Cuxhaven zu Hamburger Schlick-Plänen vor Scharhörn: "Das müssen wir mit allen Mitteln verhindern"
CUXHAVEN. "Eine Ohrfeige", "eine totale Katastrophe", "eine massive Bedrohung für den Tourismus", "Wir müssen verhindern, dass das Wattenmeer zur Hamburger Hafenschlick-Deponie wird": So bewertet die Lokalpolitik in Cuxhaven die Hamburger Verklappungspläne vor Scharhörn.
"Das müssen wir mit allen Mitteln verhindern", so SPD-Fraktionsvorsitzender Gunnar Wegener. "Das muss ganz Deutschland, wenn nicht sogar ganz Europa interessieren. Keiner weiß, was in dem Schlick überhaupt drin ist." Für den Tourismus befürchtet er eine massive Bedrohung.
Peter Altenburg von den "Cuxhavenern" empfindet das Vorgehen als "Ohrfeige". Das Vorgehen der "Hamburger Pfeffersäcke" sei nichts Neues: Schon mit der Abdeckung der Medemrinne sei die Region einmal mehr zur Müllkippe Hamburgs geworden. "Nun ist der Bock fett - wir müssen sagen, wo es lang geht."
Mahnwache am Freitag
Ratsmitglied Johannes Sattinger (Bündnis 90/Die Grünen) sagt eine "Katastrophe" voraus: "Es ist völlig eindimensional betrachtet, dass es sich schließlich um Hamburger Gebiet handle." Alles, was dort abgelagert werde, verteile sich anschließend überall hin.
"Wir sind fassungslos", ergänzt der Grünen-Fraktionsvorsitzende Robert Babacé. "Wir hoffen, dass nun auch die Bevölkerung massiv ihren Protest ausdrückt." Der nächsten Mahnwache am Hafen nahe der Alten Liebe am Freitag, 11. Februar, um 15 Uhr können sich alle Bürgerinnen und Bürger anschließen.
Angeblich ökologisch unbedenklich
Mit ihrer Feststellung, "erhebliche Nachteile für die Umwelt, aber auch für Fischerei und Tourismus könnten sicher ausgeschlossen werden", beruft sich die Hamburger Behörde für Wirtschaft und Innovation auf eine Untersuchung, in der sie die Ablagestelle nördlich von Scharhörn (außerhalb des hamburgischen Nationalparks) auf ihre Eignung hatte prüfen lassen. Demnach sei es ökologisch unbedenklich, den Elbschlick dorthin zu bringen.
"Das wäre eine Katastrophe"
Cuxhavens Oberbürgermeister kritisierte am Dienstagnachmittag das Sedimentmanagement im Hamburger Hafen - aber auch die Art das Umgangs mit den unmittelbar Betroffenen - scharf. Eine Verklappung im Wattenmeer vor Cuxhaven gefährde das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer, Meereslebewesen, Mensch und Natur: "Aus naturfachlicher Sicht, aber auch für den Wirtschafts- und Tourismusstandort wäre das eine Katastrophe", sagte er unserer Zeitung. "Wir müssen damit rechnen, dass das auch belastete Sedimente sind, die sich dann bei uns im Wattenmeer oder vor der Grimmershörnbucht ablagern könnten."
Santjer schaltet das Land ein
Für die Sondierung und Bewertung der inzwischen über 1000 Seiten an Gutachten habe er um fachliche Unterstützung seitens des Landes gebeten. Die durch ihn informierten Ministerpräsident Stephan Weil und Umweltminister Olaf Lies hätten bereits ihre Missbilligung für das Vorhaben Hamburgs ausgedrückt. Santjer will außerdem die Stadtoberhäupter der anliegenden Hadler Gemeinden mit ins Boot holen, um Kräfte zu bündeln.
Eine Delegation aus Hamburg werde kurzfristig in Cuxhaven Untersuchungen und Planungen erläutern.
CDU/FDP/Demokraten-Gruppe vermutet, dass schon verklappt wird
Für die Ratssitzung am Donnerstag ist eine Resolution angekündigt. Schon am Dienstag deutete sich eine breite Front im Stadtparlament gegen die Hamburger Pläne an.
Eingebracht wird die Resolution von der Gruppe CDU/FDP/Die Demokraten, dies diese schon vor der aktuellen Entwicklung am Dienstag formuliert hatte. Grund: In den vergangenen Tagen hätten sich Gerüchte vermehrt, dass bei Scharhörn bereits Verklappungsmaßnahmen durchgeführt würden.
"Wir lehnen die Absicht Hamburgs zur Verklappung von Hamburger Hafenschlick vor Scharhörn weiterhin entschieden ab. Die Insel gehört zum Kernbereich des höchsten Schutzstatus im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer. Die Hansestadt Hamburg wird aufgefordert, von etwaigen Plänen Abstand zu nehmen und eventuell bereits stattfindende Arbeiten unverzüglich einzustellen", so der Gruppenvorsitzende Thiemo Röhler (CDU).
Deutliches Zeichen setzen
Um ein deutliches Zeichen zu setzen, hat die Gruppe für die Ratssitzung am Donnerstag einen Dringlichkeitsantrag eingereicht. Kern ist eine Resolution, die eine klare ablehnende Haltung von Cuxhavener Seite zu den Verklappungsplänen vor Scharhörn formuliert.
"Darüber hinaus fordern wir gegenüber der Freien und Hansestadt Hamburg, Lösungen für ein ökologisch vertretbares Hafenschlick- und Sedimentmanagement unter Beteiligung der Länder Niedersachsen, Schleswig-Holstein und des Bundes zu entwickeln", so der stellvertretende Gruppenvorsitzende Axel Schneider (Die Demokraten).
"Wir erwarten eine breite Unterstützung von den übrigen Fraktionen im Rat bei diesem so dringlichen Thema. Es gilt zu verhindern, dass das Wattenmeer zur Hamburger Hafenschlick-Deponie wird", so Röhler.