Wirrwarr um Corona-Impfstoff von Astrazeneca. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Corona-Impfungen

Wirrwarr um Corona-Impfstoff von Astrazeneca: Das kann man nicht mehr schönreden

von Maren Reese-Winne | 06.04.2021

KREIS CUXHAVEN. Zweimal wurden die Impfungen mit Astrazeneca gestoppt, jetzt soll das Vakzine nur noch an über 60-Jährige verimpft werden. Dazu ein Kommentar von Maren Reese-Winne.

Mir tun die Leute, die im Cuxhavener Impfzentrum den einbestellten Menschen die Beschlüsse zum Astra-Zeneca-Wirrwarr erklären sollen, nur noch leid. Sie sollen sich nun also abmühen, den unter 60-Jährigen die Vorzüge einer Impfung mit Astra-Zeneca darzulegen (das tun sie natürlich nicht, sondern sie beraten gemäß der Empfehlung der Ständigen Impfkommission), um ihnen die Entscheidung dann aber selbst zu überlassen.

Was für ein Chaos. Es ist nicht verwunderlich, dass viele am Donnerstag - teilweise nach langer Anreise aus dem Landgebiet - direkt am Eingang wieder kehrtmachten, als sie hörten, dass nur Astra-Zeneca vorrätig sei.

Neu auf Warteliste setzen

Das sind aber fatalerweise genau Angehörige jener Berufsgruppen, die uns helfen, gesund zu bleiben oder zu werden oder die dafür sorgen sollen, dass unsere Kinder wieder unbefangen in Schule und Kita gehen können. Verheerend! Sie müssen sich nun neu auf die Warteliste setzen lassen - dort, wo schon Unmengen von 70- bis 80-Jährigen stehen, chronisch Kranke und so viele andere. Selbst über 90-Jährige aus Cuxhaven werden erst nach Ostern das erste Mal geimpft.

Keinesfalls darf es dazu kommen, dass den unter 60-Jährigen, die jetzt auf ihre Impfung verzichten, auch noch die Schuld dafür in die Schuhe geschoben wird, dass sie noch nicht geimpft sind. Für sie ist es schon schlimm genug, dass es keine klare Kante gibt, sondern dass sie diese Entscheidung nun selbst abwägen müssen, während die Kollegen aus ihrem Betrieb gestern noch Moderna erhalten haben. Der klaren Empfehlung der Ständigen Impfkommission dürfen sie nun wirklich mit Fug und Recht folgen.

Ich habe in meinem Leben schon viele Impfungen erhalten und welcher Impfstoff es war, habe ich nie vorher erfahren. Aber dass der doch wohl einer Experten-Empfehlung entsprach, möchte ich doch stark hoffen.

Impfen in Arztpraxen

Die Verunsicherung, die längst alle Altersgruppen erfasst hat, dürfen nun die Beschäftigten im Impfzentrum ausbaden, unter denen sich auch diverse Ärztinnen und Ärzte befinden, die längst ihren Ruhestand genießen könnten. Noch schlimmer: Bald wird der Impfstoff, um den es von Beginn an die meisten Diskussionen gegeben hat, in die Arztpraxen abgeschoben, wo dann Zeit für ausführliche Beratungsgespräche freigeschaufelt werden soll.

Wann das noch sein soll, ist mir schleierhaft, aber eines weiß ich: Die Praxen werden in nächster Zeit schon damit genug zu tun haben, ihre Patienten zu vertrösten, die sie bei 20 zu erwartenden Impfdosen in der Woche noch nicht impfen können. Mal ganz abgesehen davon, dass sie von Anfragen von Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen überrannt werden und am liebsten von denen der Nachbarpraxen noch dazu nach dem Motto: "Bescheidenheit ist eine Zier, doch besser lebst Du ohne ihr."

Klare Empfehlung

Traurig bei all dem ist zu guter Letzt, dass Astra-Zeneca in Wirklichkeit wahrscheinlich ein sicherer Impfstoff ist. Für die über 60-Jährigen besteht eine klare Empfehlung und ich kenne unzählige jüngere Menschen, die sagen: "Her damit, Hauptsache, ich bin geimpft!"

Zu Recht, denn die Vernunft sagt: Covid-19 ist viel schlimmer; das Risiko ist äußerst gering und wir müssen viel schneller impfen, damit die Mutationen am Ende nicht schneller sind als wir.

Aber ich fürchte, dass der Astra-Zeneca-Impfstoff dafür einmal zu oft in den Schlagzeilen stand. Wie sagte schon Andy Brehme: "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß."

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mreese-winne@no-spamcuxonline.de

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