Zwei Basstölpel reinigen ihre Federn auf dem so genannten Lummenfelsen auf der Hochseeinsel Helgoland. Auch unter Basstölpeln ist die Vogelgrippe angekommen. Foto: Marcus Brandt/dpa
Viele Vögel schon verendet

Vogelgrippe grassiert: Sorge um Tiere an der Nordseeküste

24.06.2022

KREIS CUXHAVEN. Die Vogelgrippe grassiert unter Brutvögeln im niedersächsischen Wattenmeer. Erstmals sind Bestände von Seeschwalben im Nationalpark massiv betroffen.

An der gesamten Nordseeküste lassen sich zurzeit leider viele tote Seevögel finden. Menschen sollten diese auf keinen Fall anfassen, da die Vögel mit hoher Wahrscheinlichkeit an der zurzeit grassierenden Vogelgrippe gestorben sein könnten. Die Naturschützer des Vereins Jordsand blicken mit sehr großer Sorge auf die aktuell starke Ausbreitung der Vogelgrippe unter den Küsten- und Seevögeln und fordern mehr Naturschutzmaßnahmen, um ein Artensterben zu verhindern.

Eigentlich im Winter

"Bisher trat die Vogelgrippe insbesondere zur Winterzugzeit auf, dann zumeist bei Gänsen und Enten", sagt Dr. Steffen Gruber, Geschäftsführer des Vereins Jordsand. "Doch dieses Jahr haben wir eine starke Verbreitung während der Brutzeit und es sind zusätzliche Arten betroffen wie Kormoran, Brandseeschwalbe, Lachmöwe und Basstölpel." Alle diese Arten brüten in Kolonien und dort kann sich das Geflügelgrippevirus H5N1 sehr leicht übertragen. Auf der Niederländischen Insel Texel wurde laut Verein Jordsand beispielsweise eine ganze Brandseeschwalben-Kolonie mit etwa 4000 Brutpaaren vollständig ausgelöscht, auch aus Frankreich und Schottland werden tausende tote Tiere gemeldet. An den wichtigen deutschen Brutplätzen für Seevögel wie dem Lummenfelsen auf Helgoland oder der Hallig Norderoog sind bislang nur wenige Dutzend Tiere gestorben, dennoch sind die Vogelschützer besorgt, da man an Vogelgrippe erkrankten Vögeln tiermedizinisch nicht helfen kann.

Am Rand des Aussterbens

"Der erhebliche Verlust von natürlichen und ungestörten Lebensräumen in den letzten Jahrzehnten hat bereits viele Seevogelarten an den Rand des Aussterbens gebracht, sollte das aktuelle Massensterben aufgrund der Vogelgrippe weitergehen, könnten Teilpopulationen bereits stark gefährdeter Arten wie die Brandseeschwalbe in Deutschland für immer verschwinden", fürchtet Gruber. Daher fordert der Naturschutzverband die Schaffung sowie Ausweisung und Unterschutzstellung von weiteren Brut- und Rastplätzen für Seevögel in Norddeutschland, damit sich die Bestände der Arten wieder erholen können. Größere und stärker verteilte Population könnten Krankheiten und Seuchen wie die Vogelgrippe zudem besser überstehen.

Wichtige Regeln

Auch an der schleswig-holsteinischen Nationalparkküste hat sich das Virus unter Brutvögeln sowie Hochseevögeln wie Basstölpeln in den vergangenen Wochen verbreitet. Für alle, die draußen in der Landschaft unterwegs sind und tote oder mutmaßlich kranke Vögel entdecken, gelten laut Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer folgende Regeln:

- Fassen Sie die Tiere auf keinen Fall an. Menschen können zu Virenträgern werden und die Geflügelpest in andere Teile des Landes verschleppen

- Halten Sie Abstand, belassen Sie das Tier an Ort und Stelle und lassen Sie die Vögel gegebenenfalls in Ruhe sterben

- Halten Sie auch Ihren Hund auf Abstand (die generelle Anleinpflicht gilt bundesweit bis Ende Juli!)

- Meiden Sie Beobachtungen und aktuelle Zahlen bei Auffälligkeiten den Veterinärbehörden der jeweils betroffenen Kreise. Dort wird über gegebenenfalls hieraus abzuleitende Maßnahmen entschieden (zum Beispiel eventuelle Beprobungen oder Ähnliches)

- Das Verbot, wildlebende Tiere an ihrem Ruheplatz aufzusuchen, zu berühren, aufzuheben oder mitzunehmen, gilt immer und überall in Deutschland, unabhängig von der derzeitigen Gefahr der Geflügelpest. Dies betrifft Vögel, Robben und andere Säugetiere, ob im Wattenmeer oder anderswo in Schutzgebieten und der übrigen freien Landschaft.

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