Schutz vor Corona: Cuxhavener Süderwischschule startet ins Szenario B
CUXHAVEN. Da im Umfeld der Süderwischschule besonders viele Corona-Infektionen festgestellt worden sind, geht der Landkreis Cuxhaven dort jetzt einen Sonderweg.
Nicht zuletzt die Hartnäckigkeit des Schulelternrats soll kräftig dazu beigetragen haben, dass der Landkreis die Situation an der Süderwischschule nochmal neu bewertet hat. Die Entscheidung fiel am Donnerstag: Auch wenn in der Schule nur bei einem der Schülerinnen und Schüler eine Infektion festgestellt worden sei, habe der Krisenstab entschieden, aufgrund der Gesamtlage im Bereich der Schule ab dem kommenden Montag zunächst für 14 Tage den Wechsel in das sogenannte Szenario B anzuordnen, teilte der Landkreis am Donnerstagnachmittag mit.
Immer nur die Hälfte im Präsenzunterricht
Das bedeutet, dass der Unterricht in geteilten Gruppen stattfindet und immer die Hälfte der Kinder und Jugendlichen zu Hause ist. Die Schule hat sich entschieden, dass dies im täglichen Wechsel geschehen soll, sodass die Kinder nicht gleich eine ganze Woche am Stück zu Hause sind.
Bester Weg für die Grundschulkinder
Schulleiterin Sandra Marczyschewski hat dieses Verfahren den Eltern in einem Brief erklärt. Sie rückt damit die Interessen der Grundschulkinder in den Vordergrund, für die die regelmäßige persönliche Rückmeldung ihrer Lehrkräfte auf ihre Leistungen besonders wichtig sei. Eine Notbetreuungsgruppe wird vorgehalten, für die die Kinder angemeldet werden müssen. Auch wenn es in den Klassen der Schule durch die Maßnahme leerer wird, bleibt auf Empfehlung des Gesundheitsamtes die Maskenpflicht bestehen.
"Bleiben Sie gesund und halten Sie durch", schreibt Sandra Marczyschewski in ihrem Brief und das ist es auch, was sie sich für alle Kinder und Lehrkräfte wünscht. Das Kollegium tue alles dafür, um den Kindern auch in dieser Zeit die bestmögliche Bildung zu bieten. Alle ersehnten sich Normalität herbei.
Argumente abwägen
Der Kreis-Gesundheitsamtsleiter Dr. Kai Dehne hatte noch Anfang der Woche, als der Landkreis probeweise schon einmal für zwei Tage das Szenario B für die Süderwischschule ausgerufen hatte, betont, wie wichtig der möglichst lückenlose Schulbesuch gerade für Kinder aus weniger privilegierten Familien ist.
Da die 7-Tages-Inzidenz (Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner) für den Landkreis Cuxhaven immer unter 100 lag, ging auch die Süderwischschule nach zwei Tagen am Mittwoch wieder zurück ins Szenario A, also den Normalbetrieb. Nach Anordnung des Kultusministeriums soll der Wechselbetrieb erst ab einer Inzidenz von 100 beginnen. Die vom Land Niedersachsen für den Landkreis Cuxhaven festgestellte 7-Tages-Inzidenz lag gestern bei 59,6 und ist damit im Vergleich zum Wochenbeginn noch gesunken. Der Landkreis Cuxhaven hatte am Donnerstag eine Infektionsquote von 82,31 mitgeteilt.
Hohe Fallzahlen im Schulumfeld
In Süderwisch wird nun wegen der wegen der besonderen Situation ein Sonderweg beschritten. Der Landkreis erklärt zur Situation im Stadtteil, dass hier überproportional viele Personen von einer Covid 19-Infektion betroffen seien und dass diese Fälle signifikant in einem Gebiet rund um die Süderwischschule aufträten: Im November hätten sich dort bisher insgesamt 28 Personen infiziert. 62 Kontaktpersonen befänden sich aktuell in Quarantäne, darunter auch Schülerinnen und Schüler der Grundschule. Nach Beobachtungen aus dem Stadtteil sollen die Quarantänebestimmungen nicht immer konsequent eingehalten werden, vielleicht auch wegen Verständigungsproblemen.
Dunkelziffer unbekannter Ausmaße
"Zentral bei der Eindämmung der Infektionen in diesem Quartier ist die Einschränkung der Kontakte", erläutert der Leiter des Stabes Friedhelm Ottens. "Die Süderwischschule liegt räumlich inmitten dieses Quartiers. Es ist nicht auszuschließen, dass in diesem Bereich eine relevante Dunkelziffer vorhanden ist. Derzeit kommen bis zu 30 Kinder in einem Klassenraum zusammen, die im Grundschulbereich keine Maske tragen und aufgrund ihres Alters und ihrer persönlichen Reife auch die Regeln nicht immer zuverlässig einhalten können.
Hier ist die Gefahr zu groß, dass die Schule selbst zu einem Ausbreitungsort wird. Zum Schutz der Kinder und des Personals ist der Wechsel in das Szenario B daher in diesem Fall notwendig, auch wenn aktuell nur ein Kind positiv getestet ist."
Parallel prüft der Krisenstab gemeinsam mit der Stadt Cuxhaven weitere Maßnahmen zur Bewältigung der Situation in diesem Quartier, schreibt er in einer Pressemitteilung.
CNV-Newsletter