So profitieren die Wochenmärkte im Kreis Cuxhaven von der Corona-Krise
KREIS CUXHAVEN. Frische Luft und Ware, die nicht durch so viele Hände geht: Viele Cuxland-Bewohner setzen in diesen Tagen auf den Einkauf auf dem Wochenmarkt. "Wir erleben gerade ein Corona-Plus", sagt Fischverkäufer Udo Lemke.
Auf den ersten Blick erinnert auf dem Otterndorfer Kirchplatz recht wenig an die Corona-Pandemie, die sich mit der jüngsten Ausbreitung und den verschärften Auflagen fürs Alltagsleben deutlich zugespitzt hat. Die Markthändler scheinen am Freitag nahezu vollzählig auf dem Platz vertreten; die Stände sind gut besucht. Auch wenn, was einem deutlich auffällt, die Leute im Allgemeinen vorsichtiger agieren: Sie halten Abstand, so gut es geht. Vereinzelt sieht man auch Personen mit Handschuhen oder Mundschutz. "Ja, die Kunden sind sorgsamer. Aber sie kaufen ganz normal ein", sagt Gemüsebauer Torsten Haack. Hamsterkäufe seien an den Ständen bislang noch nicht zu beobachten.
Auch am Blumenstand von Annegret Ehlen läuft alles relativ normal - zumindest, was das Kaufverhalten der Otterndorfer angeht. "Der Virus ist bei den Kunden natürlich ein großes Thema", sagt sie. Um die Kundschaft und sich selbst keiner Gefahr auszusetzen, trägt sie Handschuhe. Positive Erfahrungen macht Fischverkäufer Udo Lemke: "Ich habe deutlich mehr Kunden", sagt der Baljer. Ihm ist außerdem aufgefallen, dass die Leute den Markt früher besuchen. Gleich zum Start, um 8 Uhr, seien bereits viele Kunden bei ihm gewesen.
Die Geschäfte laufen besser als sonst, diese Aussage ist auch auf dem Cuxhavener Wochenmarkt am Sonnabend vielfach zu hören. "Die Leute kommen gezielt, auch neue Kunden", berichtet Magdalena Quast vom Obsthandel Quast in Balje. Begehrt seien vor allem Erzeugnisse, die man daheim lagern kann, zum Beispiel Äpfel. Die Kunden verhielten sich sehr vernünftig. "Sie halten Abstand voneinander, wenn sie warten müssen und das geht alles reibungslos", erläutert Magdalena Quast.
Auch nebenan, am Stand des Lindenhofs Brüns, wird genau auf die Einhaltung der Sicherheits- und Hygiene-Regeln geachtet. Seniorchef Volker Brüns reicht das desinfizierte Wechselgeld in einer Schale an die Kunden weiter. "So etwas wie die Corona-Krise habe ich noch nicht erlebt", sagt Brüns, der schon seit mehr als 50 Jahren auf dem Cuxhavener Wochenmarkt vertreten ist. Am ehesten erinnert ihn die Pandemie an die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl von 1986. "Damals hatten wir tüchtig zu kämpfen."
Aktuell sorgen sich die Händler vor allem um eines: die drohende Absage der Wochenmärkte. "Wenn die Märkte geschlossen werden, haben wir ein echtes Problem", sagt Landwirt Harry Vorthmann aus Nordleda. Einige Markthändler haben für den Fall der Fälle bereits einen "Notfallplan" erarbeitet: "Wir würden uns dann mit einigen Kollegen zusammentun und die Waren ausliefern", kündigt Magdalena Quast an. Sie hofft aber, dass es so weit nicht kommt.
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