Etwas zu beanstanden hatten die Brandschutz-Inspektoren nicht nur auf privat geführten Campingplätzen, sondern auch auf Anlagen, die sich (wie der hier abgebildete Campingplatz Altenbruch) in der Hand der städtischen Tochtergesellschaft Nordseeheilbad GmbH befinden. Foto: Koppe
Etwas zu beanstanden hatten die Brandschutz-Inspektoren nicht nur auf privat geführten Campingplätzen, sondern auch auf Anlagen, die sich (wie der hier abgebildete Campingplatz Altenbruch) in der Hand der städtischen Tochtergesellschaft Nordseeheilbad GmbH befinden. Foto: Koppe
Nach Brand im März

Cuxhaven: Campingplätze werden auf Brandschutz geprüft

von Kai Koppe | 10.09.2020

CUXHAVEN. Schlicht und ergreifend mehr Zeit wünschen sich örtliche Campingplatzbetreiber, die in Sachen Brandschutz nachbessern sollen.

Das brachten einige der Betroffenen in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Feuerwehr, Sicherheit und Ordnung zum Ausdruck. In Reaktion auf einen Brand im Kurteil Duhnen (s. Infokasten) hatte sich die Verwaltung dazu entschlossen, die Plätze im Stadtgebiet zu überprüfen. Betreiber erhielten nach einer Begehung eine individuelle Mängelliste - begleitet mit der Aufforderung, kurzfristig Abhilfe zu schaffen: So fasste Ausschussmitglied Volker Kosch am Mittwoch die Chronologie der Ereignisse zusammen. 

Dabei machte der SPD-Ratsherr keinen Hehl daraus, dass er die von der Verwaltung gewährte Frist zur Mängelbehebung für eine Zumutung hält: Nachdem die Situation auf den Campingplätzen von den Behörden über 40 bis 50 Jahre hinweg so hingenommen worden sei, wolle die Stadt nun "mit der Holzhammermethode" beseitigen, was historisch gewachsen sei. "Und das mitten in der Hauptsaison. Das geht eigentlich gar nicht", ergänzte Kosch, der etwaige Brandschutzprobleme auf den Plätzen trotzdem keineswegs unter den Teppich gekehrt wissen will.

Kritik: Frist nicht realitätsnah

Das Ganze müsse aber vernünftig, das heißt, in Absprache mit den Platzeigentümern ablaufen - das unterstrich neben Kosch auch dessen CDU-Ratskollege Thomas Brunken, der an den Oberbürgermeister appellierte, die von der Bauaufsicht eingeschlagene forsche Gangart zu stoppen. Nicht nur den Nachbesserungsbedarf, auch der Zeitrahmen, in dem Betreiber die festgestellten Mängel beseitigen sollen, gilt es Brunkens Meinung nach in Form einer Einzelfallentscheidung abzuwägen.

Die Stadtverwaltung hatte in mehreren Fällen eine Überplanung des Platzes verlangt, die in der Winterpause vorzunehmen wäre. Darüber hinaus waren in den Schreiben, die an eine Reihe von Platzbetreiber erhielten, Kurzfrist-Maßnahmen angeordnet worden, die - so klang es in der Ausschusssitzung an - binnen eines Monats erledigt werden sollten. Als "nicht realitätsbezogen" kritisierte ein Betroffener am Donnerstagnachmittag diese Maßgabe: Zum einen, weil sich die geforderten Brandschutzschneisen möglicherweise "nicht eben mal so" einrichten lassen. Zum anderen, weil die Plätze saisonbedingt von Camping-Gästen frequentiert werden.

Camping: Langzeitgäste

An den Campern gehen die von oben verordneten Maßnahmen nicht spurlos vorbei. Absehbar scheint, dass ein Teil der Langzeitgäste die angestammten Parzellen aufgeben werden muss, sobald man dazu übergeht, Schneisen schlagen oder die Abstände zwischen den Caravans zu vergrößern. Ein Platzbetreiber warnte in diesem Zusammenhang vor unnötigen sozialen Härten. Einer seiner Kollegen erinnerte im selben Atemzug an bis zum Jahresende reichende Verträge mit Dauercampern: Vor deren Ablauf ließe sich die Verteilung der Parzellen ohnehin nicht verändern.

