Liegeplatz-Konflikt um "Neuwerk" in Cuxhaven: Neue Standortprüfung gefordert
Die Zukunft des Mehrzweckschiffs "Neuwerk" sorgt für Diskussionen im Rat der Stadt. Eine neue Standortprüfung soll Klarheit schaffen. Welche Lösung wird die Konflikte lösen, die Bürger und Politiker beschäftigen?
Der Streit um den künftigen Liegeplatz für das neue Mehrzweckschiff "Neuwerk" geht in die nächste Runde. In der jüngsten Ratssitzung, der letzten vor der Sommerpause, verlangte die CDU-Fraktion eine erneute Prüfung der Standortfrage. Der Rat stimmte dem Antrag mit großer Mehrheit zu, bei zwei Gegenstimmen. Der Oberbürgermeister soll nun mit Niedersachsen Ports Gespräche über einen alternativen Standort führen.
CDU fordert neue Prüfung
Ratsfrau Melanie Eitzen-Fischer begründete den Vorstoß ihrer Fraktion mit zahlreichen Bürgergesprächen der vergangenen Wochen. Die bisherige Planung sieht den Neubau im westlichen Teil des Fährhafens vor. Unser Medienhaus berichtete mehrfach ausführlich.
Diese Variante teile die Fläche und bringe Nachteile mit sich, so die CDU. Geprüft werden soll deshalb der nordöstliche Teil des Fährhafens, gegenüber der bisherigen Fläche. Ebenso ins Auge fassen will die CDU die sogenannte Platte, den heutigen Wohnmobilstellplatz direkt an der Elbmündung. Sie könnte als Lagerfläche für das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt dienen. Wichtig sei vor allem die Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit.

SPD warnt vor Verlagerung
Gunnar Wegener signalisierte für die SPD Zustimmung, mahnte aber zur Vorsicht. Ein neuer Standort löse keine Probleme, er verschiebe sie nur. Wer heute unter der Planung leide, könnte künftig aufatmen. Andere, bislang Unbeteiligte, bekämen dann die Lasten zu spüren. Die Anwohner der See-Terrassen etwa stünden dem bisherigen Plan kritisch gegenüber, weil er die Aussicht verändere. Ein Wechsel auf die andere Seite bringe neue Betroffene ins Spiel. Trotz dieser Bedenken warb Wegener für eine schnelle Klärung, im Sinne einer Befriedung der seit Monaten hitzig geführten Debatte.
Santjer sichert Dialog zu
Oberbürgermeister Uwe Santjer begrüßte den Antrag ausdrücklich. Bereits in einer früheren Sitzung habe der Rat den Rahmen für den geplanten Flächentausch abgesteckt, zugleich aber Alternativen nicht ausgeschlossen. Die Fragen seien vielschichtig: Wie wirkt sich der Bau auf Anwohner, Tourismus und Beschäftigte aus? Am Ende entscheide vor allem die Technik, was überhaupt möglich sei. Santjer kündigte an, Niedersachsen Ports in den zuständigen Fachausschuss einzuladen, um die Optionen dort erneut vorzustellen.

Kuhrmann kritisiert das Verfahren
Deutliche Kritik kam vom Ratsherrn Rüdiger Kuhrmann. Die Öffentlichkeit habe von den ursprünglichen Plänen zuerst aus der Zeitung erfahren, nicht aus dem Rathaus. Das nährte Politikverdrossenheit. Zudem bezweifelte Kuhrmann, dass die Platte für Wohnmobilisten die zusätzliche Last überhaupt tragen könne. Auch die Genehmigungslage einzelner Wohnmobilstellplätze in der Stadt sei ungeklärt. Sein Fazit: Der vorliegende Prüfantrag reiche nicht aus, um die Standortfrage seriös zu beantworten. Notwendig sei ein echtes Entwicklungskonzept für die gesamte Wasserseite der Stadt.
Der Hintergrund der Debatte reicht bis in den Winter zurück. Ende Februar hatte die Stadt erstmals den sogenannten Ringtausch vorgestellt: Der Bund übernimmt den Fährhafen als Bundesversorgungshafen, Niedersachsen Ports erhält im Gegenzug den alten Bauhafen bei der Kugelbake, die Stadt Cuxhaven wiederum tauscht diesen gegen hafennahe Ausgleichsflächen ein.
Grund ist der wachsende Platzbedarf des Havariekommandos sowie die schiere Größe des neuen Mehrzweckschiffs Neuwerk, für das der bisherige Liegeplatz nicht mehr ausreicht. Schon damals hatten CDU und Grüne auf mögliche Folgen für Sichtachsen und Bauhöhen an der Grimmershörnbucht hingewiesen. Wann die Standortfrage endgültig geklärt wird, ist offen.
CNV-Newsletter
Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.