"Allein im dunklen Kraftraum": Wingster Lasse Lührs nach Olympia-Sieg - und Operation
Triathlon-Olympiasieger Lasse Lührs aus Wingst (Samtgemeinde Land Hadeln / Kreis Cuxhaven) kämpft sich nach einer OP zurück ins Wettkampfgeschehen. Doch wie steht er wirklich im Vergleich zur Weltspitze? Ein Blick hinter die Kulissen der Rückkehr.
Für Lasse Lührs endete sein erster Auftritt bei der World Triathlon Championship Series (WTCS) nach seinem Olympia-Sieg in Paris im August 2024 mit dem 44. Platz in Hamburg. Bei den Finals in Dresden kam er auf den 40. Platz. Doch der Triathlet aus dem Cuxland ist glücklich, überhaupt wieder dabei zu sein.
Auf den Höhepunkt seiner Triathlon-Karriere folgte für den Wingster ein heftiger Rückschlag. Nach seinem Staffeltriumph in Paris 2024 musste sich Lührs einer Operation an der Haglundferse unterziehen. Diese knöcherne Vorwölbung am Fersenbein hatte ihm lange Probleme bereitet.
"Ich hatte schon seit Jahren mit Schmerzen zu tun und habe versucht, vor Paris die Rennen so zu dosieren, dass ich sie im Griff hatte. Aber nach den Spielen waren sie wieder so stark, dass ich mich für den Eingriff entschieden habe", sagte der 1,81 Meter große Athlet vor seinem Comeback in Hamburg gegenüber Teamdeutschland.de.

Der lange Weg zur Genesung nach der OP
Nach der Operation im Oktober vergangenen Jahres konnte Lührs schnell wieder mit dem Radfahren und Schwimmen beginnen, das Laufen jedoch musste er reduzieren. "Ich laufe aktuell nur jeden zweiten Tag und komme so auf rund 40 Kilometer die Woche, das sind 20 bis 30 unter dem, was ich normalerweise abspule", erklärte der 29-Jährige, der in Bonn lebt und aktuell seinen Master in Wirtschaftswissenschaften macht. Aus orthopädischer Sicht sei zwar alles verheilt, der Aufbau der in Mitleidenschaft gezogenen Sehnen jedoch erfordere eine schrittweise Anpassung der Belastung.
Wollte im Mai wieder rundum fit sein
Wie lange es dauern wird, bis der Triathlet aus dem Cuxland seine Olympiaform zurückerlangt hat, kann derzeit niemand sagen. "Ich dachte im Winter, dass ich im Mai wieder rundum fit sein würde. Aber nun muss ich geduldig sein und werde nichts erzwingen, auch wenn es mir manchmal wirklich nicht leicht fällt", so Lührs. Nach Wettkämpfen in der Bundesliga und im Europacup sowie dem Start in Hamburg und bei den Finals in Dresden sieht der Staffel-Olympiasieger aber wieder Licht am Ende des Tunnels.
Wo steht Lührs im Vergleich mit der Weltspitze?
Lührs, der in der Weltrangliste auf Platz 182 abgerutscht ist, erhielt eine Sondergenehmigung des Weltverbands, um in Hamburg antreten zu können. "Für mich geht es darum, einmal auszutesten, wo ich aktuell im Vergleich mit der Weltspitze stehe", sagte er vor dem Start in Hamburg. Wunderdinge seien von ihm nicht zu erwarten.

Reha im dunklen Kraftraum durchgezogen
Der Wingster hat gelernt, das Positive aus der Leidenszeit herauszuziehen. Nach der Operation war er einige Wochen in seiner Heimat Wingst, um sich im Elternhaus pflegen zu lassen. Danach verbrachte er zehn Tage komplett ohne Sporttreiben mit seiner Freundin auf Sizilien. "Streng genommen war das mein erster richtiger Urlaub seit 14 Jahren. Seit ich 14 war, habe ich vom Olympiasieg geträumt und darauf hingearbeitet", berichtete Lührs. Nach dem Staffel-Triumph in Paris stand Lührs im Mittelpunkt des Interesses, zahlreiche Einladungen und Ehrungen folgten - nicht zuletzt der Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde Wingst.
Die lange Zwangspause lässt ihn jedoch anders auf das Erreichte schauen: "Ich werde zwar schon noch erkannt und angesprochen, was vor dem Olympiasieg gar nicht der Fall war. Aber meine Reha habe ich oft allein im dunklen Kraftraum durchgezogen. In diesen Momenten spürt man, dass der Ruhm vergänglich ist."

Olympische Spiele 2028 in Los Angeles als nächstes Ziel
Lasse Lührs hat sich nach den Olympischen Spielen zunächst schwergetan, seine nächsten Karriereschritte zu planen. "Paris waren meine ersten Spiele, darauf habe ich jahrelang hingearbeitet. Aber dieser Prozess endet mit dem Überqueren der Ziellinie. Für alles, was dann kommt, hat man keinen Plan, deshalb war ich fast ein wenig überfordert", räumte der Wingster ein.
Mittlerweile aber hat er die Spiele in Los Angeles 2028 fest ins Auge gefasst: "Mit dem Einzelrennen habe ich noch eine Rechnung offen, nachdem es in Paris nur zu Platz 21 gereicht hat. Ich will es in drei Jahren unbedingt besser machen."
Mit Interesse verfolgt Lührs den Anlauf des deutschen Sports auf eine erneute Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele. "Auch wenn ich 2036, 2040 oder 2044 nicht mehr als Aktiver dabei sein werde, fände ich Spiele in Deutschland großartig. Paris hat bewiesen, was Olympia für eine Wirkung haben kann. Für die gesamte Gesellschaft wären Spiele in Deutschland ein riesiger Gewinn." (dir)