Hurtigruten in Cuxhaven: Sehleute waren nur Zaungäste
CUXHAVEN. Am Dienstagabend ging das Kreuzfahrtschiff "Otto Sverdrup" der Reederei Hurtigruten pünktlich um 22.30 Uhr in Cuxhaven vor Anker. Das zog einige Cuxhavener und Urlauber an die Seebäderbrücke. Die Hoffnung der Schaulustigen auf eine große Begrüßungsfeier mit Shanty-Chor am Pier wurde allerdings enttäuscht.
Gespannte Augenpaare blicken gen Horizont. Kaum jemand spricht, nur gelegentlich ist ein leises Murmeln der Schaulustigen zu hören, dass sich mit dem Plätschern des Wassers vermischt, dessen Wellen sanft gegen die Hafenmauer schlagen. Auf dem rabenschwarzen Wasser blitzen in der Ferne plötzlich kleine Lichter auf, die minütlich größer werden.
Hoffen auf ein besonderes Schiff
Das Kreuzfahrtschiff "Otto Sverdrup" wird Cuxhaven bald erreichen. Ungefähr drei Dutzend Schaulustige haben sich auf der Holzpromenade von Fluß- und Hafentouristik Carstensen an der Alten Liebe versammelt. "Endlich, nach so langer Zeit, fährt hier mal wieder ein besonderes Schiff vorbei", schwärmt eine Cuxhavenerin mit leuchtenden Augen.
Kritische Haltung zu Hurtigruten
Die 63-Jährige ist in ihre Kapuze und einen Schal eingewickelt. Trotz der Freude an dem Spektakel sieht sie den Besuch des Kreuzfahrtschiffs skeptisch: "Wenn es um diese Zeit anlegt, lassen die Passagiere doch gar kein Geld in den Geschäften und Restaurants." Mit diesem kritischen Gedanken ist sie nicht alleine. Drei begeisterte "Norwegenfahrer" aus Hameln sehen es ähnlich: "Hier anzulegen ist eine rein kommerzielle Entscheidung, um Philippinen für zwei Euro beschäftigen zu können, aber das machen alle Kreuzfahrtschiffe."
Freude auf die Begrüßungsfeier
Die drei Rentner reisen seit Jahren mit Kreuzfahrtschiffen, so kennen sie auch die Otto Sverdrup. Ihre Erfahrungen an Bord der Hurtigruten-Schiffe waren allerdings sehr gut. Eine Rentnerin lobt: "Die Sverdrup ist unser Lieblingsschiff." Umso größer die Enttäuschung der Urlauber, dass sie nicht näher an das Schiff herankommen.
Dann ist das rot-schwarze Kreuzfahrtschiff plötzlich da. Mit Pfiffen und Rufen begrüßen sich Passagiere und Schaulustige. Das Schiffshorn erfüllt die kalte Herbstnacht mit seinem tiefen Klang. Kaum ist das Schiff an der Alten Liebe vorbeigefahren, gerät die Menschentraube in Bewegung: Ziel ist die Seebäderbrücke. Dort soll, so heißt es, eine Begrüßungsfeier mit Shanty-Chor für die Passagiere und Besatzung des Schiffs erfolgen.
"Viel Wirbel um nichts"
Doch die Pläne wurden aus organisatorischen Gründen kurzfristig geändert: Die gesamte Begrüßungsfeier wurde von den Seebäderbrücken in die Hapag-Hallen verlegt. Das Schiff ist durch den Zaun des Yachthafen-Vereinsgeländes nur aus der Ferne zu sehen.
Eine Erklärung dafür hat Urlauber Jochen Schiemann: "Es ist normal, dass Kreuzfahrtschiffe abgeschottet sind." Das diene der Sicherheit. Trotzdem sind der 55-Jährige aus Heidelberg und seine Frau enttäuscht: "So viel Wirbel um nichts." Auch Christa und Werner Hoppe hatten sich mehr erhofft. Die begeisterten Kreuzfahrer hätten sich besonders über den Shanty-Chor und betonen einstimmig: "Wir wollten ein bisschen Kreuzfahrt-Flair haben und was haben wir? Nichts, außer eines Zaunes."
Drei Stunden Aufenthalt in Cuxhaven
Während die Schaulustigen sich enttäuscht auf den Heimweg machen, steigen die ersten Passagiere von Bord in einen roten Bus der Stadtrundfahrt. Ihr dreistündiger Aufenthalt ist gut durchgeplant: Nach Anlegen um 22.30 Uhr erfolgt eine halbe Stunde später der Transfer zu den Hapag-Hallen, in denen sie vom Shanty-Chor begrüßt werden. Neben einer Führung durch die Hallen, werden die 68 Gäste auch von Oberbürgermeister Uwe Santjer begrüßt. Er betont anschließend: "Ich bin davon überzeugt, dass die Passagiere Cuxhaven und das Rahmenprogramm in guter Erinnerung behalten werden." Die Tourismuswirtschaftsgemeinschaft habe dies gut organisiert.