Empörung in Cuxhaven: Hamburg will Schlick vor Scharhörn verklappen
CUXHAVEN/HAMBURG. Diese Mitteilung aus Hamburg bringt den Cuxhavener Oberbürgermeister und die Ratspolitik zum Schäumen: Hamburg ignoriert mit Hinweis auf angebliche Unbedenklichkeit alle Warnungen vor einer Schlickverklappung vor Scharhörn.
Ausdrücklich weist die Behörde laut einem dpa-Bericht darauf hin, dass keine Genehmigung des Bundes oder der Nachbarländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein nötig sei, um mit der Verklappung vor Scharhörn zu beginnen. In Cuxhaven hat die Ankündigung der Hamburger Hafenbehörde Bestürzung ausgelöst. "Absolut inakzeptabel und verantwortungslos", reagiert Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer.
Untersuchung in Auftrag gegeben
Die Hamburger Behörde für Wirtschaft und Innovation stellt fest, "erhebliche Nachteile für die Umwelt, aber auch für Fischerei und Tourismus könnten sicher ausgeschlossen werden". Die bezieht sich dabei auf eine Untersuchung, in der sie die Ablagestelle vor Scharhörn, das bekanntlich zu Hamburg gehört, auf ihre Eignung hatte prüfen lassen.
Die Untersuchung sei zu dem Ergebnis gekommen, dass es ökologisch unbedenklich sei, den Elbschlick dorthin zu bringen. Die Wirtschaftsbehörde wolle nun den Bund sowie die Nachbarländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein über die weiteren Schritte informieren und die Untersuchungsergebnisse teilen.
Elbvertiefung verschärft Problem
In und um den Hamburger Hafen muss mit hohem Kostenaufwand immer wieder Schlick ausgebaggert werden, damit der nach Rotterdam und Antwerpen drittgrößte Seehafen Europas leistungsfähig bleibt. Mit der jüngsten Elbvertiefung hat sich dieses Problem noch verstärkt. Um den ausgebaggerten Elbschlick dauerhaft loszuwerden, hat Hamburg schon vor längerer Zeit eine Verklappung vor Scharhörn ins Gespräch gebracht. Sowohl der Bund als auch das Nachbarland Niedersachsen hatten bislang allerdings signalisiert, dass sie eine solche Lösung nicht unterstützen.
"Absolut inakzeptabel und verantwortungslos"
Die Stadt Cuxhaven um Oberbürgermeister Uwe Santjer verstärkt in einer Pressemitteilung vom Dienstagnachmittag abermals ihre deutliche Kritik an der geplanten Elbvertiefung und den damit verbundenen Plänen Hamburgs, die anfallenden und belasteten Baggermassen künftig am Rande des Elbfahrwassers vor der Vogelschutzinsel Scharhörn und dem dazugehörigen UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer vor der Cuxhavener Küste zu verklappen. Santjer bezeichnet das Sedimentmanagement im Hamburger Hafen als "absolut inakzeptabel und verantwortungslos". Große Sorgen macht er sich um die Entwicklung des UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer, die Meereslebewesen, Mensch und Natur.
"Keine Auswirkung auf Wattflächen"
Aus einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung der Hamburger Behörde für Wirtschaft und Innovationgeht hervor, dass die Hamburg Port Authority (HPA) ein neues Sedimentmanagement für das anfallende Baggergut entwickelt habe, um der Schifffahrt im Hamburger Hafen auch in Zukunft die notwendigen Wassertiefen verlässlich zur Verfügung stellen zu können und die ökologisch nachteilige Kreislaufbaggerei bei Neßsand deutlich reduzieren zu können. Gemeint ist damit die Ablagerung bei Scharhörn.
Wörtlich heißt es: "Alle Prüfungen zeigen fachgerecht, dass erhebliche nachteilige Auswirkungen auf die Umweltschutzgüter, die Nationalparke Wattenmeer - aber auch auf Fischerei und Tourismus - sicher ausgeschlossen werden können. Spürbare Auswirkungen auf die Wattflächen und die Zuwegungen zur Insel Neuwerk sind nicht zu erwarten."
"Schon jetzt dramatisch verändert"
Dieser Auffassung widerspricht Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer: "Die Hamburger Pläne sind absolut inakzeptabel und verantwortungslos - für Natur, Mensch und Tier. Bereits in der Vergangenheit kam es vor der Küste Cuxhavens durch die steigende Verschlickung zu dramatischen Veränderungen des Wattenmeeres. In Zeiten des Klima- und Naturschutzes sind die Hamburger Verantwortlichen dabei, eine fatale Entscheidung zu treffen. Durch die zusätzlich geplante Verklappung an der naheliegenden Vogelinsel Scharhörn wird der Schutz des einzigartigen und als UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer anerkannten Gebietes angegriffen. Das können und wollen wir nicht zulassen. Cuxhaven wird sich mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen zur Wehr setzen."
Unterstützung erhält das Cuxhavener Stadtoberhaupt von der Niedersächsischen Landesregierung um Umweltminister Olaf Lies sowie aus der Cuxhavener Ratspolitik und verschiedenen Umweltverbänden. Allesamt treten sie den Hamburger Plänen ablehnend gegenüber.
Alternative ist die Kooperation
Alternativen zur Elbvertiefung und Verklappung sieht Cuxhavens Oberbürgermeister Santjer weiterhin in Hafenkooperationen der norddeutschen Küstenländer. "Wenn die Stärken und Chancen der norddeutschen Häfen gebündelt werden, dann kann auch die Küstenregion wettbewerbs- und konkurrenzfähig gegenüber europaweiten Standorten bleiben", ist Santjer überzeugt, "dafür bietet die Region eine passende Infrastruktur zu Wasser, auf der Straße und der Schiene."
Bereits in Kürze kommen Vertreterinnen und Vertreter aus Cuxhaven und Hamburg zum Gespräch zusammen, um das angekündigte Vorhaben der Hansestadt vor Scharhörn im direkten Austausch zu bewerten.