Wie viele Schutzengel muss Frank Vaorin gehabt haben? Der 55-Jährige zeigt vom Krankenhausbett aus ein Foto von der Stelle, an der die Stange aus seinem Oberkörper wieder herauskam. Wie durch ein Wunder traf das Rohr keine inneren Organe. Foto: dpa/Gesundheit Nord – Klinikverbund Bremen | Kerstin Hase
Wie viele Schutzengel muss Frank Vaorin gehabt haben? Der 55-Jährige zeigt vom Krankenhausbett aus ein Foto von der Stelle, an der die Stange aus seinem Oberkörper wieder herauskam. Wie durch ein Wunder traf das Rohr keine inneren Organe. Foto: dpa/Gesundheit Nord – Klinikverbund Bremen | Kerstin Hase
Unfall im Garten in Cuxhaven

Metallstange bohrt sich durch den Körper: Jetzt spricht das Unfallopfer aus Cuxhaven

von Joscha Kuczorra | 11.10.2023

Wie nah Leben und Tod beieinander liegen können, zeigt das Beispiel von Frank Vaorin aus Cuxhaven-Altenbruch. Wie durch ein Wunder überlebte der 55-Jährige einen Unfall in seinem Garten. Jetzt erzählt er, was passiert ist - und wie es ihm geht.

Seit zwei Wochen feiert Frank Vaorin einen zweiten Geburtstag. Eigentlich wurde der Altenbrucher vor 55 Jahren am 20. Mai geboren. Doch der 27. September 2023 veränderte sein Leben: Vaorin überlebte in seinem Garten einen Unfall - gegen jede Wahrscheinlichkeit.

Gartenarbeiten in Cuxhaven-Altenbruch am Nachmittag

Dabei hatte der Mittwoch zunächst einen ganz normalen Verlauf genommen, nachdem der 55-Jährige morgens zur Arbeit gegangen war. Am Nachmittag wollte er dann mit seinem Sohn Tom Baumpflegearbeiten im Garten durchführen. "Der Ast hat mich so gestört", erinnert sich Vaorin vom Krankenbett im Klinikum Bremen-Mitte aus im Gespräch mit CNV-Medien.

Sturz in die Tiefe im Garten in Cuxhaven-Altenbruch

Deshalb holte er gegen 17 Uhr aus seinem Schuppen eine fünf Meter hohe Leiter und kletterte mit einer Elektro-Kettensäge in der Hand die Sprossen hinauf, während sein Sohn von unten die Leiter festhielt. Als Vaorin anfing, zu sägen, drehte sich der Ast weg. Warum der 55-Jährige daraufhin in die Tiefe stürzte, weiß er nicht. Fakt ist aber: Er landete auf der Halterung eines Maschendrahtzauns zwei Meter über dem Boden.

Seelsorger hilft dem Unfallopfer aus Cuxhaven-Altenbruch

Die Metallstange bohrte sich durch seinen Körper und ragte oben aus der Brust heraus - "wie beim Dart: voll ins Bullseye", scherzt Frank Vaorin zwei Wochen nach dem Unfall. Dass das Unfallopfer schon wieder so viel Selbstironie an den Tag legen kann, ist keine Selbstverständlichkeit. "Die kam erst, nachdem wir beim Seelsorger waren", verdeutlicht der 55-Jährige für sich und seinen 21-jährigen Sohn Tom.

Klinikum Bremen-Mitte ordnet den Unfall ein

Den Sprössling wies er unmittelbar nach dem Unfall an, ihm etwas unter die Füße zu schieben, damit die Stange nicht noch weiter rutscht, als er mehr oder weniger in der Luft hing. Denn die rostige, mehr als einen Meter lange Metallstange hatte sich nach Angaben des Klinikum Bremen-Mitte neben dem After durch den Bauch, vorbei an lebenswichtigen Gefäßen und Organen, in den Brustkorb gebohrt. Sie kam unterhalb des Schlüsselbeins wieder heraus.

