Corona-Krise: Wingster Bus-Unternehmen Primo Reisen stellt Betrieb ein
WINGST. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie zwingen das Wingster Bus-Unternehmen Primo Reisen zur Schließung. Schon bald ist der letzte Tag.
"Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben uns sehr hart getroffen und somit sind wir gezwungen, zum 1. Juli 2020 schweren Herzens den Busbetrieb zu schließen", teilt das Unternehmen Primo Reisen, Lührs Reisen ihren Kunden auf der Internetseite mit. Geschäftsführer Bernd Lührs musste am Mittwoch seinen wohl bisher schwersten Job erledigen und seinen 45 Mitarbeitern sagen, dass sie entlassen werden.
Um 10 Uhr erfuhren es die Mitarbeiter im Büro, um 11 Uhr die Linienbusfahrer, um 12 Uhr die Reisebusfahrer. "Das war wirklich der schwärzeste Tag für meinen Mann, als er den Mitarbeitern, die teilweise seit 25 oder 30 Jahren bei uns beschäftigt sind, mitteilen musste, dass sie gekündigt werden", erklärt Anette Lührs, Ehefrau von Geschäftsführer Bernd Lührs. Städtetrips nach Wien oder Paris, mehrtägige Urlaubseisen nach Südtirol oder an die Ostsee, Entdeckerreisen durch Schottland oder Ungarn: In Zukunft findet all das ohne Primo Reisen, Lührs Reisen statt. Die Corona-Krise hat sich zu stark auf das Busunternehmen ausgewirkt.
Zu geringe Einnahmen durch Corona-Krise
"Nach drei Monaten ohne Einnahmen war uns klar, dass wir das nie wieder aufholen können. Der Reisebusverkehr ist ein Saisongeschäft im Sommer. Und das wäre jetzt. Wir haben gekämpft bis zum Schluss, aber die Erkenntnis gewonnen, dass es nicht machbar ist." Primo Reisen, Lührs Reisen bedient zwei Bereiche: Den Linienbusverkehr, der zehn Prozent der Einnahmen ausmacht, und den Reise- und Mietbusverkehr, mit dem 90 Prozent verdient wurden. "Der Linienbusverkehr allein bringt aber nicht genügend Einnahmen", erklärt Anette Lührs.
Vorerst läuft der aber noch wie gewohnt weiter. Touristische Busreisen fallen, obwohl sie mittlerweile wieder erlaubt worden sind, ab sofort aus. Die Umsetzung der Corona-Vorgaben sei nicht realistisch und wäre nicht wirtschaftlich: "Die Reisegäste wollen die Busreise genießen und unter solchen Umständen nicht reisen. Gerade ältere Herrschaften lieben die Geselligkeit, das miteinander Kommunizieren. Das geht nicht, wenn sie dauerhaft einen Mundschutz tragen müssen."
Unternehmen bleibt auf Fahrzeugen sitzen
Die großen Reisebusse bleiben also leer. Doch was passiert jetzt mit ihnen? "Zu Jahresbeginn haben wir fünf neue Reisebusse gekauft. Doch zu Corona-Zeiten will die niemand haben. Kein Mensch auf dieser Welt will im Moment einen Reisebus kaufen", weiß Anette Lührs.
Das Unternehmen, das im nächsten Jahr sein 75-jähriges Jubiläum gefeiert hätte, hatte sich schon im April dazu entschieden, die Notbremse zu ziehen und einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt. Mit der Schließung aller Schulen am 16. März und dem damit entfallenden Linienverkehr, der Absage aller Schüler- und Klassenfahrten und dem Fahrverbot für Reisebusse ab 17. März wurde dem Busbetrieb die komplette Arbeitsgrundlage genommen.
Das Ehepaar Lührs hatte bis zum Schluss gehofft, dass der Insolvenzantrag der rettende Strohhalm zum Erhalt des Unternehmens ist. Seit vergangenen Mittwoch ist klar, das war er nicht.
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