Sicherheit nicht verhandelbar

Robert Babacé (Die Grünen) äußerte Verständnis für die schwierige Situation der Betreiber, wies aber darauf hin, dass "in Sachen Sicherheit die Spielräume für Kompromisse gering" seien. Der Idee, Platzeignern eine Karenzzeit von zwei Jahren zu gewähren, erklärte er damit eine Absage. Trotzdem, so Babacé, dürfe man den Betreibern nicht den Boden unter den Füßen wegziehen. "Ich kann nur in den Brandschutz investieren, wenn ich weiß, dass ich morgen noch existiere".

Aus Sicht Volker Koschs würde es zudem wenig Sinn machen, die Lage so eskalieren zu lassen, dass sich Platzeigentümer und Stadt vor Gericht wiedersehen. "Campingplätze sind ein wichtiges touristisches Element in unserer Stadt" gab der SPD-Ratsherr darüber hinaus zu bedenken. 

Auf einem Campingplatz in Duhnen brannten Ende März zehn Wohnwagen vollständig aus. Die Caravans auf dem Platz waren zum Zeitpunkt des Brandes nicht besetzt. Die Bauaufsicht nahm den Vorfall zum Anlass, um örtliche Campingplätze gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr unter Brandschutzaspekten zu überprüfen.

Der Auslöser

"Der Knall war so laut, dass die Wände wackelten": So beschrieben Anwohner auf dem Campingplatz in Duhnen das verheerende Feuer am 23. März. Zehn Wohnwagen und Vorzelte fielen dem Brand damals zum Opfer, glücklicherweise keine Menschen. Im Nachgang des Vorfalls häuften sich die Beschwerden. Die Campingplätze seien nicht ausreichend geschützt; Brandschutzmaßnahmen müssten überarbeitet werden, so Marcel Kolbenstetter, Sprecher der Stadt Cuxhaven. "Sicherheit und Brandschutz sind generell nicht verhandelbar. Daher prüfen wir aktuell die Lage auf den Campingplätzen und setzen fest, welche Vorgaben getroffen werden müssen, um ein Szenario wie damals zu verhindern." 

Campingplätze in Cuxhaven

18 betroffene Campingplätze in Cuxhaven seien zuvor informiert worden, dass Überprüfungen folgen werden. Auch bezogen auf Baugenehmigungen. Auf einer Infoveranstaltung Ende Juni wurde das Thema Brandschutz ebenfalls thematisiert. "Die Verfahren zum Brandschutz und zur Rechtslage bei den bauaufsichtlichen Vorgaben auf den einzelnen Campingplätzen laufen aktuell noch", so Kolbenstetter. Ausführliche Informationen gebe es daher bislang nicht, zumindest nicht für die Öffentlichkeit. Diesen Standpunkt vertritt auch der neu gegründete Verein "Campingplatz-Betreiber Cuxhaven", der aktuell die Inhaber-Interessen von rund 70 Prozent der städtischen Campingplätze gegenüber den neuen Brandschutzvorgaben vertritt: "Wir sind momentan mitten im Prozess. 

Stadtordnungsamt und Feuerwehr

Das Stadtordnungsamt und die Berufsfeuerwehr Cuxhaven haben sich die Plätze angeschaut. Es gibt je nach Platz unterschiedliche Aspekte, die beleuchtet werden müssen", so Kassenwart Sönke Arendt. "Wir werden natürlich alles dafür tun, dass nach Möglichkeit so wenig Parzellen wie möglich verloren gehen. Jedoch können wir das aktuell noch nicht absehen." In Reaktion auf die Überprüfungen verschickten einige Betreiber, Kündigungen an Camper zu versenden. Als Absicherung, falls Umbaumaßnahmen notwendig werden. Inzwischen sollen diese teilweise wieder zurück genommen sein, mündlich. Empfehlung des Vereins: "Suchen sie das Gespräch mit ihrem Platzwart."

Von Kai Koppe und Julia Anders

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