Opfer-Gedenken

Zwist um den Ort für die Stolpersteine in Osten

22.03.2018

OSTEN. Der Rat der Gemeinde Osten möchte Gedenkplatten des Künstler-Projektes von Gunter Demnig am Fährhof vor der Schwebefähre setzen. Von Carmen Monsees

 „Die Stolpersteine mit den Initialen der jüdischen Familie Philippsohn sollen dort liegen, wo die Familie ihre letzten Schritte auf Ostener Grund vor ihrer Ermordung durch die Nazis gemacht hat – an der Schwebefähre.“ Darauf besteht Bürgermeister Carsten Hubert. Das werden sie aber vermutlich nicht, denn der Künstler will mitreden. Er beharrt auf dem Prinzip des europaweiten Projektes. Danach werden Stolpersteine vor dem Eingang des Hauses, wo die Familie einst gewohnt hat, verlegt. Finden Künstler und Rat keinen Kompromiss, wird es in Osten keine Stolpersteine geben.

Den Stein um die „Stolpersteine“ wieder ins Rollen gebracht hat Ratsfrau Sigrid Beyer. „Ich finde es mittlerweile beschämend, dass fünf Jahre nach der Spendenaktion die drei sogenannten Stolpersteine, die an die jüdische Familie Philippsohn aus Osten erinnern, immer noch nicht verlegt sind“, betonte sie (unsere Zeitung berichtete). Schließlich hätten die Jugendlichen der Hemmoorer Förderschule im Mai 2013 mit großem Engagement eine Ausstellung im Hemmoorer Rathaus organisiert, um Spendengelder für das Projekt zu sammeln. Die Ausstellung habe seinerzeit unter der Schirmherrschaft von Ostens Bürgermeister Carsten Hubert gestanden, fügt sie an.

In der Ratssitzung am Montagabend erhoffte sich Sigrid Beyer Antwort darauf, warum das Projekt bisher nicht umgesetzt wurde, das an Opfer der Nazi-Diktatur, wie die Familie Philippsohn, erinnern soll. Der Rat sprach sich in seiner Sitzung dafür aus, das Projekt des Künstlers Günter Demnig in Osten umzusetzen und hat konkret den 21. September um 9 Uhr als Termin anberaumt. Dabei gibt es im Vorfeld zwischen dem Künstler und der Gemeinde jedoch eine Diskussion darüber, wo die Stolpersteine verlegt werden. „Genau hier, am Fährhof am historischen Denkmal sollten die Stolpersteine liegen. Hier finden sie die größte Beachtung“, bekräftigt Bürgermeister Carsten Hubert. Die Schritte auf die Schwebefähre sollen die Letzten gewesen sein, die die jüdische Händlerfamilie auf hiesigem Boden gemacht hat, bevor die drei Familienmitglieder von den Nationalsozialisten nach Minsk deportiert wurden und dort ermordet wurden.

Vor Wohnhaus gedenken

Im Dorf mit der ältesten Schwebefähre Deutschlands will man genau an diesem Standort an die jüdische Familie Philippsohn aus Osten erinnern. Wie Bürgermeister Carsten Hubert dem Rat und seinen Zuhörern mitteilte, habe der Künstler das bisher abgelehnt. Die Ratsmitglieder fassten den Beschluss am Montagabend unter dem Vorbehalt, dass der Künstler die Stolpersteine auf dem Fährplatz in Richtung der „Eisernen Lady“, wie die Schwebefähre auch gern genannt wird, verlegt. Sollte der Künstler darauf bestehen, die Stolpersteine vor dem Haus der Familie Philippsohn auf dem Ostedeich in das Pflaster einzulassen, will der Rat darauf verzichten und sich stattdessen eigenständig um eine Gedenktafel kümmern. So ganz befriedigend ist die Antwort für Ratsfrau Sigrid Beyer nicht, wie sie gegenüber unserer Zeitung erklärte. So mache es nach wie vor keinen guten Eindruck ein engagiertes Schüler-Projekt nach dem

öffentlichkeitswirksamen Auftritt im Rathaus so lange unbeachtet zu lassen. Eine plausible Erklärung dafür habe sie nicht bekommen. Über eines sei sie dennoch zufrieden: „Jetzt ist endlich wieder Bewegung in die Angelegenheit gekommen.“ Der Rat will jetzt mit dem Künstler erneut in Kontakt treten.

Gunter Demnig und das Gedenken an die Opfer

Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Gehweg einlässt. „Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten“, erklärt der 70-Jährige. Auf jedem Stein sei eine individuell gefertigte Messingtafel verankert, die Auskunft gibt über Namen, Alter und Schicksal des Opfers.

„Das ist das Prinzip meines Projektes, das ich vor 25 Jahren ins Leben gerufen habe. Wenn ein anderer Standort gewünscht wird, der von meinem Prinzip abweicht, erwarte ich die Diskussion über eine Alternative“, betont Günter Demnig. „Ich bin der Künstler und habe somit ein Mitspracherecht.“

Wie Gunter Demnig auf Anfrage erklärte, sei er generell bereit, mit der Gemeinde Osten einen Kompromiss zu finden, wo die Stolpersteine, die an die einst in Osten ansässige jüdische Familie Philippsohn erinnern, eingelassen werden können. Der Fährplatz gehöre seiner Ansicht nach nicht zu den angemessenen Orten, die Menschen daran erinnern könnten, sich zu erinnern.

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