"Das ist Teilhabe": In Cuxhaven stehengelassener Rollstuhlfahrer hat Busverkehr-Ideen
In Cuxhaven kämpft ein Rollstuhlfahrer mit Mobilitätshürden im Nahverkehr und bietet Lösungen an. Er nennt seine Ideen. Seine Erfahrungen und Vorschläge sind ein Weckruf für mehr Teilhabe.
Matthias Klei aus Bielefeld ist als Urlauber Cuxhaven-Fan. Aufgrund einer Körperbehinderung ist er auf einen Elektrorollstuhl angewiesen. Regelmäßig reist er mit der Bahn nach Cuxhaven an und nutzt anschließend die Busse der KVG, um nach Duhnen zu gelangen.
Eine Busfahrerin habe die Mitnahme mit der Begründung verweigert, dass er einen speziellen Prüfaufkleber für die Bremsen seines Rollstuhls benötige. Obwohl er einen aktuellen Prüfaufkleber seiner heimatlichen Verkehrsgesellschaft vorzeigen konnte, sei er nicht befördert worden.
Klei kritisiert die Mobilität von Behinderten in Cuxhaven, hat aber auch eigene konkrete Verbesserungsvorschläge, die er auf Nachfrage von CNV-Medien deutlich macht.
Würden Sie es als tragbare Lösung empfinden, wenn das Fahrpersonal zeitnah für eine Ersatzbeförderung sorgen würde - zum Beispiel durch ein benachrichtigtes Anrufsammeltaxi, wenn es Sie aus Platzmangel nicht transportieren können?
Das Ziel muss es natürlich sein, dass Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer - genau wie jeder andere - zu jeder Zeit einfach in den Bus einsteigen können. Denn das ist Teilhabe. Im Ausnahmefall oder wenn es im Vorfeld klar kommuniziert wurde, ist ein Taxi oder ein Anrufsammeltaxi aber aus meiner Sicht eine tragbare Alternative. Voraussetzung ist natürlich, dass keine weiteren Kosten entstehen und die eventuelle Wartezeit in einem angemessenen Rahmen bleibt.

Sie kritisieren bei der KVG mangelnde Transparenz. Wie könnte das Transportunternehmen denn in Ihren Augen diesbezüglich Verbesserungen schaffen, damit es eine verbindliche Barrierefreiheit gibt?
Der Internetauftritt sowie alle Informationsmaterialien des Verkehrsunternehmens müssen verbindliche Informationen zum Thema Barrierefreiheit enthalten. Besonders Einschränkungen - sollte es sie geben - müssen besonders sichtbar gemacht werden. Busfahrerinnen und Busfahrer müssen wesentlich besser im Umgang mit Rollstuhlfahrern und Rollstuhlfahrerinnen geschult werden. In Deutschland fahren schwerbehinderte Menschen, blinde Menschen und einige weitere Bevölkerungsgruppen kostenfrei im öffentlichen Nahverkehr. Das beinhaltet auch, dass die Nahverkehrsunternehmen in der Lage und willens sind, diese Personen zu befördern. Diesen Eindruck habe ich bei der KVG zu keinem Zeitpunkt gehabt. Im Übrigen veröffentlicht die Stadt Cuxhaven einen Flyer zum Thema Urlaub und Barrierefreiheit in Cuxhaven. Darin finden sich unter anderem die rollstuhlgerechten Strandkörbe. Informationen zum Thema Barrierefreiheit im Nahverkehr sucht man vergebens.

Seit wann besuchen Sie Cuxhaven und wo gibt es aus Ihrer Sicht noch Verbesserungspotenzial in Sachen Barrierefreiheit?
Ich besuche Cuxhaven seit inzwischen über 30 Jahren mehr oder weniger einmal im Jahr. Am Besten gefällt mir die Fußgängerstrecke am Strand entlang. Da kann auch ich fast 20 Kilometer fast am Wasser entlangfahren. Ich habe auch schon sehr schöne, moderne, rollstuhlgerechte Ferienwohnungen in Duhnen und Döse gehabt. Insgesamt könnte es aber mehr davon geben. Behindertengerechte Einrichtungen wie Fahrstühle, breite Flure und rollstuhlgerechte Badezimmer kommen nicht nur Menschen wie mir zugute, sondern haben auch positive Aspekte für ältere Menschen, Familien mit Kindern und Menschen mit temporären Einschränkungen.
Ein Problem, das immer wieder auftaucht ist die Anzahl der Schlafzimmer und Betten. Viele behinderte Menschen aus meinem Umfeld reisen mit Assistenz. Oft ist für diese Assistenzen in den Wohnungen kein Platz, weil es eben nur ein Schlafzimmer beziehungsweise nur ein Doppelbett gibt. In Hotelzimmern ist die Situation häufig noch schlechter. Zustellbetten oder gar fest eingebaute Betten für Assistenzen sind eine Seltenheit. Häufig müssen Assistenzen so in separaten Hotelzimmern untergebracht werden - auch wenn auch nachts eine Versorgung notwendig ist.
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