In Cuxhaven wird die Bundeswehr-Rückkehr konkreter - was das jetzt bedeuten könnte
Die Rückkehr der Bundeswehr nach Altenwalde rückt näher denn je. Das bietet Chancen, aber auch Risiken. Welche Mitsprache hat die Stadt überhaupt? CNV-Medien beleuchtet das Szenario und zeigt, welche Schritte als Nächstes folgen.
Cuxhaven gehört zu den acht Standorten in Deutschland, die die Bundeswehr für besonders geeignet für eine Reaktivierung hält. Bei einer im Oktober 2025 eingeleiteten Untersuchung zahlreicher ehemaliger Bundeswehrstandorte sprachen viele Argumente für die Hinrich-Wilhelm-Kopf-Kaserne in Altenwalde. Sie scheint besonders geeignet für die Etablierung des neuen Wehrdienstes. Das bedeutet gleichzeitig, dass hier die Reaktivierung besonders schnell gehen könnte. Ein Blick auf bisherige und kommende Etappen.
Was hat sich nach dem Rückzug der Bundeswehr 2014 getan? Viele Jahre lang befand sich das rund 75 Hektar große Altenwalder Kasernenareal nach der kurzfristigen Wiederbelebung als Notunterkunft für Geflüchtete ab 2015 in den Verkaufsprojekten der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Eine Nachnutzung ergab sich trotz mancher Ideen jedoch nicht; der Stadt Cuxhaven gelang es immerhin, sich am Rand den Sportplatz sowie das Baugrundstück für das neue Haus der Freiwilligen Feuerwehr Altenwalde zu sichern.

Touristische Nutzung, Rechenzentrum, Logistik, Forschung: Keine der Erwägungen konnte sich durchsetzen oder gar Käufer überzeugen. Während in anderen Städten aus ehemaligen Kasernen ganze Wohngebiete entstanden, lag das im Wald verborgene Ensemble brach. Lange hatte das Land das Gelände als Standort für eine Erstaufnahmeeinrichtung ins Auge gefasst. Zum Schluss sollten dort viele Gebäude abgerissen werden, um eine Fläche für Biodiversität und Erneuerbare Energien zu schaffen - bis die Ankündigung des Bundesverteidigungsministeriums (BMVg) im Oktober 2025 alles veränderte.
Warum wurden schlagartig alle Verkaufsaktivitäten für die verbleibenden ehemaligen Bundeswehrimmobilien gestoppt? Für den Bund lag der Grund auf der Hand: Einmal verkaufte Immobilien stünden bei einem tatsächlichen militärischen Infrastrukturbedarf schlichtweg nicht mehr zur Verfügung und müssten womöglich im Landbeschaffungsverfahren von den neuen Eigentümern teuer zurückerworben werden. "Als letzte Alternative müssten die Besitzer in einem langwierigen Prozess enteignet werden", heißt es in einem Bericht über den Sachstand der sogenannten "Strategischen Liegenschaftsreserve". Außerhalb des BImA-Bestands stünden Flächen im erforderlichen Umfang in Deutschland außerdem so gut wie gar nicht zur Verfügung.

Was unterscheidet die jetzt benannten acht Standorte von denen, die für die Strategische Liegenschaftsreserve ausgewählt werden sollen? Der Grund liegt im kurzfristigen Bedarf für den Wehrdienst oder den Heimatschutz. Das ganz frisch beschlossene Infrastrukturbeschleunigungsgesetz soll, zum Beispiel durch Ausnahmeregelungen im Planungs- und Genehmigungsrecht, die Standorte schnellbezugsfähig machen.
Für andere Liegenschaften will die Bundeswehr noch keine konkrete Verwendung, sondern nur einen grundsätzlichen Bedarf für den vorgesehenen Aufwuchs benennen. Sie sollen - in der Strategischen Liegenschaftsreserve gesichert - Optionen erhalten und lageabhängig kurzfristige Entscheidungen ermöglichen. Daher sollen auch sie nicht im Dornröschenschlaf liegen, sondern so ertüchtigt werden, dass eine Aktivierung kurzfristig möglich wäre.

Können lokale Akteure überhaupt mitreden? Die laufende Überprüfung wird flankiert durch Standortdialoge (anfangs nur mit der Landesregierung) und -gespräche, dann auch mit Kommunen und weiteren Betroffenen. Der Bund gibt sich - auf Akzeptanz ausgerichtet - gesprächsbereit. Vor allem mit Kommunen, die in den Konversionsplanungen bereits weit waren und die nun um ihre städtebauliche Entwicklung fürchten, sollten einvernehmliche Lösungen erzielt werden.
Doch der Aufwuchs durch die Rückkehr der Bundeswehr verspreche auch strukturpolitische Chancen wie Stärkung der lokalen Wirtschaftskraft, verbesserte Steuereinnahmen, Bevölkerungs- und Beschäftigungszuwächse, wachsende Nachfrage, Erhalt von Infrastruktur der Daseinsvorsorge und Erhöhung der Attraktivität von Gemeinden, heißt es. Das sind Gedanken, die auch die Cuxhavener Ratsmitglieder im Kopf hatten, als sie im Dezember 2025 einstimmig eine Resolution für die Reaktivierung der Kaserne verabschiedeten.
Wie kann eine Annäherung gelingen? Der Bund signalisiert eine Bereitschaft zu einvernehmlichen Lösungen. Denkbar und erprobt seien beispielweise gemeinsame Nutzungen durch Aufteilung der Liegenschaft, Flächentausch oder temporär befristete Nutzung von Liegenschaften durch Bundeswehr und Dritte. Dieser Punkt dürfte für die Stadt Cuxhaven entscheidend werden, wenn es um die künftige Nutzung der Küstenheiden geht. Sie waren zu Zeiten des aktiven Truppenübungsplatzes zwar zum größten Teil für die Öffentlichkeit unzugänglich, sind jedoch seit der Öffnung zu einem überaus gut frequentierten, spektakulären und auch für den Tourismus bedeutsamen Naturschutz- und Naherholungsgebiet geworden.

Auf wessen Seite der Zugriff liegt, ist aber klar: Wenn sich die Interessen nicht miteinander vereinbaren lassen, geht der Bedarf der Bundeswehr vor. Entschädigungsleistungen seien nicht vorgesehen. Kommunen und weitere Betroffene hätten bislang bei den Gesprächen aber auch großes Verständnis für die gesamtstaatliche Herausforderung gezeigt; der Bund spricht von einer "Willkommenskultur" und sagt: "Der Aufwuchs der Bundeswehr wird nicht gegen die Interessen, sondern nur gemeinsam mit den Ländern und Kommunen gelingen."
Wo sollen Tausende Bedienstete (für Altenwalde ist allein von rund 2000 Soldatinnen und Soldaten die Rede) wohnen, wenn es schon so nicht genug Wohnungen gibt? Hierfür kündigt der Bund "Lösungen unter Berücksichtigung von Wohnungsbaumaßnahmen der BImA" an.

Sind schon Entscheidungen getroffen? Nach offizieller Verlautbarung nein. Demnach sollen alle infrage kommenden Liegenschaften bis Ende 2026 vor Ort erkundet und bewertet werden. Gleichzeitig sollten die Streitkräfte ihren Bedarf an konkreten Liegenschaften äußern. Für Altenwalde soll dies längst geschehen sein: Die Marine hat ihr Interesse am Standort längst angemeldet. Mit Spannung darf auf die Äußerungen des Verteidigungsministers Boris Pistorius (SPD) bei seinem Besuch in Cuxhaven am Montag, 13. Juli (16 Uhr, Kurpark Döse) gewartet werden.

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