Im Jobcenter geht es um Arbeit, Geld, Existenz. Dabei kochen oft Emotionen und Gewaltbereitschaft hoch. Foto: Keck
Im Jobcenter geht es um Arbeit, Geld, Existenz. Dabei kochen oft Emotionen und Gewaltbereitschaft hoch. Foto: Keck
Mitarbeitende besser schützen 

Arbeitsplatz im Jobcenter Cuxhaven: Keine Toleranz bei Gewalt und Drohgebärden

von Maren Reese-Winne | 02.07.2026

Entsetzen und Mitgefühl beherrschen die Tage seit der kaltblütigen Attacke in Stade. Sechs Menschen wurden augenscheinlich völlig gezielt während ihrer Arbeit erschossen. Eine Sicherheitsdebatte kocht hoch, auch in Cuxhaven.

Vom ersten Moment an stand nach dem schrecklichen Angriff die Frage im Raum, wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sozialer Einrichtungen und Behörden besser geschützt werden könnten.

Schon seit Jahren häufen sich die Meldungen über eine steigende Gewaltbereitschaft in Behörden und gegenüber Rettungskräften. Besonders häufig sehen sich die Beschäftigten der Jobcenter Bedrohungen, Beschimpfungen oder gar körperlichen Angriffen ausgesetzt. "Das sind keine Einzelfälle, sondern die Regel. Eine Umfrage der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) kam zu dem Ergebnis: In allen Jobcentern ist Gewalt ein Thema", berichtete die Gewerkschaft der Polizei im Januar 2026. Das ist ein Grund dafür, warum Jobcenter an größeren Standorten durch Sicherheitspersonal geschützt sind - auch in Cuxhaven.

"Das bewegt uns alle"

"Zunächst einmal macht uns das Geschehen in Stade auch sehr betroffen", betont der langjährige Leiter des Jobcenters, Torsten Stoltz. Es sei unbegreiflich, dass Menschen, die sich  für das Wohlergehen anderer eingesetzt hätten, auf diese Weise zu Tode gebracht worden seien: "Das bewegt uns alle."

Die Forderung nach einer Verschärfung der eigenen Sicherheitsmaßnahmen im Haus habe sich daraus allerdings noch nicht ergeben, was auch daran liege, dass bereits einiges dafür getan werde. "Sicherheit hat bei uns höchste Priorität", so Torsten Stoltz. Bei Übergriffen jedweder Form gebe es keinerlei Toleranz: "Sie werden ausnahmslos zur Anzeige gebracht." Pro Jahr würden etwa zehn Hausverbote gegen aggressiv aufretende Ratsuchende ausgesprochen. Für zunächst sechs Monate dürften diese Personen nur noch zu speziellen Terminen und unter Sicherheitsvorkehrungen das Haus betreten.  

Gefährderansprache kann Gemüter kühlen

"Bedrohungen werden nicht toleriert", so Stoltz. Dann werde auch die Polizei hinzugezogen. Oft reiche schon eine so genannte Gefährderansprache - ein klare Benennung der Situation und der sich ankündigenden Konsequenzen durch die Polizei -, um die aufgewühlten Gemüter zu beruhigen und ihnen deutlich zu machen, dass so keine Zusammenarbeit möglich sei.

Torsten Stoltz leitet das Jobcenter Cuxhaven. Foto: Rohde

"Wir sind uns bewusst, dass uns Personen besuchen, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden und für die es um die Sicherung ihres Lebensunterhalts geht", räumt Torsten Stoltz ein. "Und das versuchen wir auch schnell und zuverlässig sicherzustellen. Dazu zählt, Vertrauen aufzubauen und sich nicht abzuschotten." Hierfür müsse das Haus zugänglich bleiben.

Sicherheitsdienst lässt sich sehen

Der Sicherheitsdienst sei anwesend und sichtbar; sich ankündigende schwierige Gespräche würden außerdem nicht allein geführt. Dennoch seien Zwischenfälle nicht ausgeschlossen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien  geschult in deeskalierender Kommunikation und verfügten über ein Alarmierungssystem. Für den Umgang mit außergewöhnlichen Vorfällen stehe ein Unterstützungssystem aus psychologischen Ersthelfern und Supervision zur Verfügung. "Wir haben außerdem noch mal an unsere Führungskräfte und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter appelliert, auf sich zu achten."

Eines ist Torsten Stoltz gegenwärtig, auch wenn sich die Dienststelle grundsätzlich gut aufgestellt sehe: "Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Aber zum Glück ist es bei uns noch nicht zu persönlichen Übergriffen gekommen." 

Blick in die Vergangenheit

2018 fühlte sich eine Mitarbeiterin des Jobcenters Hemmoor durch einen lautstark auftretenden Mann bedroht. Als sie in dessen Tasche ein Messer entdeckte, alarmierte sie die Polizei. Der Konflikt wurde deeskaliert und endete mit einem Hausverbot. 

Ein anderer Fall von Gewalt in Behörden endete 2011 tödlich: Im Oktober 2011 randalierte ein 47-jähriger obdachloser Mann im Kreishaus Cuxhaven während einer Veranstaltung mit zwei Metallstangen und verletzte mehrere Personen. Als er eine der Stangen ablegte, in die Innentasche seiner Jacke griff, sich auf einen Polizeibeamten zubewegte und auch auf Zurufe nicht reagierte, feuerte der damals 25-jährige Beamte aus seiner Dienstwaffe. Der Mann starb. Ein sich anschließendes Ermittlungsverfahren ergab, dass der Polizist in Notwehr gehandelt hatte.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

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