Cuxhaven-Ticket gesichert: Touristen sollen künftig zur Finanzierung beitragen
Die Stadt Cuxhaven beschließt einstimmig die Fortführung des CuxhavenTickets und plant eine innovative Finanzierung: Künftig sollen Touristen über den Gästebeitrag zum Erhalt des günstigen Nahverkehrs beitragen. Doch nicht jeder ist überzeugt.
Es war die letzte Ratssitzung vor der Sommerpause, und beim CuxhavenTicket zeigte sich der Rat der Stadt Cuxhaven so einig wie selten. Nach monatelanger Beratung in den Fachausschüssen hat das Gremium am Dienstagabend die Fortführung des Tickets beschlossen und zugleich einen Weg geebnet, wie Touristen künftig zur Finanzierung beitragen. Die eigentliche Sitzungsvorlage passierte den Rat einstimmig, nur die dritte Ergänzung zum Gästebeitrag fand eine Gegenstimme.
Zwei Jahre voller Erfolg
Cord Wichmann von der SPD ließ keinen Zweifel daran, dass sich der Aufwand gelohnt hat. "Wir haben eine Verzehnfachung der Zeitkartenverkäufe. Wir haben 80 Prozent mehr Fahrgastaufkommen", sagte er. "Das muss verlässlich bleiben, muss fortgeschrieben werden." Der ÖPNV bestehe aus mehreren Stellschrauben: aus Preis, Komfort, Takt und Netz. "Jetzt haben wir was am Preis gemacht. Dann müssen wir in Zukunft auch sehen, dass der Rest mit nachwächst." Und er warb für den neuen Finanzierungsgedanken: "Lassen Sie uns sehen, ob wir nicht aus dem Gästebeitrag einen Beitrag zum ÖPNV bekommen. Fahren Sie ins Restaurant, kommen Sie abends wieder und lassen Sie das Auto stehen."
Für die CDU-Gruppe kündigte Lars Birner Zustimmung an, und zwar ausdrücklich wegen der dritten Ergänzung. Diese sieht vor, dass Gäste mit Erlangung der Gästekarte künftig kostenfrei Bus fahren können. "Es ist immer eine Frage, wie kommunizieren wir dem Gast, wofür er das eigentlich bezahlt", sagte Birner. Zugleich verwies er auf den Nutzen für den Haushalt: "Wir werden ganz gezielt die Cuxhavenerinnen und Cuxhavener unterstützen und denen ein Angebot schaffen. Und das ist auch das, was wir am Ende über den Haushalt refinanzieren."
Stadt stellt erhebliche Mittel zur Verfügung
Die Stadt stellt für das Ticket in den kommenden Jahren erhebliche Mittel bereit, und genau deshalb soll der Gästebeitrag einen Teil der Last übernehmen. Peter Altenburg von der Wählergemeinschaft "Die Cuxhavener" erinnerte daran, dass seine Fraktion diesen Schritt lange gefordert habe. "Wie können wir da Nein sagen? Natürlich stimmen wir dem auch zu", sagte er. "Das hat die Wählergemeinschaft schon vor 15 Jahren gefordert. Manches dauert hier ein bisschen länger." Er regte zudem an, die Verwaltung möge prüfen, ob Firmen für ihre Mitarbeiter vergünstigte Tickets in größerer Stückzahl erwerben könnten.
Robert Babacé von den Grünen lenkte den Blick auf einen Aspekt, der in der Debatte bis dahin kaum eine Rolle gespielt hatte. "Es wird vieles immer aus der finanziellen Sicht gesehen", sagte er. "Aber es geht auch um Klimaschutz und dazu können genau solche Maßnahmen wirklich beitragen. Diesen Aspekt sollten wir dabei nicht vergessen."
Eine Stimme sagt Nein
Anton Grunert, parteilos und früher für die AfD im Rat, stimmte der Fortführung des Tickets zu, lehnte aber die Einbeziehung in den Gästebeitrag ab. "Gäste verhalten sich individuell", argumentierte er. "Es gibt Gäste, die wegen der Strände zu uns kommen. Wenn ich zwischen Hotel und Strand pendle, dann brauche ich keinen Bus.” Jeder Mensch solle die Freiheit haben, selbst zu entscheiden, ob er den ÖPNV nutze.
Widerspruch kam prompt von Thiemo Röhler (CDU), der Grunerts Logik zerpflückte. "Das war nun wirklich eine recht schiefe Argumentation", hielt er ihm entgegen. "Es gibt ja auch Touristen, die nur zum Wandern herkommen und gar nicht an den Strand wollen. Wie machen wir denn das dann mit dem Strandeintritt, der im Gästebeitrag enthalten ist? Der Gästebeitrag lebe davon, den Urlaubern greifbare Angebote zu machen. "Die Gäste fragen ja immer berechtigterweise: Was habe ich eigentlich von diesem Gästebeitrag? Und hier mit dem ÖPNV ist es wirklich eine gute Sache und eine gute Idee.”
Am Ende ließ Ratsvorsitzender Michael Stobbe abstimmen. Die Fortführung des CuxhavenTickets samt Bereitstellung der Haushaltsmittel für die Jahre 2027 bis 2032 passierte den Rat ohne Gegenstimme. Cuxhaven hält damit an seinem günstigen Nahverkehr fest und wagt zugleich den Einstieg in ein neues Finanzierungsmodell, dessen genaue Zahlen der Oberbürgermeister vorlegen soll.
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