Grelle Lichter könnten durch die Discos flackern, wummernde Bässe könnten durch die Clubs schallen. Die Betriebe dürfen am kommenden Wochenende doch öffnen, nachdem das Oberverwaltungsgericht Lüneburg die Schließung ab einer Inzidenz über zehn gekippt hat. Foto: Felix Kästle/dpa
Grelle Lichter könnten durch die Discos flackern, wummernde Bässe könnten durch die Clubs schallen. Die Betriebe dürfen am kommenden Wochenende doch öffnen, nachdem das Oberverwaltungsgericht Lüneburg die Schließung ab einer Inzidenz über zehn gekippt hat. Foto: Felix Kästle/dpa
Clubs dürfen doch öffnen

Diskotheken-Schließung gekippt: Betreiber im Kreis Cuxhaven verunsichert

04.08.2021

KREIS CUXHAVEN. Das Oberverwaltungsgericht hat die Diskotheken-Schließung gekippt: Clubs im Kreis Cuxhaven dürfen wieder öffnen - trotz Inzidenz über zehn.

Rolle rückwärts auf den Tanzflächen: Diskotheken und Clubs dürfen nun doch am kommenden Wochenende öffnen. Das hat das Oberverwaltungsgericht Lüneburg am Mittwoch entschieden. Ob alle Betriebe im Kreis Cuxhaven am Wochenende ihre Türen öffnen, ist aber noch unklar.

Mitte der vergangenen Woche hatte das Land Niedersachsen bekannt gegeben, dass Clubs und Diskotheken ab einer Landkreis-Inzidenz über zehn schließen müssen. Das hätte auch für den Kreis Cuxhaven gegolten, wo der Wert für die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen aktuell bei 17,7 liegt.

Nun aber kippte das Oberverwaltungsgericht die Verordnung zur Schließung der Tanzbetriebe. Erst ab einer Inzidenz von 35 müssen die Lokale dichtmachen.

Schnell reagiert, um Disco zu öffnen

Die Betreiber könnten also schon am Freitag und Sonnabend - und damit ohne ein Wochenende Unterbrechung - ihre Pforten öffnen. Eine, die schnell reagierte, war Silke Schoon Abal-Nunez, Inhaberin der Cuxhavener Diskothek "Flair".

Ihr Vorteil: Sie hätte sowieso am Wochenende geöffnet - und den Betrieb ohne Disco geplant: Tische auf der Tanzfläche hätten das "Flair" am kommenden Wochenende in eine Bar verwandelt.

Dementsprechend hatte die Inhaberin auch eingekauft. "Alles war organisiert und das Hygienekonzept stand", berichtet sie. Nach der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts "haben wir aber wieder alles rückgängig gemacht und erst mal richtig eingekauft."

JTP-Öffnung steht noch nicht fest

Ob Eric Janßen am Wochenende die Türen von "Janssens Tanzpalast" öffnen wird, steht noch nicht fest: "Dazu kann ich mich aktuell noch nicht äußern", erklärte der Disco-Chef am Mittwoch: "Bislang hatte ich keine Zeit, mich mit der neuen Verordnung auseinanderzusetzen."

Das Problem: Weiterhin gilt eine maximale Auslastung von 50 Prozent und eine Maskenpflicht auf der Tanzfläche. Als diese Regeln in der vergangenen Woche bekannt gegeben worden waren, entschied sich Janßen, auch am zurückliegenden Wochenende nicht zu öffnen, obwohl er erst sieben Tage zuvor die Wiedereröffnung gefeiert hatte.

Warten auf Änderung der Verordnung

Auch der "Musikladen Heinbockel" bleibt am Wochenende zu. Inhaber Thorsten Hinrichs hat sich dazu entschieden, nach mehreren Party-Wochenenden in Folge nicht zu öffnen. Auch für ihn seien die neuen Maßnahmen nicht umsetzbar. In die Medien war der Musikladen geraten, weil der Kreis Stade 800 Partygäste kontaktieren musste, nachdem Infektionen bei Disco-Besuchern bekannt geworden waren. Hinrichs plädiert dafür, dass geimpfte Personen in die Diskotheken gelassen werden, ohne die Auslastung der Lokalitäten zu begrenzen. Erst wenn die Verordnung dahingehend geändert werde, wolle er wieder öffnen.

Alle aktuellen Infos rund um die Entwicklung und Auswirkungen der Coronavirus-Krise auf die Region rund um Cuxhaven lesen Sie hier.

Dass größere Diskotheken das Hin und Her nicht mitmachen und von sich aus ihre Betriebe zulassen, sei für "Flair"-Betreiberin Silke Schoon Abal-Nunez vollkommen nachvollziehbar. Sie profitiert aktuell davon, dass sie einen kleineren Laden betreibt, in dem die Maßnahmen 50-Prozent-Auslastung und Maskenpflicht leichter umzusetzen und zu kontrollieren sind.

Große Betriebe haben es schwer

Für große Betriebe sei es schwierig zu planen. Für die Diskotheken bleibe die Ungewissheit, wann man wegen einer Änderung der Verordnung oder eines Anstiegs des Inzidenzwerts wieder schließen muss, meint die "Flair"-Inhaberin. "Der Stufenplan sollte bei der nächsten Ministerkonferenz angepasst werden." Die Regeln seien "lächerlich", ärgert sich auch "Musikladen"-Inhaber Hinrichs. "Das entscheiden Leute, die keine Ahnung haben."

Beim Landkreis seien am Mittwoch, einen Tag nach Bekanntwerden des Urteils des Oberverwaltungsgerichts, noch keine Anfragen von Club-Betreibern eingegangen. Sie hätten vor einiger Zeit schon vor ihrer Öffnung ein Hygienekonzept vorlegen müssen. Dieses gelte weiterhin und habe sich nicht geändert.

Nicht von Verbot abhängig

Ununterbrochen geöffnet hatte auch der Paulaner Keller in Duhnen, wie Geschäftsführer Timo Domeyer betont. Weil er seinen Betrieb nicht als Disco sehe, hätte er am kommenden Wochenende ohnehin die Pforten geöffnet - Verbot hin oder her.

"Musikladen"-Inhaber Hinrichs zieht schon jetzt die Reißleine: "Wir haben eineinhalb Jahre auf die Einnahmen verzichten müssen", bedauert er. Da machten die kommenden Wochenenden auch keinen Unterschied mehr.

Von Julia Anders, Tim Fischer und Joscha Kuczorra

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