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Blick vom Kopf der Prinzessinnentrift in Richtung Deich: Der gesamte Straßenzug zeigt, was auf dem Spiel steht. Das historisch gewachsene Quartier mit seiner überwiegend kleinteiligen Bebauung und den Sichtachsen zur Nordsee könnte durch den geplanten Sieben-Geschosser dauerhaft verändert werden.
Blick vom Kopf der Prinzessinnentrift in Richtung Deich: Der gesamte Straßenzug zeigt, was auf dem Spiel steht. Das historisch gewachsene Quartier mit seiner überwiegend kleinteiligen Bebauung und den Sichtachsen zur Nordsee könnte durch den geplanten Sieben-Geschosser dauerhaft verändert werden.
Bauvorhaben Prinzessinnentrift

Ferienwohnungen in Grimmershörn - Anwohner in Cuxhaven schalten Anwalt ein

von Jens Potschka | 22.05.2026 Zuletzt aktualisiert: 28.05.2026 08:51 Uhr

In der beschaulichen Prinzessinnentrift herrscht Aufruhr: Ein Investor plant 27 Ferienwohnungen, doch die Anwohner wehren sich entschlossen gegen den drohenden Verlust ihrer Aussicht und den massiven Baukörper, der ihre Straße verändern könnte.

Die Baulücke an der Prinzessinnentrift ist längst mehr als eine offene Frage der Stadtplanung. Sie ist zum Symbol geworden. Für eine Nachbarschaft, die sich übergangen fühlt. Und für einen Investor aus Bremerhaven, der mit dem Slogan "Seeblick für alle Wohnungen" wirbt, während die Anwohner ringsum fürchten, dass genau dieser Blick für sie für immer versperrt wird.

Seit die Polzin-Gezer Immobilien GmbH ihren überarbeiteten Bauantrag für das Projekt "Prinzessinnentrift N° 13" eingereicht hat, läuft die Uhr. Die Bauverwaltung prüft. Und die Nachbarschaft organisiert sich. Aus einem losen Kreis Betroffener ist eine Interessengemeinschaft entstanden, täglich kommen neue Unterstützer hinzu. Inzwischen haben die Anwohner einen Fachanwalt für Baurecht eingeschaltet, der Akteneinsicht in das Verfahren beantragen soll.

"Ein Stellplatz pro Ferienwohnung ist schlicht realitätsfremd”

27 Stellplätze sieht das Projekt für insgesamt 27 Ferienwohneinheiten vor, also genau einen pro Einheit. Für die Interessengemeinschaft ist das schlicht realitätsfremd. Feriengäste reisen erfahrungsgemäß mit mehreren Fahrzeugen an, bringen Besuch mit, Fahrräder, E-Bikes. Hinzu kommen der Wechselbetrieb: Reinigungskräfte, Servicepersonal, Kurierfahrer.

Leergeräumtes Baugrundstück an der Prinzessinnentrift: Hier, auf den Flurstücken 177 und 178, soll das Projekt "Prinzessinnentrift N° 13" entstehen. Die Altbauten sind bereits abgerissen. Die Entscheidung über den überarbeiteten Bauantrag der Polzin-Gezer Immobilien GmbH aus Bremerhaven steht noch aus.

Die Niedersächsische Bauordnung sieht bei Ferienwohnungen grundsätzlich einen Bedarf von ein bis zwei Stellplätzen vor. Dass die Stadt Cuxhaven lediglich einen akzeptiert, wird von vielen Anwohnern als zu großes Entgegenkommen gegenüber dem Investor gewertet, auf Kosten der Nachbarschaft. Die Prinzessinnentrift ist eine enge Straße, sackgassenartig, ruhig, historisch gewachsen. Wer hier wohnt, hat oft sein Erspartes in das Haus gesteckt, als Altersvorsorge. Genau diese Menschen schreiben jetzt Briefe an die Stadtverwaltung und warten auf Antwort. 

