Cuxhavens erstes Geburtshaus nimmt Form an: Der aktuelle Stand
Noch ähnelt das einstige Stadtarchiv einer Baustelle. Doch schon bald soll in dem historischen Gebäude an der Altenwalder Chaussee Cuxhavens erstes Geburtshaus eröffnet werden. Der aktuelle Stand.
Noch müssen die Hebammen Stefanie Keller und Dorothea Kruft über ein längeres Holzbrett balancieren, um ihre künftige Wirkungsstätte zu erreichen. Im ehemaligen Stadtarchiv an der Altenwalder Chaussee wird derzeit unter Hochdruck gearbeitet. Hinter der historischen Fassade des komplett eingerüsteten Gebäudes sind seit Monaten Arbeiter am Werk, damit in diesem Jahr dort neben dem Wichernstift auch Cuxhavens erstes Geburtshaus einziehen kann. Die Schlüsselübergabe am 30. September ist gesetzt.
Alle Räume des Geburtshauses sind von der rückwärtigen Seite aus zu erreichen. Noch verfügt das Treppenhaus nur über eine provisorische Treppe. Doch der Bereich für den Aufzug, der die werdenden Mütter künftig ins erste Obergeschoss liftet, ist schon vorbereitet. Ursprünglich wollten die beiden Hebammen lediglich eine gemeinsame Praxis eröffnen, um ihre Kompetenzen zu bündeln und schwangeren Paaren erst einmal Kurse und die allgemeine Betreuung anzubieten. Doch dann erreichten die beiden engagierten Frauen immer neue Anfragen. Junge Paare erkundigten sich vermehrt nach Hausgeburten. So reifte in den Köpfen der beiden Hebammen nach und nach die Idee eines eigenen Geburtshauses.

Osteopathin eröffnet Praxis im Geburtshaus Cuxhaven
Auch wenn in diesen Tagen alles noch nach Baustelle aussieht und sich die Bauarbeiter ihr ganz eigenes Musikprogramm zusammenstellen, um motiviert zu bleiben, ist das Licht am Ende des Tunnels klar zu erkennen. Die gute Atmosphäre ist schon jetzt zu spüren. Viele der neuen Räume verfügen über bodentiefe Fenster. Einige von ihnen haben stattliche Rundbögen. Der etwa 70 Quadratmeter große Kursraum hat gleich vier davon. "Hier wollen wir die Decke mit schicken Kronleuchtern ausstatten", schwärmt Stefanie Keller im Gespräch mit unserem Medienhaus. Das Farbkonzept für die die zwei Entbindungszimmer, den Willkommensbereich und auch für die Sanitärräume und das Areal, wo die Geburtswanne ihren Platz haben wird, steht ebenfalls. Auch in Sachen Möblierung haben die beiden Frauen aus dem Hessischen viel Energie gesteckt. Anfang Oktober sollen die Räume eingerichtet werden.
Nur ein paar Schritte vom zentralen Seminarraum entfernt, wird zudem eine Osteopathin in Kürze ihre Praxis eröffnen. Susanne Schimera wird im Geburtshaus beispielsweise Schwangeren- und Baby-Massagen anbieten. Auch ihre Praxis verfügt über bodentiefe Fenster, die den Blick direkt ins Grüne ermöglichen. Denn Cuxhavens erstes Geburtshaus ist trotzt der zentralen Lage eingebettet in einem Areal mit altem Baumbestand. Das hat Charme und wer das Grundstück betritt, der fühlt sich binnen weniger Augenblicke an einem anderen Ort. Der Verkehr von der Straße ist hinter den meterhohen Bäumen nur minimal wahrnehmbar.
Für die Zeit nach der Geburt haben die Hebammen ebenfalls Angebote entwickelt: Rückbildungskurse, Baby-Massagen, Delfi-Kurse und eine Stillberatung runden das umfangreiche Portfolio des Geburtshauses ab. Zudem sollen auch wechselnde Kurse bis zum Kleinkindalter angeboten werden.
Hebammen künftig in der Stadt Cuxhaven ausbilden
Da es die nächsten Geburtshäuser erst in Bremen und Oldenburg sowie in Hamburg gibt, wollen Dorothea Kruft und Stefanie Keller künftig auch Fortbildungen für Hebammen in Cuxhaven anbieten. Zurzeit assistiert ihnen eine junge Frau, die eine Ausbildung zur Hebamme macht. "Wir können hier in Cuxhaven künftig Hebammen aus ganz Deutschland aus- und weiterbilden", freut sich Dorothea Kruft, die für dieses neue Angebot zusätzlich auf Dozentinnen zurückgreifen möchte. In Cuxhaven dürfen künftig auch Hebammen-Studentinnen ausgebildet werden.

Freude über Engagement der Stadtsparkasse Cuxhaven
Etwas enttäuscht sind die beiden Frauen über das fehlende Engagement der Stadt und des Landkreises Cuxhaven. Nach persönlichen Gesprächen mit dem Oberbürgermeister und dem Landrat hatten sie sich etwas Unterstützung erhofft. Dazu hatten sie im Vorfeld der Gespräche eine Info-Mail mit Anregungen vom Netzwerk der Geburtshäuser an die Verwaltungsspitzen verschickt. "Es ist wirklich schade. Auch wenn man uns finanziell nicht helfen kann, wäre eine Hilfe im Bereich der sozialen Medien über die Kanäle der Stadt hilfreich gewesen", sagt Stefanie Keller und bringt Beispiele aus anderen Kommunen, wo Geburtshäuser und deren Ausbildungsanstrengungen für werdende Hebammen entsprechend begleitet wurden. Froh sind die beiden Frauen jedoch über das Engagement der Stadtsparkasse Cuxhaven, die ihnen mit praktischen Hilfestellungen bei der privaten Finanzierung tatkräftig unter die Arme gegriffen hat.
Hebammen freuen sich über "etwas Geburtshilfe"
Nichtsdestotrotz lassen sich die beiden Frauen nicht entmutigen. Der Terminplan ist eng gefasst und bis zur Eröffnung im Oktober gibt es noch viel zu tun. Den Start des Geburtshauses Cuxhaven werden Stefanie Keller und Dorothea Kruft alleine managen. Ab November 2023 wird eine dritte Hebamme in das Projekt mit einsteigen.
Wer Kontakt zu den beiden Hebammen aufnehmen möchte, kann das via Mail unter geburtshaus-cuxhaven@gmx.de. Auch Sponsoren, die gern etwas Geburtshilfe leisten wollen, können unter dieser Adresse aktiv werden.