Hebamme Heike Kastner (46 Jahre) bietet in den Räumen des Paritätischen eine Eltern-Säuglings-Beratung an. Auch Vorsorge-Untersuchungen können Schwangere bei ihr machen lassen. Die Beratungsstelle soll als Angebot des Landkreises eine Lücke in der Versorgung von Schwangeren stopfen. Foto: Bohlmann-Drammeh
Hebamme Heike Kastner (46 Jahre) bietet in den Räumen des Paritätischen eine Eltern-Säuglings-Beratung an. Auch Vorsorge-Untersuchungen können Schwangere bei ihr machen lassen. Die Beratungsstelle soll als Angebot des Landkreises eine Lücke in der Versorgung von Schwangeren stopfen. Foto: Bohlmann-Drammeh
Versorgungslücke stopfen

Cuxhaven: Hebamme Heike Kastner will Frauen in ihrer Beratungsstelle stärken

23.01.2022

CUXHAVEN. Die Cuxhavener Hebamme Heike Kastner bietet in den Räumlichkeiten des Paritätischen Schwangeren- und Elternberatung an. Damit soll auch eine Versorgungslücke gestopft werden, die angesichts des Hebammenmangels in Cuxhaven entstanden ist. 

Wenn aus zwei Zellen nach neun Monaten ein kleiner Mensch wird, ist das immer wieder faszinierend für Heike Kastner. Bei der Entstehung des Lebens hautnah dabei zu sein und Frauen in ihrem Selbstwert zu stärken, das ist der Motor von Hebamme Heike Kastner. Die 46-Jährige bietet seit Ende November Eltern- und Säuglingsberatung im Kreis Cuxhaven an und füllt damit eine große Versorgungslücke. 

Zeit für Beratungen

Heike Kastner ist wichtig, ihren Besuchern sofort das Gefühl zu vermitteln, herzlich willkommen zu sein. Das zeigt sie schon bei der Begrüßung. Sie nimmt den Mantel entgegen, bietet ein Wasser an, betont, man möge es sich gemütlich machen und Bescheid sagen, wenn man etwas braucht. Kastner schafft so schnell eine warme Atmosphäre - Grundlage für eine vertrauensvolle Begegnung. "Ich begegne den Frauen, die zu mir kommen mit Offenheit, gebe ihnen so viel Raum und Zeit wie sie brauchen und höre oft erst einmal zu", sagt sie. Denn auch wenn eine Schwangerschaft grundsätzlich ein freudiges Ereignis sei, ergeben sich für werdende Eltern mit dem positiven Testergebnis auch eine ganze Reihe von Fragen. "Ich möchte den Eltern Ängste und Sorgen nehmen", sagt Kastner. 

Natürlichkeit der Geburt

Die Entscheidung, Hebamme zu werden, hat sie nach dem Abitur getroffen. "Ich wusste damals noch nicht so genau, was ich machen möchte. Die Frau meines ältesten Bruders war damals schwanger und ich fand total faszinierend, was sie von ihrer Geburt erzählt hat", erzählt Kastner. Ihre Ausbildung zur Hebamme hat sie dann an der Uniklinik in Magdeburg gemacht, wo sie aufgewachsen ist. "Als ich das erste Mal live bei einer Geburt dabei war und gesehen habe, was da auf mich zu kommt - von Geräuschen über Gerüche und die Emotionen, habe ich schon gedacht: Oh jee, das sollst du jetzt machen", erinnert sie sich mit einem Schmunzeln. "Heute nehme ich eine Geburt ganz anders wahr", sagt Kastner. Ihre Mentorin habe sie damals bestärkt, weiter zu machen. "Über die Zeit ist die Liebe zur Geburt dann immer weiter gewachsen", sagt sie. Ein Satz ihrer Mentorin sei ihr zum Leitbild geworden: "Verlass dich auf deine Finger und dein Bauchgefühl", hat sie immer gesagt. Die Natürlichkeit einer Geburt in den Fokus ihrer Arbeit zu stellen, sei ihr bis heute wichtig. "Ich stärke die Frauen darin, ihrem Körper zu vertrauen und zu wissen: Sie schaffen das", sagt Kastner. Für die Hebamme sei das auch nicht immer leicht. "Man muss lernen, einen Geburtsprozess abzuwarten, viel Geduld aufbringen und eine wehende Frau auszuhalten", sagt Kastner.

