Die Kläranlage EWE Wasser GmbH in Cuxhaven-Groden. Foto: Archiv
Kommentar zu EWE-Folgen

EWE-Abwasser-Affäre: Prinzip des ehrbaren Kaufmanns

27.11.2018

Die EWE-Abwasser-Affäre hat ihre Folgen: Verantwortliche mussten ihren Hut nehmen. Ist das Ende der Konsequenzen damit erreicht?

Der Rücktritt von Thomas Windgassen als Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) war logisch. Wer als Geschäftsführer der EWE Wasser GmbH die millionenschwere Panne bei der Abrechnung von Abwasserkosten zu verantworten hat, ist auf dem Posten des IHK-Präsidenten nicht mehr tragbar. Immerhin: Windgassen zeigt, dass er das verstanden hat und dass er zu den eigenen Fehlern steht. Er fühle sich dem Selbstverständnis des ehrbaren Kaufmanns verpflichtet und er wolle Schaden von der IHK abwenden, erklärte er.

Die Haltung, die Windgassen damit an den Tag legt, ist keineswegs selbstverständlich. Windgassen und sein Co-Geschäftsführer bei EWE Wasser sind nicht die einzigen, die für die Misere verantwortlich sind. Auch in der Stadtverwaltung in Cuxhaven gibt es schwere Versäumnisse. EWE und Stadt haben den Schaden gemeinsam verursacht. Denn die Stadt hat schließlich die Verträge mit EWE Wasser abgeschlossen. Sie muss deren Inhalte kennen und die Einhaltung der Vereinbarungen überprüfen.

Skandalös ist, dass die ihren Bürgern und Gebührenzahlern verpflichtete Stadt bereits vor einem Jahr Hinweise auf Abrechnungsfehler erhalten und dennoch die ganze Zeit versucht hat, sie unter der Decke zu halten. An ihrer Mauertaktik hält die Stadt weiterhin fest, obwohl unsere Zeitung die millionenschwere Panne publik gemacht hat. Anders als Windgassen und der EWE-Konzern ducken sich die Verantwortlichen im Rathaus weg. Bisher haben sie nicht die Absicht erkennen lassen, den Sachverhalt vorbehaltlos aufzuklären und der Öffentlichkeit ungeschminkt Rede und Antwort zu stehen. Auf konkrete Fragen unserer Zeitung reagiert die Stadt mit verklausulierten und nebulösen Stellungnahmen. Den Bürgern in Cuxhaven, die zu hohe Abwasserrechnungen bezahlt haben, wäre es zu wünschen, dass das Prinzip des ehrbaren Kaufmanns auch das Prinzip der Stadtverwaltung wäre. Leider ist das nicht der Fall.

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