einer Drohne liegt laut Stein darin, dass diese schneller eingesetzt werden kann und nur von einer Person bedient werden muss. "Das alles ist während des Be- und Entladeprozesses möglich, sodass keine kostbare Zeit verschwendet wird", erklärt der Unternehmer.

Taucher müssen oftmals als Team anreisen, haben lange Vor- und Nachbereitungszeiten und unterliegen hohen Sicherheitsanforderungen. "Das ist bei ROV‘s nicht der Fall, was einen Inspektionseinsatz schnell und kosteneffizienter gestaltet", so Stein.

Bis zu zehn Prozent Treibstoffersparnis

Michael Stein ist gelernter Schifffahrtskaufmann, selbstständiger Berater für die maritime Branche und Doktorstudent an der Universität Antwerpen im Bereich innovativer Technologien für die Schifffahrt. Mit seiner Firma Stein Maritime Consulting arbeitete er an ersten Lösungsansätzen unbemannter Unterwasserinspektionen, seitdem er 2016 auf einer Messe in Rotterdam sein erstes ROV in den Händen hielt. "Diese Technologie könnte ein game-changer für die Seeschifffahrt werden, wenn Drohne und Software lernen, miteinander intelligent zu kommunizieren."

Bereits im Lockdown 2021 habe er mit seinem Studienfreund David Kaiser begonnen, ein neuronales Netzwerk auf die Erkennung von Schiffsrümpfen und dortige Anomalien zu trainieren. "Ziel war es, Schäden in der Schiffsfarbe, Rost und vor allem Bewuchs zu erkennen, welcher das Schiff ineffizienter machen könnte", erklärt Michael Stein. Studien sprechen von bis zu zehn Prozent Treibstoffersparnis, wenn ein Schiff ohne Algen, Pocken und Muscheln am Rumpf durch das Wasser gleitet. So könnten Treibstoffkosten gespart und Emissionen verringert werden.

Cuxhaven ist Teil eines internationalen Netzwerks

"Als unsere KI nach einem Jahr erstaunlich gut darin war, ROV-Videos zu analysieren, haben wir damit begonnen, eine Ausgründung vorzubereiten", berichtet Michael Stein. Im September 2023 wurde daher "Vesselity Maritime Analytics" offiziell eingetragen und ist seitdem dabei, die Schifffahrt zu digitalisieren. Ihr erklärtes Ziel ist es Reeder zu überzeugen, ihre Schiffe nicht wie üblich alle 2,5 Jahre zu inspizieren, sondern alle 6 bis 12 Monate auf Bewuchs und Schäden mit Drohnen prüfen zu lassen. Die KI berechnet daraufhin das Ausmaß und liefert Einschätzungen zum Mehrverbrauch der Schiffe und ob sich eine frühzeitige Reinigung der Hülle betriebswirtschaftlich lohnt.

Um dies zu realisieren, bauen die Gründer von "Vesselity" derzeit ein internationales Netzwerk auf, welches neben Städten wie Vancouver, Dublin und Antwerpen auch Cuxhaven umfasst.

Durch den Einsatz ferngesteuerter Drohnen können Unterwasserinspektionen schnell und kostengünstig durchgeführt werden. Foto: Stein
Was mit bloßem Auge kaum zu erkennen ist, erkennt die KI am Schiffsrumpf in wenigen Minuten und liefert die gewünschten Daten. Foto: Stein

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Tim Larschow

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

tlarschow@no-spamcuxonline.de

 

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