Trauerfeier für Helmut „Scholle“ Schulz in St. Nicolai. Foto: Sassen
Trauerfeier für Helmut „Scholle“ Schulz in St. Nicolai. Foto: Sassen
"Scholle" auf seiner letzten Reise

Mit seinem Tod verliert Cuxhaven ein echtes Original

26.05.2023

Cuxhaven hat ein echtes Original verloren: Der Altenbrucher Helmut Schulz ist im Alter von 79 Jahren verstorben. Damit hat sich "Scholle" auf seine letzte Reise gemacht. Ein Nachruf.

Leise kommt die Nacht" sangen die Männer des Olenbrooker Schlüsenchors zum Auftakt des Trauergottesdienstes in der voll besetzten Altenbrucher St. Nicolaikirche. Wie oft hatten sie, zünftig gekleidet im Finkenwerder Fischerhemd, mit ihren sonoren Stimmen Freunden das letzte Geleit gegeben. Am Dienstag verabschiedeten sie sich auf emotionale Weise vom Mitbegründer und langjährigem "Frontmann" und Vorsänger Helmut Schulz. Schulz war Leitfigur nicht nur im Chor, sondern auch im Altenbrucher Seesportverein, aus deren Mitgliedern sich der Sängerkreis viele Jahre rekrutierte.

Am 4. Mai war der Altenbrucher im Alter von 79 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Viele waren in die Kirche gekommen, um sich von dem Altenbrucher Original zu verabschieden. Bestens bekannt war der Taxi-und Bestattungsunternehmer unter seinem Spitznamen "Scholle", benannt nach seinem kleinen roten Kutter, mit dem er oft auf der Elbe und in den Cuxhavener Häfen zu sehen gewesen war.

Angekommen in Altenbruch-Osterende

Pastorin Astrid Friedrichs erinnerte im Trauergottesdienst an die wichtigsten Stationen im Leben von Helmut Schulz. Nach der Flucht aus Ostpreußen über die Weichsel kam er 1943 mit seiner Mutter nach Altenbruch-Osterende, wo er und seine Familie eine neue Heimat fanden. Dort ging er zur Schule und übernahm schon früh als Klassensprecher Verantwortung. Seine Lehre als Speditionskaufmann begann Schulz anschließend beim Fuhrunternehmen Lühmann.

Es folgte eine Zeit als Sanitäter bei der Bundeswehr am Standort Stade, bevor er sich im Alter von 25 Jahren zusammen mit seinem Bruder mit einem Minicar-und Taxi-Unternehmen in der Cuxhavener Marienstraße selbstständig machte. Zum Fuhrpark gehörte auch ein schwarzer Mercedes, der später für die ersten Bestattungsfahrten genutzt wurde.

Geschäft mit Bestattungen in Cuxhaven

Ab den 1980er-Jahren konzentrierte sich Helmut Schulz zusammen mit seiner Ehefrau Sonja, die er 1980 geheiratet hatte, auf das Geschäft mit Bestattungen, in das vor einigen Jahren sein Sohn eingestiegen ist. 2012 baute die Familie eine eigene Trauerhalle in der Großen Hardewiek.

Als Ausgleich zum Geschäft, das neben Menschenkenntnis und Fingerspitzengefühl auch eine ständige Rufbereitschaft erforderte, diente dem umtriebigen Unternehmer der regelmäßige Stammtisch mit den Seesport-Kameraden im "Gasthaus zur Schleuse" oder den Freunden vom Sportfischerverein Hol rut. "Scholle" war ein geselliger Typ, dem es leicht fiel, eine Gesellschaft mit seinen Anekdoten bestens zu unterhalten.

Einsatz für Altenbrucher Sportboothafen

Helmut Schulz als Wassersportler zu bezeichnen, trifft es nicht. Obwohl er sich maßgeblich für den Erhalt des Altenbrucher Sportboothafens und die Gründung des Seesportvereins eingesetzt hat, waren seine "Seereisen" selten zweckfrei. Oft wurde mit dem Kutter gefischt, oder Angehörige für eine Seebestattung mit an Bord genommen. Gerne erzählte Scholle auch von seinem gut bezahlten "Sondereinsatz", als er beim Brand des Containerschiffes "Ever Level" mit einem Tross von Journalisten und Kameraleuten ganz nah an die Unglücksstelle heranfuhr.

Mit dem Tod von Helmut Schulz verliert Cuxhaven ein echtes Original. Mit einem leise gesungenen "Rolling home" erwiesen ihm seine Freunde und Weggefährten einen letzten bewegenden Gruß.

Von Thomas Sassen

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