Volksbank Stade-Cuxhaven übt deutliche Kritik an der Politik
KREIS CUXHAVEN. Nachhaltigkeit, Umbaupläne und zusätzliche Arbeitsplätze: So lief das zweite Corona-Jahr der Volksbank Stade-Cuxhaven.
Im Havenhostel über den Dächern Cuxhavens zog der Vorstand der Volksbank Stade-Cuxhaven für das zweite Corona-Jahr Bilanz. Neben den Zahlen für das vergangene Jahr und einem Ausblick für 2022 äußerte sich der Vorstand am gestrigen Freitag auch kritisch gegenüber der Politik.
Rückzahlungen sind fällig
Seit über zwei Jahren kämpfen Verbraucherschützer im Namen von tausenden Bankkunden für Zinsnachzahlungen bei Prämiensparverträgen. Der Bundesgerichtshof hatte daraufhin entschieden, dass Kreditinstitute falsch gerechnet haben - Rückzahlungen sind fällig. Auch die Volksbank Stade-Cuxhaven ist betroffen. "Bei den Urteilen zu den Prämien-Sparverträgen fasst man sich an den Kopf", klagt Volksbank Vorstand Henning Porth. "Die Zinsanpassungen setzten die Banken unter Druck", ergänzt Vorstand Ulrich Sievert.
Erhöhung der Kontoführungsgebühren
Alle rund 22.000 Bankkunden wurden angeschrieben oder angerufen, um die Zustimmung für die Erhöhung der Kontoführungsgebühren einzuholen. Das habe die Volksbank rund 100.000 Euro gekostet. "Trotz unterdurchschnittlicher Kontoführungsgebühren braucht man jetzt plötzlich eine Genehmigung", sagt Ulrich Sievert. Das würde zu mehr Arbeitsaufwand führen und das koste Geld. Zwangsläufig könne das dazu führen, dass die Gebühren steigen würden. "99,5 Prozent der Volksbankkunden stimmten der Erhöhung zu", freut sich der Cuxhavener Niederlassungsleiter Mario Sonzin.
Einstellung der Wohnungsbauförderung
Kritik äußerte der Vorstand auch an der plötzlichen Einstellung der Wohnungsbauförderung, die Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck am vergangenen Montag ankündigte. Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft schätzt, dass 300.000 Wohnungen in Deutschland dadurch nicht wie geplant gebaut oder modernisiert werden können.
Finanzierungen erschwert
Henning Porth kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen. "Das ist ein Ding der Unmöglichkeit." Viele Kunden hätten diese Zuschussvariante genutzt und auch schon eingeplant. "Die Politik habe sich damit keinen Gefallen getan", so Porth weiter. Finanzierungen würden Kunden so erschwert. Doch es gab auch viel Positives zu Vermelden.
Neue digitale Pfade
Die Digitalisierung wird auch in Kreditinstituten vorangetrieben. Deshalb habe die Volksbank Stade-Cuxhaven den Pfad Richtung digitale Regionalbank betreten.
Im Kern soll die digitale Regionalbank ihren Kundinnen und Kunden die Möglichkeit bieten, online handlungsfähig zu sein. Es geht darum, dass die Bank unabhängig von Zeit, Aufenthaltsort und Zugangskanal für die Kunden erreichbar ist. "Wir möchten smarte, flexible und digitale Prozesse. Das einfache Geschäft müssen wir schnell und digital abwickeln können. Doch gerade bei größeren Summen im Kreditgeschäft oder der Anlageberatung wird der Mensch elementar bleiben", verspricht Porth. "Deshalb suchen wir aktuell auch fünf neue Mitarbeiter."
Nachhaltig wirtschaften
Laut einer aktuellen Umfrage von "YouGov" achten 62 Prozent der Verbraucher bei Banken darauf, ob sie nachhaltig wirtschaften und handeln. Die Relevanz des Themas Nachhaltigkeit steige damit auch im Bereich der Kreditinstitute. "Für uns ist das kein Neuland, sondern Teil der Philosophie. Wir setzen auf nachhaltige Gewinne für Stabilität und Wachstum und wollen die regionale Wirtschaft stärken", erklärt Ulrich Sievert.
Nachhaltige Produkte
Im Anlagegeschäft werde eine breit gefächerte Palette an nachhaltigen Produkten angeboten. "Die Nachfrage nach nachhaltigen Fonds steigt", sagt Sievert. Es werden zum Beispiel nachhaltige Finanzierungen für Photovoltaik, Biogasanlagen, Bio-Obst-Anbau oder Windkrafträdern sowie Rauchgasentschwefelungsanlagen für Schiffe angeboten.
Photovoltaik und Wärmepumpen
Aber auch bankintern sei Nachhaltigkeit wichtig. Für die eigenen Gebäude würde überlegt, ob Photovoltaik oder Wärmepumpen Sinn ergeben.
Ein Beispiel für diesen Prozess ist die Geschäftsstelle in Cadenberge. "Dort wird seit Abschluss der Renovierungsarbeiten im Herbst vergangenen Jahres die Heizung nicht mehr mit Öl betrieben, sondern funktioniert mit Hilfe einer Luft-Wasserwärmepumpe. Und auf dem Dach wurde eine Photovoltaik-Anlage installiert", erzählt der Cuxhavener Niederlassungsleiter, Mario Sonzin.
Umbau einer Geschäftsstelle
Auch der Umbau der Hauptgeschäftsstelle in Cuxhaven steht auf der Agenda. Dieser soll im Juli beginnen und im kommenden Jahr abgeschlossen sein. Der Vorstand blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Das zeige sich auch im Jahresergebnis, so Sievert. Die Volksbank Stade-Cuxhaven kann einen Jahresüberschuss von 11,4 Millionen Euro erwirtschaften. Im Jahr 2020 waren es rund 10,3 Millionen.