"Diese hohe weiße Wand ändert sich nicht großartig”

Sechs Vollgeschosse plus ein Garagengeschoss bleiben nach dem überarbeiteten Entwurf zulässig, auch wenn das ursprünglich geplante Penthouse im obersten Stockwerk entfällt. Was bleibt, ist ein massiver Baukörper, der die Straße nach Einschätzung vieler Anlieger regelrecht zumauern würde. Besonders bitter ist für die Betroffenen, dass sich an dem wohl schmerzhaftesten Punkt nichts geändert hat: Die hohe, fensterlose Brandmauer entlang der Nachbargrenze bleibt nahezu unverändert.

Sebastian Post von der städtischen Bauverwaltung räumte das offen ein: "Diese hohe weiße Wand ändert sich gegenüber dem alten Entwurf nicht großartig.” Auch die Sichtachse zur Nordsee steht auf dem Spiel. Gerade der freie Blick zum Wasser prägt den Charakter der Grimmershörnbucht, macht sie lebenswert und touristisch attraktiv. Der Investor wirbt damit in seinem Exposé, für die künftigen Feriengäste. Für die Dauerbewohner der Straße wäre dieser Blick passé. Anwohner Dirk Wurzer brachte es bereits in einem Brief an den Bauausschuss auf den Punkt: Der Neubau komme einer Abriegelung von Landschaft und Natur gleich.

Ein Anwohner befestigt ein Protestplakat gegen das umstrittene Bauprojekt in der Prinzessinnentrift - Symbol für den Widerstand der Nachbarschaft. Foto: Pallentin

"Der Bebauungsplan ist nicht in Stein gemeißelt”

1998 wurden die Festsetzungen des Bebauungsplans für das Sondergebiet "Kur" zuletzt festgelegt. Seitdem hat sich viel verändert: das Klimabewusstsein, das Leitbild behutsamer Stadtentwicklung, die Debatte über die Grenzen des Massentourismus. Der Bebauungsplan nicht. Stadtbaurat Andreas Eickmann verwies auf den geltenden rechtlichen Rahmen: "Innerhalb dieses Rahmens kann der Bauherr sich natürlich bewegen.”

Die Interessengemeinschaft sieht das anders. Ein Bebauungsplan sei nicht in Stein gemeißelt. Die Stadt besitze Instrumente, etwa eine Veränderungssperre oder planungsrechtliche Änderungen. Bis zur Kommunalwahl will die Interessengemeinschaft sogenannte Wahlprüfsteine erarbeiten und an alle demokratischen Parteien im Stadtrat richten. Sie will wissen, wo die Parteien stehen: beim Erhalt historischer Wohnquartiere, bei der Frage des Massentourismus, bei einer Stadtentwicklung mit Augenmaß. Die Antworten werden veröffentlicht.

Protest in der Prinzessinnentrift: Anwohner setzen ein Zeichen gegen das Bauvorhaben und kämpfen für den Erhalt ihrer Nachbarschaft. Foto: Pallentin

"Wir wollen diese Betonbunker hier nicht mehr”

27 Wohneinheiten soll das Gebäude umfassen. Nicht für Menschen, die hier dauerhaft leben wollen, sondern für Feriengäste. Das ist der Kern des Unbehagens. Grimmershörn ist im Sommer ohnehin schon überlastet, durch Tourismus, Durchgangsverkehr, und wachsende Zahlen an Ferienwohnungen. Gleichzeitig werden Eigentümer geduldeter Ferienwohnungen aufgefordert, diese zu schließen.

Aus der Interessengemeinschaft ist dazu ein Satz überliefert, der die Stimmungslage treffend zusammenfasst: "Überall wird den Leuten nahegelegt, ihre geduldeten Ferienwohnungen zu schließen, und parallel kommt ein auswärtiger Investor und baut neue.” Ein Mitglied der Gruppe, das nicht namentlich genannt werden möchte, brachte seine Haltung gegenüber dieser Redaktion so zum Ausdruck: "Irgendwann muss die Kommune auch mal einlenken. Wir wollen diese Betonbunker hier nicht mehr.”

Die Unterschriftenlisten laufen. Der Anwaltstermin ist gebucht. Anfang Juni treffen sich Angehörige der Interessengemeinschaft mit Oberbürgermeister Uwe Santjer und Mitarbeitern aus der Bauverwaltung, um ins direkte Gespräch miteinander zu kommen.

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Jens Potschka

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