Feuerwehrleute kommen im Garten in Cuxhaven-Altenbruch an

Sohn Tom wählte dann die 112. Kurze Zeit später war laut Vaorin "auf einmal der ganze Garten voller Feuerwehr und Notarzt". Es sei "Hektik ohne Ende" gewesen. Die Rettungskräfte hielten den Verunfallten in der Luft, während sie ihn mit einem Seitenschneider freischnitten, berichtet der 55-Jährige. Bis Vaorin wieder auf dem Boden angekommen war, habe es zwei Stunden gedauert, sei ihm berichtet worden. Er selbst war die ganze Zeit bei Bewusstsein.

Rettungshubschrauber bringt Unfallopfer ins Klinikum Bremen-Mitte

Im Rettungswagen erhielt das Unfallopfer eine Spritze, dank derer er kurze Zeit später einschlief. Dann ging es mit dem Rettungshubschrauber ins Klinikum Bremen-Mitte - während das Rohr noch in seinem Körper steckte.

Chefarzt aus Klinikum Bremen-Mitte äußert sich zum Unfall in Cuxhaven

"Dass die Stange nicht ein einziges Organ verletzt hat, ist praktisch ein Wunder. Solch einen Fall habe ich in meiner ganzen Laufbahn noch nicht erlebt", erklärt Chefarzt Professor Hüseyin Bektas. Wäre der Mann nur etwas anders auf die Stange gefallen, hätte der Unfall den Angaben zufolge tödlich enden können. "Der Patient hatte nicht nur einen Schutzengel, das müssen ganz viele gewesen sein", sagte Bektas.

Frank Vaorin steht mit den behandelnden Ärzten auf dem Flur des Klinikums Bremen-Mitte. Der Chefarzt will den Fall in internationalen Fachblättern beschreiben. Foto: Kerstin Hase/Gesundheit Nord

Eine Woche muss der 55-Jährige wohl noch im Krankenhaus bleiben, vermuten die Ärzte laut Vaorin. Eine Reha brauche er nicht, auch Schmerzen habe er nicht, nehme keine Schmerztabletten. "Ich bin fit. Ich bin geklammert und habe 20 Zentimeter lange Narben. Das muss erstmal alles heilen. Es wird von Tag zu Tag besser", freut sich das Unfallopfer: "Die Ärzte sagen, ich trage keine Folgeschäden davon."

Die Metallstange liegt neben dem Bett im Krankenhaus. Vaorin will sie behalten und im Schuppen "archivieren". "Falls ich mal auf dumme Gedanken komme. Dann sage ich mir: Nein, lass es bleiben! Sie ist ein warnendes Beispiel."

Stolz auf den Sohn - nicht nur wegen des Unfalls im Garten in Cuxhaven

Stolz ist der Familienvater auf seinen Sohn - "schon sein ganzen Leben", betont Vaorin. "Tom hat genau richtig reagiert." Zwar habe sich der 21-Jährige zunächst Vorwürfe gemacht. Doch nachdem Frank Vaorin ein paar Tage nach dem Unfall von der Intensivstation gekommen war, habe ein Seelsorger mit den beiden gesprochen. "Das hat viel gebracht", verdeutlicht der 55-Jährige. Sowohl er als auch sein Sohn hätten die Erlebnisse erstmal verarbeiten müssen.

Unfallopfer aus Cuxhaven-Altenbruch hat das Rauchen aufgegeben

Ein Umstand in seinem Leben hat sich schon jetzt geändert: "Ich freue mich, dass ich nicht mehr rauche." Nach dem Unfall spüre er plötzlich das Verlangen nicht mehr. Generell wolle er zukünftig einen gesünderen Lebensstil pflegen. "Ich will mein Leben umkrempeln." Möglicherweise werde Fahrradfahren seine neue Leidenschaft. Vaorin verspricht: "Ich will Sachen machen, die ich vorher nicht gemacht habe." Seine aufmerksamen Schutzengel werden sich darüber freuen.

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Joscha Kuczorra

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

jkuczorra@no-spamcuxonline.de

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