Alles vorbereitet für Fan-Museum in Cadenberge - aber Grönemeyer schweigt
CADENBERGE. Der Bauantrag ist da, die Fördergelder sind bewilligt - eigentlich kann es losgehen mit dem Bau des Grönemeyer-Fan-Museums in Cadenberge. Eigentlich.
Was dem Sammler Wolfgang Heß noch fehlt, ist die Zustimmung von Herbert Grönemeyer. Doch der "Bochum"-Sänger und sein Management hüllen sich in Schweigen.
Die Wände und Schränke sind mit Konzertplakaten und Porträtbildern vollgestellt, auf dem Plattenteller dreht sich Herbert Grönemeyers bekannteste Scheibe, "4630 Bochum". Nebenan hat sich eine Gruppe von Schaufensterpuppen im Grönemeyer-Fan-Outfit postiert, die auf die kostbare Sammlung aufpassen. Mittendrin steht ihr Besitzer, Wolfgang Heß. "Da ist im Laufe der Jahrzehnte so einiges zusammengekommen", sagt der Grönemeyer-Fan.
Unfassbare Sammlung
Seit mehr als 40 Jahren sammelt er alles, was mit dem Popstar zu tun hat und gibt eine Menge Geld für Devotionalien aus. Rund 2000 Exponate umfasst seine Kollektion: Plakate, Musikkassetten, CDs, DVDs, T-Shirts, Tassen, Becher, Zeitschriften, Aufkleber, Eintrittskarten, (von Grönemeyer designte) Uhren und natürlich unzählige Schallplatten, darunter auch die seltene Werbe-Single "Komm mit in die AOK" aus den 1970er-Jahren, Grönemeyers erste Veröffentlichung.
Zurzeit ist die Grönemeyer-Sammlung noch bunt in Heß' Privaträumen am Heideweg verteilt. Aber wenn alles klappt, zieht sein Fundus noch in diesem Jahr in ein Museumsgebäude, das nebenan, auf der freien Fläche neben dem Wohngebäude, entstehen soll. Das Konzept für die Präsentation der zahlreichen Exponate steht. Der 59-jährige Uhrmachermeister rechnet mit Baukosten von 800.000 bis 900.000 Euro. Weil das Grönemeyer-Fan-Museum in wirtschaftlicher und touristischer Hinsicht eine Belebung für Cadenberge und die Region darstellen würde, will die EU das Projekt mit einem Leader-Zuschuss von 150.000 Euro fördern. Auch der Landkreis Cuxhaven, die Samtgemeinde Land Hadeln und die Gemeinde Cadenberge unterstützen die Museumspläne finanziell. Um die Restsumme zu stemmen, hofft Wolfgang Heß auf Grönemeyer-Fans aus ganz Deutschland: "7000 Leute könnten mir zinslos je 100 Euro leihen."
Geschenk zum 60. Geburtstag
Die Baugenehmigung für seinen Lebenstraum hat Wolfgang Heß Anfang Januar erhalten. Es habe einige Rückfragen zur Nutzung des geplanten Bauplatzes gegeben, erzählt der Grönemeyer-Fan. Er hoffe nun auf eine Eröffnung des Museums Ende des Jahres. "Im November werde ich 60. Wenn das Museum dann steht, wäre dies das allerschönste Geschenk."
Einen Haken gibt es (neben den fehlenden Mitteln) allerdings noch: Herbert Grönemeyer und sein Management haben das Konzept noch nicht abgesegnet. Das ist für den Museumsbau aber äußerst wichtig. "Ich möchte nicht bauen, bevor geklärt ist, ob mir möglicherweise rechtliche Schritte drohen", sagt Heß. "Dafür ist zu viel Herzblut im Spiel, das möchte ich nicht riskieren." Mehrfach hat der Sammler den Ruhrpott-Poeten angeschrieben, auf eine Antwort wartet er noch heute. Auch eine Presseanfrage unserer Zeitung an das Management des Künstlers und Grönemeyers Plattenlabel blieb bislang unbeantwortet.
Grönemeyer
Der Sänger, Komponist, Schauspieler und Musiker Herbert Grönemeyer, 1956 in Göttingen geboren, zählt zu den populärsten deutschen Künstlern. Während seiner Karriere wurde er unter anderem mit dem "Adolf-Grimme-Preis", dem "Echo" und dem "World Music Award" ausgezeichnet. Seinen Durchbruch als Schauspieler feierte er 1981 mit dem Film "Das Boot". Sein 2002 veröffentlichtes Studio-Album "Mensch" verkaufte sich über 3,5 Millionen Mal und wurde damit das meistverkaufte Album deutscher Sprache. Zu seinen bekanntesten Stücken zählen "Bochum", "Männer", "Alkohol", "Halt mich", "Flugzeuge im Bauch" und "Mensch".