Das ehemalige Stadtarchiv wird in den kommenden Monaten umgebaut und saniert. In das Gebäude an der Altenwalder Chaussee ziehen das Wicherstift und das erste Cuxhavener Geburtshaus. Grafik KB/CN
Das ehemalige Stadtarchiv wird in den kommenden Monaten umgebaut und saniert. In das Gebäude an der Altenwalder Chaussee ziehen das Wicherstift und das erste Cuxhavener Geburtshaus. Grafik KB/CN
Stadtentwicklung

Hebammen eröffnen das erste Geburtshaus in Cuxhaven

von Jens Potschka | 30.12.2022

Cuxhaven. Die Hebammen Stefanie Keller und Dorothea Kruft eröffnen im Jahr 2023 Cuxhavens erstes Geburtshaus. Wie ihre Pläne aussehen und wie weit die beiden Frauen bereits sind, erklären sie im Gespräch mit der CN/NEZ-Redaktion.

"Wir haben im Laufe dieses Jahres festgestellt, dass sich immer mehr Paare gerne außerhalb der Klinik betreuen lassen wollen, da das Angebot für solche Geburten in Cuxhaven gar nicht so groß ist." Die Hebammen Stefanie Keller (47) und Dorothea Kruft (37) haben sich nach reiflicher Überlegung ein Herz gefasst und eröffnen im kommenden Jahr 2023 Cuxhavens erstes Geburtshaus.

Ursprünglich wollten die beiden Hebammen lediglich eine gemeinsame Praxis eröffnen, um ihre Kompetenzen zu bündeln und schwangeren Paaren erst einmal Kurse und die allgemeine Betreuung anzubieten. "Da aktuell immer mehr Anfragen für Hausgeburtshilfe an uns herangetragen wurden, reifte so nach und nach die Idee eines Geburtshauses", berichtet Stefanie Keller im Gespräch mit unserem Medienhaus. Nachdem die beiden in den Cuxhavener Nachrichten eine Anzeige geschaltet hatten, sind die Investoren, die das "Schlosspark Quartier" an der Altenwalder Chaussee realisieren wollen, an die beiden Frauen herangetreten.

Kinderstation des alten Stadtkrankenhauses

Hier schließt sich ein Kreis, denn unmittelbar hinter dem ehemaligen Stadtarchiv, in dem das Geburtshaus neben dem Wichernstift seinen Platz haben wird, befand sich einst das alte Marinelazarett. Dort war später über viele Jahre die Kinderstation des Stadtkrankenhauses beheimatet. Viele Cuxhavenerinnen und Cuxhavener erblickten dort das Licht der Welt.

Die beiden Hebammen stammen übrigens beide aus Hessen und sind ganz beseelt von der Idee, an diesem "magischen Ort" ihr Geburtshaus eröffnen zu dürfen. Beide haben sich übrigens erst nach ihrer erfolgreichen Ausbildung an der Hebammenschule  in Cuxhaven kennen und schätzen gelernt.

Was steckt hinter dem Angebot eines Geburtshauses? "Wir wollen in unserem Haus ein Rundumpaket anbieten. Das umfasst die Schwangerenvorsorge und die komplette Betreuung sowie die Geburt und darüber hinaus. Das ist wie bei einer Hausgeburt. Wir befinden uns in Rufbereitschaft und wenn es so weit ist, kommen die Mütter oder Paare ins Geburtshaus und bekommen hier ihr Kind gemeinsam mit uns."

Dorothea Kruft verweist zudem auf eine Kooperation mit einer ausgebildeten Osteopathin, die zum Beispiel Schwangeren- und Baby-Massagen in dem Geburtshaus anbieten wird. Zur Einrichtung  gehört außerdem eine kleine Einzimmerwohnung, die von den Paaren angemietet werden kann. Dort können sie noch eine oder mehrere Nächte bleiben. "Wir haben diese Wohnung mit im Gebäudetrakt planen lassen, denn mit unserem Geburtshaus wollen wir auch Menschen außerhalb von Cuxhaven ansprechen", sagt Stefanie Keller. Für die Zeit nach der Geburt haben die Hebammen ebenfalls Angebote entwickelt: Rückbildungskurse, Baby-Massagen, Delfi-Kurse und eine Stillberatung runden das Portfolio ab. Zudem sollen auch wechselnde Kurse bis zum Kleinkindalter angeboten werden.

