18 Stunden durch die kalte Nordsee: Cuxhavener Begleiter beeindruckt von Extremschwimmer
CUXHAVEN/HELGOLAND. Am 21. August erreichte Extremschwimmer André Wiersig (49 ) aus Paderborn die "Schweinebucht" auf der Helgoländer Düne.
Nach 18 Stunden und 14 Minuten war es geschafft - Wiersig war der erste Mensch, dem es gelang, die 48,53 Kilometer lange Distanz vom Festland (St. Peter-Ording) nach Helgoland schwimmend zurückzulegen. Ein Abenteuer nicht nur für den Schwimmer.
"Ich hatte die große Freude und Ehre, mit meinem Börteboot 'Pinguin‘ das Unternehmen zu begleiten", erzählt Dennis Allers, Skipper der gut zehn Meter langen "Pinguin", einem Helgoländer Börteboot, Baujahr 1967, mit Liegeplatz in Cuxhaven. "Nach kurzer Bedenkzeit trafen wir uns auf der Insel. Es gelang André, mich von der Machbarkeit des Unterfangens zu überzeugen. Mit dem Lotsen Wolfgang Schmidt an meiner Seite ging es an die ersten Planungen. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH, Thorger Brüning) war bereits mit im Boot. Es stellte alle 12 Stunden Modellrechnungen hinsichtlich Wetter und Strömung zur Verfügung, die mit der angenommenen Geschwindigkeit des Schwimmers abgeglichen wurden, berichtet Allers.
Börteboot wird ausgerüstet
Eine Woche vor dem Ereignis gab es ein Treffen des gesamten Teams in Kiel, die behördlichen Genehmigungen hatte Allers eingeholt. Zwei Kajaks sollten die Fahrt begleiten und den Schwimmer alle 30 Minuten mit Flüssigkeit und Proteinen versorgen. Das Börteboot wurde mit einem "Tannenbaum" mit den Signalen rot-weiß-rot ("behindertes Fahrzeug mit Vorrang") ausgerüstet. Die Wetterprognose (Ost-Süd-Ost-Winde der Stärke 2) war günstig. Auf Empfehlung des BSH fiel am 20. August kurz vor Mitternacht der "Startschuss". Dennis Allers startete am gleichen Tag um 5 Uhr in Cuxhaven mit der "Pinguin", um nach einer kurzen Verschnaufpause in Büsum auf dem dortigen Museumsrettungskreuzer in einer spannenden Nachtfahrt St. Peter-Ording zu erreichen. Probleme bereiteten vor allem die Fischer.
"Dann das Meeresleuchten"
"Dann entdeckten wir am Strand von St.-Peter-Ording André", erinnert sich Allers. Kurz vor Mitternacht ging es dann planmäßig raus auf die Nordsee, den Leuchtturm Helgoland immer in Sicht. "Die ersten vier Stunden verliefen ohne Probleme und André kam sehr gut voran. Dann kam das Meeresleuchten; das Meer fing mit jeder Welle an, blau zu leuchten, bei jedem Paddelschlag des Kajaks, bei jedem Armzug von André - blaues Leuchten, einfach der Wahnsinn." Nach etwa der Hälfte der Strecke wechselte die Tide von Ebbe auf Flut und der Schwimmer wurde merklich langsamer. Knapp 600 Meter pro Stunde legte Wiersig nur noch zurück. "Trotz allem signalisierte uns André ‘Daumen hoch'", so Allers.
Die Strömung sei allerdings so stark gewesen, dass ein Abdriften nicht zu verhindern gewesen war. Also lautete die Devise: Nase Richtung Cuxhaven und auf der Stelle schwimmen, der Strom macht den Rest. "Und das hat tatsächlich geklappt! Unerträglich langsam ging es Richtung Düne, bis wir endlich im Stromschatten waren, dann war Kurs Schweinebucht angesagt. Um 18.15 Uhr richtete sich André aus dem Wasser auf und ging den Strand hoch, wo ihn bereits sein Festlands-Team und zahlreiche Urlauber und Insulaner erwarteten und feierten", erinnert sich Allers dankbar an das Abenteuer an der Seite des Rekordschwimmers, der es ohne das engagierte Team sicher nicht hätte schaffen können.