Die Arbeiten an dem späteren Kraftwerk ruhen zur Zeit, weil bauliche Veränderungen notwendig geworden sind, die noch geprüft werden. Foto: Sassen
Die Arbeiten an dem späteren Kraftwerk ruhen zur Zeit, weil bauliche Veränderungen notwendig geworden sind, die noch geprüft werden. Foto: Sassen
Arbeiten ruhen aktuell

Holzheizkraftwerk in Cuxhaven: Energie-Experte der Grünen fordert Projekt-Stopp

03.02.2022

CUXHAVEN. Der Energie-Experte der Grünen Norbert Welker aus Cuxhaven fordert den Stopp des Projekts "Holzheizkraftwerk". Der Bauherr wehrt die Kritik aber ab.

Wenn es nach Norbert Welker (72) ginge, würde der Bau des Holzheizkraftwerks an der Neufelder Straße sofort eingestellt. Die umstrittene Anlage entspreche nicht dem Stand der Technik. Die Verbrennung von großen Mengen Holz ist seiner Auffassung nach ökologisch nicht zu vertreten und würde ohnehin in einigen Jahren verboten.

Technik führt in Sackgasse

Die Technik führe in eine Sackgasse und würde den Weg in Richtung Klimaeffizienz für die Stadt Cuxhaven sogar verbauen. Diese Auffassung vertritt der stellvertretende Vorsitzende des BUND Kreisverbandes Cuxhaven und Energieexperte der Grünen im Rat der Stadt in einem Gespräch mit den Cuxhavener Nachrichten.

Seine ablehnende Haltung habe sich nach einer Videokonferenz vom Vortag, zu der die Grünen und die Bewegung "Fridays for future" und andere eingeladen hatten, noch verstärkt. Dabei war es insbesondere um die Frage nach der Herkunft des Holzes gegangen, das im Cuxhavener Werk zur Gewinnung von Strom und Fernwärme künftig verbrannt werden wird. Während die Kritiker vermuten, dass dafür Wälder in Estland und anderen Ländern des Baltikums gerodet würden, versicherte der Geschäftsführer der Holzheizkraftwerke GmbH, Frank Berghorn der Runde, hauptsächlich Holz aus deutschen und österreichischen Wäldern verfeuern zu wollen.

"Sehr einseitige Nummer"

Der Bauherr hat die Veranstaltung als eine "sehr einseitige Nummer" empfunden, bei der sich "einige Ökoaktivsten ausgetobt" hätten, ohne jedoch auf die konkreten Verhältnisse in Cuxhaven einzugehen, sagte Berghorn am Mittwoch auf Nachfrage. Das Cuxhavener Werk sei auf dem neuesten Stand der Technik, der Betrieb laut Gesetzgeber nachhaltig und CO2-neutral. "Ich habe deutlich gemacht, dass mich die Kritik nicht trifft, da wir uns mit dem Projekt voll im rechtlichen Rahmen bewegen", ergänzte Berghorn.

Das bezweifelt auch Norbert Welker nicht. Er hätte sich jedoch von Anfang an mehr Transparenz und ein Gesamtkonzept für die Energiewende in Cuxhaven gewünscht. "Wir fangen die Sache am falschen Ende an", beschreibt Welker das Problem aus Sicht des Ratspolitikers. Ein Klimakonzept für die Stadt existiere nur auf dem Papier und sei noch nicht einmal verabschiedet worden, während Berghorn und seine Mitstreiter im nächsten Frühjahr bereits Fernwärme anbieten könnten, die sie ab März vermarkten wollen. Viel zu lange hätten Politik und Verwaltung das Thema verschlafen. So fehle eine Bestandsaufnahme zum künftigen Wärmebedarf und der Frage, wie Gebäude derzeit in Cuxhaven beheizt werden.

In zehn Jahren nicht konkurrenzfähig

Holzverbrennung zur Energiegewinnung werde zwar vom Gesetzgeber noch als Alternative zu Gas- und Ölheizungen gefördert, so Welker, doch das werde sich spätestens 2026 ändern, wenn die EU-Kommission das Thema Biomasse genauer definieren und neu bewerten werde. "In zehn Jahren wird das Holzheizkraftwerk nicht mehr konkurrenzfähig sein", prognostiziert der Energieexperte der Cuxhavener Grünen.

Stattdessen sollte man sich auf die Erneuerbaren Energien aus Wind, Sonne und auf grünen Wasserstoff konzentrieren. Das gesamte Stadtgebiet eigne sich für Photovoltaik auf den Dächern. Auch mit Geothermie und Wärmepumpe könnten Gebäude effektiv und umweltschonend beheizt werden. Außerdem sollte die beim Kühlhaus anfallende Abwärme zum Heizen genutzt werden, empfiehlt Welker.

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