Fortbildungen für Hebammen künftig in Cuxhaven

Die nächsten Geburtshäuser gibt es erst in Bremen und Oldenburg sowie in Hamburg. Unter den Mottos "Gebären, wo andere Urlaub machen" oder auch "Am Ende der Autobahn fängt neues Leben an" sprechen die beiden Hebammen deshalb auch ganz gezielt Gäste an, die hier an der Nordseeküste innerhalb ihres Urlaubes ihr Baby zur Welt bringen möchten.  "Wir sind schon mit verschiedenen Pensionen vor Ort im Gespräch, wenn Schwangere zum Beispiel mit ihrer ganzen Familie anreisen. Dann kann ein Teil der Familie auch dort unterkommen", sagt Stefanie Keller.

Zum Geburtshaus gehört auch ein Hebammenraum. Dort möchten die beiden Frauen ein Fortbildungszentrum etablieren. "Wir können hier in Cuxhaven künftig Hebammen aus ganz Deutschland aus- und weiterbilden", freut sich Dorothea Kruft, die für dieses Angebot zusätzlich auf Dozentinnen zurückgreifen möchte. "Wir dürfen außerdem Hebammen-Studentinnen ausbilden. Drei Hamburgerinnen haben sich schon für den Sommer des kommenden Jahres angemeldet", freut sich Dorothea Kruft. Auch aus Bremen gibt es schon einige Anfragen für die praxisnahe Ausbildung.

"Wenn eine Frau in unserem Geburtshaus entbinden möchte, müssen wir sie zuvor ein paar Mal gesehen haben. In erster Linie um sie kennenzulernen und um im Verlauf der Schwangerschaft entstehende Risiken, die nicht für ein Geburtshaus geeignet sind, zu erkennen. Es gibt gewisse Kriterien, die dazu führen können, dass eine Frau ihr Kind nicht in einem Geburtshaus bekommen darf."

Was verbirgt sich hinter der Kraft der Geburt? "Wir versuchen die Frauen dahingehend zu bestärken, dass es schon immer die Kraft der Frau war, ein Kind zu bekommen. Wir versuchen, durch die Atmosphäre in den Räumen mit wenig kognitiven Reizen und gedämpftem Licht, dass sich die Gebärenden auf sich und ihren Körper fokussieren können", sagt Stefanie Keller und schlägt damit die Brücke zum Logo des Geburtshauses, das von einer Welle untermalt ist. "Jede Wehe ist wie eine Welle und von denen dürfen sich die Mütter in einem geschützten Raum wie ein Schiffchen tragen lassen bis dann das Baby - sprich das Herz, die Liebe - geboren wird."

215 Quadratmeter im Hochparterre

Das Geburtshaus wird auf einer Fläche von 215 Quadratmeter im Hochparterre des ehemaligen Stadtarchivs an der Altenwalder Chaussee entstehen. Die Entkernungsarbeiten haben bereits stattgefunden. In Kürze wird ein Aufzug installiert. Im Hochparterre befinden sich eine Teeküche, ein großzügiger Fortbildungsraum, Sozialräume, eine Wohnung sowie das Herzstück der Einrichtung die zwei Entbindungsräume. Die Hebammen bieten auch die Option einer Wassergeburt. Eine bequeme Wanne ist mit eingeplant.

Am 1. Juli 2023 soll das Geburtshaus eröffnet werden. Bis dahin suchen die engagierten Hebammen noch ein paar Sponsoren. "Wir würden gern im Eingangsbereich ein maritimes Steuerrad aufstellen. Unsere Spender werden dort mit einer  kleinen Messingtafel verewigt", verspricht Dorothea Kruft, die gemeinsam mit Stefanie Keller noch eine Reihe schöner Ideen entwickelt hat, die hoffentlich schon in Kürze in die Tat umgesetzt werden können.

Wer Kontakt zu den beiden Hebammen aufnehmen möchte, kann das via Mail unter geburtshaus-cuxhaven@gmx.de. Auch Sponsoren, die gern etwas Geburtshilfe leisten wollen, können unter dieser Adresse aktiv werden.

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Jens Potschka

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

jpotschka@no-spamcuxonline.de

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