Im Hemmoorer Jobcenter soll es zu einer Bedrohung einer Mitarbeiterin gekommen sein. Symbolfoto: Sauer
Kommentar zu Jobcenter-Vorfall

Bedrohung: Alarmzeichen für Behörden im Cuxland

von Egbert Schröder | 24.12.2018

Gehen Sie eigentlich gerne zur Arbeit? Oder zumindest in dem Gefühl, dass Sie während der Arbeitszeit nicht angepöbelt, bedroht oder körperlich angegriffen werden?

Dann haben Sie Glück - oder das Prinzip "Augen auf bei der Berufswahl!" bewusst oder unbewusst beherzigt.

Wer sich für die Polizei-Laufbahn entscheidet, weiß wahrscheinlich, dass er häufig unangenehmen Situationen ausgesetzt ist. Wer als Gerichtsvollzieher unpopuläre Botschaften überbringt, erwartet bei der Ausübung seiner Tätigkeit wohl kaum die Einladung zur lockeren Plauderei bei Kaffee und Kuchen. Und Richter? Sie entscheiden in Verfahren über den weiteren Lebensweg. Jeder, der sich in diesen Bereichen beruflich orientiert, kennt das "Berufsrisiko". Und wenn nicht, ist er fehl am Platze.

Aber ich frage mich, was wohl in Beamten und Angestellten des öffentlichen Dienstes vorgeht, die eigentlich damit rechnen müssten, bei ihrer Tätigkeit keinen Anfeindungen ausgesetzt zu sein? Was mag wohl die Angestellte des Hemmoorer Jobcenters am Donnerstag gedacht haben, als ihr Gesprächspartner plötzlich ausflippte und sie dann entdeckte, dass er ein Messer in der Jackentasche bei sich führte. Ich frage mich ehrlich gesagt: Warum muss jemand bei einem Behördenbesuch ein Messer dabei haben? Warum muss er eine Drohkulisse aufbauen, bis schließlich die Mitarbeiterin den Alarmknopf drückt und die Kollegen ins Büro stürmen?

Der Mann, der im Hemmoorer Jobcenter für diesen Aufstand gesorgt hat, stammt aus Somalia (siehe Bericht in dieser Ausgabe). Daraus aber abzuleiten, dass dies ein reines Ausländerproblem ist, ist völlig abwegig. Nahezu zeitgleich fuchtelt ein 50-jähriger Deutscher in Hemmoor vor einer Frau im Eingangsbereich eines Supermarktes mit einem Messer herum, weil ihr Hund - angeblich - seinen Hund gebissen habe. Geht's noch? Statt dies zivilrechtlich zu klären, greift ein Deutscher - und nicht ein Ausländer - zu einem Messer?

Doch zurück zu den Angestellten und Beamten in den Behörden. Manche haben einen Job ohne Publikumsverkehr und arbeiten ihre Aufgaben ab. Sei es ihnen gegönnt. Ein Job in der Amtsstube zählt oft nicht zu den großen Herausforderungen der Berufswelt...

Andere sitzen dagegen Menschen gegenüber, die sich in einer Notsituation befinden oder glauben, dass sie Anspruch auf gewisse Leistungen haben - siehe Jobcenter. Es kann und darf aber nicht sein, dass Mitarbeiter in Behörden mit schlotternden Knien zur Arbeit gehen, weil sie nicht wissen, was sie an diesem Tag durch Dritte erwartet.

Ich unterstelle mal: Eine Mitarbeiterin der Jobcenter-Behörde versucht, ihrem Gesprächspartner Perspektiven zu geben, um künftig in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Wenn dies nicht der Fall ist, dann hat sie den falschen Job. Ansonsten: Ihr und den Kollegen muss mit Respekt begegnet werden, denn sie sind Dienstleister für Menschen, die häufig selbst aktiv keine Perspektive für sich entwickeln können.

Dass Behörden mittlerweile Alarm-Knöpfe an den Schreibtischen ihrer Mitarbeiter anbringen müssen, ist ein Armutszeugnis. Nutznießer sind auch Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, entsprechende Lösungen anzubieten. Und das zu Schnäppchenpreisen: Wer zum Beispiel bei einer Berliner Firma noch bis zum Jahresende einen Alarm-Vertrag abschließt, erhält "ein Jahr kostenfreien Support". Na, wenn das nichts ist...

Dass es solche Angebote überhaupt gibt, ist bedauerlich. Aber leider auch ein Alarmzeichen.

Egbert Schröder

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

eschroeder@no-spamcuxonline.de

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