Produktionsleiter Christof Meier (rechts) führte die Mitglieder des Partnerschaftsvereins Cuxhaven-Hafnarfjördur durch den Betrieb. Foto: Witthohn
Produktionsleiter Christof Meier (rechts) führte die Mitglieder des Partnerschaftsvereins Cuxhaven-Hafnarfjördur durch den Betrieb. Foto: Witthohn
Zu Gast im Hafen-Betrieb

Diese Firma ist vom Standort Cuxhaven aus Weltmarktführer

von Herwig V. Witthohn | 19.05.2022

CUXHAVEN. Wer in Cuxhaven Arbeitsplätze schafft, der ist natürlich gern gesehen. Das hat die Firma "Royal Greenland" an der Schleusenstraße getan, und das nicht zu knapp.

Wenn eine Firma von Cuxhaven aus auch noch Weltmarktführer ist, dann ist das etwas ganz Besonderes und auch das hat die Firma "Royal Greenland" erreicht. Da mit Helgi Helgason ein Isländer an der Spitze von "Royal Greenland" Cuxhaven steht, war es klar, dass der Partnerschaftsverein Cuxhaven-Hafnarfjördur sich diesen Betrieb einmal näher ansah.

"Wir waren ja schon vor Corona hier, kurz bevor das Projekt startete. Nun hat uns Helgi eingeladen, uns seinen Betrieb während der Produktion anzuschauen", berichtet der Partnerschaftsvereins-Vorsitzende Wilhelm Eitzen.

Großes Interesse

Und das Interesse war groß. Über 20 Mitglieder des Vereins wurden von Produktionsleiter Christof Meier und Hallenleiter Jorge dos Santos begrüßt.

Doch zunächst mussten Formulare ausgefüllt werden (Corona), dann galt es, Schutzkleidung anzuziehen, sich von Uhren und Ringen kurzfristig zu trennen. "Hygiene- und Sicherheitsstandards werden bei uns natürlich großgeschrieben. Wie verarbeiten Lebensmittel und daher achten wir penibel darauf, den Standards auch wirklich zu genügen", erklärte Christof Meier. Dann ging es auf eine äußerst interessante und abwechslungsreiche Tour.

Automatisierte Arbeitsprozesse

Viele Arbeitsprozesse sind automatisiert. Die Fließbänder laufen und doch ist die menschliche Arbeitskraft nicht komplett zu ersetzen. Kaviar kann an dem Tag nicht produziert werden, die Maschinen werden routinemäßig gewartet. Dafür wird die Rohware Garnele verarbeitet. Rüttelmaschinen sorgen für Lautstärke, Reste werden von den schmackhaften Leckerbissen getrennt. Die Rohware wird angetaut, dann geht es auf die Waage und je nach Grammzahl in die Becher.

Hinzu kommt die jeweilige Lake, dann werden die Becher verschlossen. Dass dies auch ordnungsgemäß geschieht, wird in einem weiteren Verarbeitungsschritt geprüft. Die genau auf das Gramm befüllten Becher kommen noch einmal in die Wachkammer. Nachdem sie mit Etiketten und Datumsstempel versehen sind, werden sie endverpackt.

Hygiene, Sicherheit, Kühlketten

Manuel Fernandez, Hallenleiter und gebürtiger Cuxhavener, hat auch schon bei Hussmann&Hahn gearbeitet. Wie so einige Kolleginnen und Kollegen. Er erklärt die Verarbeitungsschritte und Produktionsabläufe. "Hygiene, Sicherheit, optimale Kühlketten - wir haben vieles zu beachten und das darf keine Routine werden und wird es auch nicht. Dennoch sind wir alle als ein Team auch mit Spaß bei der Arbeit. Hier bei uns duzen sich alle. Wir halten zusammen und die Firma ist immer für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter da", berichtet er nicht ohne Stolz. Stichprobenartig wird das fertige Produkt geprüft, ehe es in die Welt hinausgeht. "Viele große deutsche Ketten sind unsere Kunden. Aber natürlich bekommt nicht jeder Discounter die gleiche Ware. Es gibt Geschmacksunterschiede."

Bis zu 125 Mitarbeiter

Die Gruppe hat den Konferenzraum erreicht. Christof Meier und Jorge dos Santos bieten köstliche Garnelen verschiedener Geschmacksrichtungen und Kaviar an. Es schmeckt, das sieht man. Die Firma Royal Greenland gehört dem Grönländischen Staat. Der Hauptsitz ist in der ehemaligen Partnerstadt Cuxhavens, Nuuk, angesiedelt, die Verwaltung hat ihren Sitz in Svenstrup/Dänemark.

In Cuxhaven wird seit 2010 Seehasen-Kaviar produziert. Rund 1000 Tonnen jährlich, die in die USA, nach Japan, Kanada und andere in Länder exportiert werden. "Aus Cuxhaven kommen tatsächlich 40 Prozent der gesamten Weltmarktproduktion des Seehasen-Kaviars. Damit sind wir Weltmarktführer", freut sich Christof Meier. Seit 2019 werden im Cuxhavener Werk auch Garnelen verarbeitet. 15.000 Tonnen jährlich, die sich in ganz Europa großer Beliebtheit erfreuen. "Unsere Garnelen kommen zu 99 Prozent aus dem Kaltwasser des Eismeeres." Auch Nachhaltigkeit nimmt bei Royal Greenland einen hohen Stellenwert ein. Nutzung der verfügbaren Ressourcen, ohne das Risiko einer übermäßigen Fischerei oder einer Verschmutzung der Ozeane. Die Firma Royal Greenland ist sich ihrer Verantwortung durchaus bewusst. Daher sind auch sehr viele Ressourcen, die die Fabriken von Royal Greenland erhalten, zertifiziert (durch Dritte nach MSC).

Königlicher Hoflieferant

Stolz ist die grönländische Firma auf den Titel "Königlicher Dänischer Hoflieferant". Seit 1985 darf Royal Greenland diesen Titel führen.

Christof Meier weist nicht ohne Stolz darauf hin, dass aus 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem Startjahr 2010 mittlerweile 100 geworden sind, in der Hauptsaison werden es sogar 125 sein. Die Entwicklung passt, auch wenn die gestiegenen Energiekosten keinen Betrieb verschonen.

Eine Frage bleibt unbeantwortet

Im Konferenzraum wird eifrig genossen und nachgefragt. Der Besuch hat den Mitgliedern des Partnerschaftsvereins Spaß gebracht. Man hat dazugelernt. Nur die Frage nach einem künftigen Fabrikverkauf kann (noch) nicht positiv beantwortet werden.

"Es war hoch interessant zu sehen, was in den damals noch kahlen Hallen des Jahres 2018 entstanden ist. Cuxhaven kann sich freuen, einen Arbeitgeber mit einem so engagierten Team bekommen zu haben", meinte Wilhelm Eitzen zum Abschluss des Besuchs.

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Herwig V. Witthohn

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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