Hurtigruten in Cuxhaven: Reederei wehrt sich gegen die Kritik
CUXHAVEN. Wegen eines Zwischenstopps in Cuxhaven - offenbar aufgrund von Lohndumpings - ist die Reederei Hurtigruten in die Kritik geraten. Jetzt meldet sich der Pressesprecher zu Wort.
Kürzlich legte das Kreuzfahrtschiff "Otto Sverdrup" der norwegischen Reederei Hurtigruten an der Seebäderbrücke an. Die Reederei geriet bereits im vergangenen Jahr durch einen Bericht der norwegischen Reporterin Inghild Erikson in die Kritik. Ihrem Bericht zufolge gelte die gewählte Route durch das Ansteuern von zwei ausländischen Häfen als international.
Dadurch könne das Schiff, so Erikson, Mitarbeiter zu Dumping-Löhnen beispielsweise von den Philippinen einstellen. Jetzt bezieht Hurtigruten-Sprecher Arne Karstens Stellung zu den Vorwürfen.
Ein Mehrwert für Reisende
"Durch einen Zwischenstopp in Cuxhaven haben wir kein Geld gespart", betont Karstens. Hurtigruten sei eine internationale Reederei, die sich streng an internationale Tarife halte. Der Aufenthalt in Cuxhaven bedeute vor allem einen Mehrwert für die Reisenden an Bord.
"Wir möchten unsere Gäste an Orte und Häfen bringen, die nicht von allen Kreuzfahrtgesellschaften angefahren werden", begründet Karstens die Routenplanung. Cuxhaven sei mit seiner langen Schifffahrts- und Auswanderer-Geschichte daher sehr interessant.
Längerer Stopp
Die Kultur, Geschichte sowie Flora und Fauna solle den Reisenden bei einem entsprechenden Programm vor Ort nähergebracht werden. Das sei Teil des Reisepakets. Der dreistündige Aufenthalt in Cuxhaven sei deutlich länger als bei anderen Stopps im Verlauf der Kreuzfahrt an der norwegischen Küste.
Der Hurtigruten-Sprecher fährt fort: "Alle Gäste an Bord können in Cuxhaven an Land gehen." Da das Programm sowie die Führung durch die Hapag-Hallen oder das Konzert des Shanty-Chors im Preis inbegriffen seien, gehe er davon aus, dass die meisten Gäste es auch wahrnehmen.
Kein Mindestlohn
Die Aktivitäten beim Landgang in Cuxhaven seien vergleichbar mit einem der beliebtesten Ausflüge der Reederei Hurtigruten - dem Mitternachtskonzert in Tromsø.
Dass an Bord der MS Otto Sverdrup überwiegend Filipinos arbeiten, sei nicht korrekt. "Unsere Crew an Bord setzt sich aus unterschiedlichen Nationalitäten zusammen: Deutsche, Norweger und Filipinos."
Neben dem kritischen Bericht der Norwegerin Inghild Erikson hatte auch Alexis Papathanassis, Rektor der Hochschule Bremerhaven und Professor für Cruise Tourism Management, zum Anlegen des Kreuzfahrtschiffs Stellung bezogen. "Es handelt sich bei dem Trick um sogenannte Kabotage", so Papathanassis. Als solche gelte das Erbringen von Transportdienstleistungen innerhalb eines Landes durch ein ausländisches Verkehrsunternehmen.
Nicht an Mindestlöhne gebunden
Ein Problem der Kabotage sei, dass ausländische Unternehmen nicht an Mindestlöhne gebunden seien und somit "heimische" Unternehmen vom Markt verdrängen könnten. Das werde auch in Norwegen befürchtet. Schiffe mit Billigflaggen oder solche, die unter dem norwegischen internationalen Schiffsregister (NIS) registriert sind, dürfen auf der wichtigsten norwegischen Küstenroute keine Kabotage betreiben.
Offenbar habe die norwegische Regierung aber Pläne zur Ausweitung dieser Möglichkeit für einige NIS-Schiffe genehmigt. "Damit ein Passagierschiff in NIS registriert werden kann, muss es zwei ausländische Häfen anlaufen", sagt Papathanassis.