Priel zu tief: Wattwagen fahren nicht mehr regelmäßig nach Neuwerk
NEUWERK. Viele Worte, kaum Taten? Aus Sicht vieler Wattwagenfahrer hätte längst etwas geschehen müssen, um einen Priel passierbar zu halten.
Wattwagen-Unternehmer sprechen von einer existenziellen Bedrohung und davon, dass den bisherigen Sonntagsreden keine Taten gefolgt seien. Dabei kommt es längst vor, dass Fuhrwerke auf dem Weg nach Neuwerk kapitulieren, andere aber die Insel an manchen Tagen gar nicht erst ansteuern. Schuld daran ist das "Duhner Loch", das die Erreichbarkeit des mitten im Watt gelegenen Eilands mehr und mehr in Frage stellt.
Thema im Ausschuss
Wie dramatisch die Lage tatsächlich ist, möchte die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen am Montag in der Sitzung des städtischen Umweltausschusses in Erfahrung bringen. In einem Antrag, mit welchem die Grünen das Thema Neuwerk auf die Agenda heben, geht es nicht nur um Lösungsansätze, sondern eben auch um die Zukunft der Pferdewagen-Passage.
Zeitraubende Warterei
Einer Bitte unserer Redaktion folgend stellte Wattwagen-Unternehmer Kai Stelling schon am gestrigen Donnerstag dar, wie es am Duhner Loch aussieht: Um 20, beziehungsweise sogar 30 Zentimeter überschreite der Pegel inzwischen die Wasserstandswerte, die man bei auf- und ablaufendem Wasser gewohnt war. "Ein paar Kollegen sind rübergefahren", sagte der Sprecher, der Cuxhavener Wattwagen-Betriebe mit Blick auf die tagesaktuelle Situation. Er selbst hatte es vorgezogen, anstelle der Tour auf die Insel eine Wattfahrt nach Duhnen anzubieten. Zu tun hat das mit dem Zeitverlust, den Neuwerkfahrer in Kauf nehmen müssen, sobald das Duhner Loch bei Ankunft der Gespanne noch zu viel Wasser führt. Warten, heißt dann die Devise - zulasten der eigentlichen Tagesplanung. Denn wenn man am Priel eine Stunden gestanden habe, so Stelling, reiche die am Ziel verbleibende Zeit gerade noch dafür, einmal austreten zu gehen.
"Ihr müsst da was machen!"
"Absolut nicht zufriedenstellend", fasst der Unternehmer aus Holte-Spangen zusammen; zumal das Problem längst benannt worden sei - genau wie die daraus resultierenden Konsequenzen. Allein im vergangenen Jahr, so heißt es in der Branche, hätten Gespanne auf 39 Neuwerk-Touren umdrehen müssen. Bei einer Saison, die gerade einmal sieben Monate dauert, stecke man dadurch entstehende Verluste nicht ohne weiteres weg: Das gab am gestrigen Donnerstag der Neuwerker Inselobmann Christian Griebel zu bedenken. "Dass es so etwas wie Planungssicherheit geben muss, hat die Politik nicht auf dem Zettel", kritisiert Griebel und spricht davon, dass die Ungewissheit potenzielle Neuwerk-Gäste dazu veranlasse, gar nicht erst zu buchen. "Gut, wir haben ja noch das Schiff", betonte der Insel-Chef, wie um sich selbst zu beruhigen.
Sicherheit für Wattwanderer
Weil viele Ausflügler aber nur eine Schiffspassage (nämlich Hin- oder Rückfahrt buchen) und in Gegenrichtung mit dem Wattwagen oder per Pedes unterwegs sind, stehe auch für die Reederei ein großer Teil ihres Geschäfts auf dem Spiel. "Ihr müsst da etwas machen!" erneute der Inselobmann einen Appell in Richtung Entscheidungsträger. Im Auge hatte er dabei nicht nur die Zukunft eines traditionsreichen touristischen Geschäftszweiges, sondern auch die Sicherheit von Wattwanderern. Die nämlich könnten (dem Ziel schon so nah) auf die Idee kommen, es selbst bei hohem Pegel auf eine Prieldurchquerung ankommen zu lassen.
Versorgung leidet ebenfalls
"Wir selbst sind zum Teil schon nachts unterwegs gewesen", so Griebel, ein weiteres Problem (nämlich die Versorgungsfahrten zur Insel) thematisierend. Diesbezüglich haben die Neuwerker in der Vergangenheit stets irgendwie die Kurve gekriegt, "aber Spaß macht das nicht", so der Inselobmann: Die eingesetzten Traktoren würden bei solchen Fahrten immer wieder ordentlich Wasser ziehen, und was die mit Waren bepackte Anhänger angehe: Bei Unpassierbarkeit des Duhner Lochs müssen sie schlimmstenfalls wieder entladen werden. "Kann eine Absenkung/Öffnung des Leitdamms eine Lösung darstellen?", fragen die Cuxhavener Grünen zur Duhner Loch-Problematik.
Kein Schnellschuss gewünscht
Was helfen könnte, beschreibt Christian Griebel genau: "Auf 100 Metern Schlick abziehen und durch ein anderes (festeres) Material ersetzen." Ökologisch, weiß der Neuwerker, ist diese Maßnahme umstritten. Aber den Insel-Transfer sterben lassen, nur um ein bisschen Kies im Watt zu vermeiden? Das wäre für Griebel ein Schnellschuss.