Landratswahl: Bielefeld dominiert den Landkreis Cuxhaven
KREIS CUXHAVEN. Der Alte ist der Neue: Landrat Kai-Uwe Bielefeld (parteilos) bleibt fünf weitere Jahre im Amt.
Sicher setzte er sich Sonntag bei der Landratswahl gegen seinen CDU-Herausforderer Frank Berghorn durch (bei Redaktionsschluss waren es deutlich über 60 Prozent für den Amtsinhaber). Mit einem Sieg - so Bielefeld gegenüber unserer Zeitung - habe er auch gerechnet: "Das sagte mir mein Bauchgefühl."
Der Landratswahlkampf plätscherte in den vergangenen Monaten vor sich hin. Eine öffentlich und direkt ausgetragene Auseinandersetzung zwischen dem amtierenden Landrat Kai-Uwe Bielefeld (parteilos, aber unterstützt von der SPD) und seinem Herausforderer Frank Berghorn (CDU) fand eher im Verborgenen statt.
Beinahe wäre es übrigens gar nicht zu diesem Duell gekommen, denn die Spitzen von SPD und CDU hatten sich hinter verschlossenen Türen eigentlich mit Kai-Uwe Bielefeld auf eine fünfjährige Amtszeit verständigt. Doch es lief etwas anders ab. Für die meisten Parteifreunde völlig überraschend, hatte Berghorn im April vergangenen Jahres bei einem CDU-Kreisparteitag in Ihlienworth quasi nebenbei angekündigt, gegen Bielefeld, der von der SPD unterstützt wurde, anzutreten: "Viele Menschen wünschen sich wieder eine klare politische Zielrichtung und einen Landrat, der aus der CDU kommt - und das nicht nur für fünf oder zwei, sondern für sieben Jahre. Die Kreisverwaltung muss wieder durch klare Zielsetzungen, Innovation, eine Zukunftsausrichtung und vor allem Flexibilität geprägt sein." Damit spielte Berghorn auf die zunächst nur angekündigte und angepeilte zweijährige Amtszeit Bielefelds an. Als die überraschende Kandidatur des 48-Jährigen aus Langen-Holßel feststand, verschärfte sich der Ton zwischen der CDU und Kai-Uwe Bielefeld weiter, dem die Christdemokraten 2004 ursprünglich ins Amt verholfen hatten. Ein zentraler Punkt war und ist dabei die Finanzlage: Immer wieder griffen der wortgewaltige CDU-Kreisvorsitzende Enak Ferlemann, aber auch die beiden Landtagsabgeordneten Thiemo Röhler (Cuxhaven) und Lasse Weritz (Hemmoor) den amtierenden Landrat Kai-Uwe Bielefeld und dessen Kämmerer Friedhelm Ottens (mit SPD-Parteibuch) an, bei der finanziellen Darstellung der Finanzsituation des Kreises nicht mit offenen Karten zu spielen und insbesondere die Kommunen zu benachteiligen.
Der bisherige Höhepunkt der Auseinandersetzungen: Röhler und Weritz hatten nach Informationen unserer Zeitung die Kommunalaufsicht (Innenministerium) wenige Tage vor der Wahl schriftlich eingeschaltet, um die Rechtmäßigkeit des Haushaltsentwurfs 2019 zu prüfen. Auffallend wortkarg dabei: Bielefeld-Herausforderer Frank Berghorn. Er vermied ohnehin während des gesamten Wahlkampfes den Frontalangriff auf den Amtsinhaber.
Berghorn nutzte am Wahlsonntag erst einmal die Möglichkeit, sich von dem politischen Geschehen ablenken zu lassen und den Fokus auf die Familie zu richten: Bevor er das Wahllokal in seinem Heimatort Langen-Hoßel, betrat, war er mit seiner Familie zum Vorkonfirmanden-Gottesdienst in die Kirche gegangen. Kein Wunder: Zu den Vorkonfirmanden zählte auch sein Sohn Jannes. "Jetzt essen wir erst einmal gemeinsam zu Mittag mit der ganzen Familie und abends geht es dann mit der Politik weiter", so Berghorn. Dass er mit knapp 40 Prozent der Stimmen dann später hinter Bielefeld lag, nahm er relativ gelassen hin. Das sei für ihn "keine herbe Niederlage".
Und Kai-Uwe Bielefeld? Der gab sich während des gesamten Wahlkampfes betont gelassen, auch wenn ihn die CDU in der politischen Diskussion immer wieder unter Dauerbeschuss nahm. Die Form, in der die CDU ihren einstigen Liebling angriff, bezeichnete er gegenüber unserer Zeitung als "schmutzig und hässlich". Die Quittung habe die CDU ja nun erhalten.
Die "Bielefeld‘sche Gelassenheit", die er bis zum Wahltag zur Schau stellte, dürfte spätestens nach dem Eingang der ersten Wahlmeldungen am gestrigen Abend aus einzelnen Bezirken nicht in Hektik umgeschwenkt sein. So lag er nach den Ergebnissen gegen 21 Uhr mit 63,7 Prozent deutlich vor Berghorn. Bei der Wahlparty in Lüdingworth am Abend musste sich Bielefeld erst einmal sammeln. Was er als erste Projekte in Angriff nehme? "Das sehen wir morgen. Jetzt wird erst einmal gefeiert."
Berghorn, der sich selbst gerne als Unternehmer in eine effektivere Umgestaltung der Verwaltung eingebracht hätte, wird nicht in ein tiefes Loch fallen. Erst unmittelbar vor der Landratswahl war bekannt geworden, dass er als Ingenieur den Bau eines 40 Millionen teuren "Holzheizkraftwerkes" in Cuxhaven koordinieren soll. Genug zu tun dürfte er also haben - als CDU-Fraktionschef und Unternehmer. Aber eben nicht als Landrat ...
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