23 Jahre im Krankenhaus

Im Krankenhaus, in dem sie 23 Jahre als Hebamme gearbeitet hat, sei das angesichts der Arbeitsbedingungen nicht immer leicht gewesen. "Ich wollte nicht mehr für mehrere Frauen gleichzeitig verantwortlich sein. Die eins zu eins Betreuung ist für die Frauen sehr sehr wichtig, ich war zum Schluss ganz unglücklich, dass ich das im Krankenhaus nicht gewährleisten konnte", sagt die 46-Jährige. Als sie 2015 selbst Mutter wurde, hat sie das Krankenhaus verlassen. "Nach zwei Jahren Elternzeit war für mich klar, dass ich nicht in die Klinik zurück möchte", sagt Kastner. Zum einen wegen der Arbeitsbedingungen, zum anderen wegen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. "Ich habe danach einiges ausprobiert, unter anderem eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte, war Menüassistentin im Krankenhaus, habe als Küchenhilfe gearbeitet, um nachmittags für mein Kind da zu sein", erzählt sie. Glücklich gemacht habe sie das nicht. "Ich brauche einfach das Hebammendasein", sagt sie lächelnd.

Viel Zeit für die Frauen

Als dann das Angebot vom Landkreis Cuxhaven für die Eltern-Säuglingsberatung kam, habe sie zugegriffen. "Hier bin ich mental wieder gefordert und ich habe viel Zeit für die Frauen", sagt Kastner. Die Beratungsstelle sei ein Versuch, die Versorgungslücke von Schwangeren und Frauen mit Säuglingen angesichts des Hebammenmangels zu stopfen. "Die Situation war vorher schon nicht gut, aber durch Corona ist noch mehr auf der Strecke geblieben", sagt Kastner. Noch habe sie Kapazitäten frei, für Vorsorgeuntersuchungen, Stillberatung oder andere Fragen rund um den Beginn des Lebens. "So einen neuen Erdenbürger nach der Geburt das erste Mal zu sehen, nachdem ich ihn vorher nur im Bauch ertasten konnte, macht ein ganz warmes Gefühl", sagt Kastner. Hebamme, das sei eben mehr als ein Job. "Das ist schon eine Berufung. Ich würde mich immer wieder dafür entscheiden", sagt sie heute.

Beratungen beim Paritätischen

Die Eltern-und-Säuglings-Beratung mit Hebamme Heike Kastner des Landkreises Cuxhaven ist beim Paritätischen Wohlfahrtsverband in der Kirchenpauerstraße 1 in Cuxhaven zu finden.

Die Hebamme bietet neben Vorsorge-Untersuchungen auch Beratungen rund um die Themen, Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillen, Rückbildung, Schlafverhalten, Entwicklung, Zahnen und Beikost für Schwangere und Eltern mit Kindern bis zum Ende des ersten Lebensjahres an.

In Hemmoor bietet Kastner jeden Mittwoch zwischen 9.30 Uhr und 13.30 Uhr Beratung in der Hebammenpraxis von Beate Lunden, Bahnhofstraße 5, an.

In Langen finden Beratungen an jedem zweiten Donnerstag der ungeraden Woche in der DRK Jugendhilfestation, Ziegeleistraße 12 von 9 bis 12 Uhr statt. Der nächste Termin dort ist der 3. Februar.

Terminvereinbarungen unter Telefon (0 47 21) 57 93 20 oder per Mail: eltern-saeuglingsberatung@paritaetischer.de montags bis freitags von 9 bis 13 Uhr.

Das Angebot ist kostenlos.

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