Im Sturmflutfall überschwemmt das Wasser zumindest die hinter dem Sandstrand gelegenen Wiesen. Die Pläne für einen seit Jahrzehnten diskutierten Deichbau am Strandabschnitt Sahlenburg nehmen gegenwärtig Konturen an. Archivfoto: Reese-Winne
Im Sturmflutfall überschwemmt das Wasser zumindest die hinter dem Sandstrand gelegenen Wiesen. Die Pläne für einen seit Jahrzehnten diskutierten Deichbau am Strandabschnitt Sahlenburg nehmen gegenwärtig Konturen an. Archivfoto: Reese-Winne
Küstenschutz

Ein "Dünendeich" wäre für Sahlenburg ein Alleinstellungsmerkmal

von Kai Koppe | 05.04.2024

Beim Thema Deichbau gibt es inzwischen eine Marschrichtung; der aktuelle Sachstand kommt ab Montag in die Fachgremien - und wurde in der zurückliegenden Woche bereits im Ortsrat besprochen.

Mit seinen Erläuterungen konnte Stadtbaurat Andreas Eickmann offenbar überzeugen: "Sowohl der Ortsrat als auch die anwesenden Zuhörer waren recht angetan", zog Sahlenburgs Ortsbürgermeister Herbert Kihm im Rückblick auf die Sitzung vom vergangenen Dienstag Bilanz. Dort war der Baudezernent nach Kihms Bericht unter anderem auf die immer wieder für Diskussionsstoff sorgende Frage der Optik eines künftigen Flutschutzbauwerks in der Wolskermarsch eingegangen - ein sensibler Aspekt, nachdem der (im Gegensatz zu den anderen Cuxhavener Kurteilen) unverstellte Blick aufs Wasser von Urlaubern gerne als Pluspunkt der Destination Sahlenburg angeführt wird.

Die Wolskermarsch ist  eine "Achillesferse"

So schön Gäste diese Offenheit finden, so hoch war der Preis, den man in der Vergangenheit im Sturmflutfall zahlen musste. Die "Achillesferse" in der Cuxhavener Deichlinie erforderte in der jüngeren Geschichte diverse Arbeitseinsätze, bei denen der Bereich um die Wattwagenzufahrt mit Sandsäcken (und sogenannten "Bigpacks") gesichert werden musste. Die Maßnahmen erfolgten im Bewusstsein um die Zerstörungskraft der Wassermassen, die bei der Sturmflut im Jahr 1976 erhebliche Sachschäden angerichtet hatten - unter anderem, indem sie mehrere Hundert Wohnwagen wegschwemmten. Zu diesem Zeitpunkt war der Lückenschluss übrigens längst im Gespräch, eine Umsetzung aber (auch) an lokalen Widerständen gescheitert.

Der inzwischen eingeschlagene Weg zielt darauf ab, einen möglichst großen Teil der Bevölkerung mit dem Gedanken an eine künstlich errichtete Barriere zu versöhnen. Denn der künftige Deich in der Wolskermarsch soll sich bereits auf den ersten Blick hin von seinesgleichen unterscheiden. Kihm sprach in diesem Zusammenhang von einer "Dünenanmutung": Mit Strandhafer bepflanzt erhielte das Bauwerk ein naturnahes Gepräge - und der Ort so etwas wie eine weitere Attraktion: Mit einem solchen "Dünendeich" besäße Sahlenburg schließlich ein Alleinstellungsmerkmal an der deutschen Nordseeküste. Auf Betonteile zur Bewehrung kann auf dem vom früheren Seehospital-Areal bis zum Lokal "Kliff" reichenden Abschnitt aus statischen Gründen allerdings nicht verzichtet werden. Mit solchen Rauheitselementen soll sich die Bestickhöhe im Bereich der derzeitigen touristischen Nutzung auf acht Meter belaufen. In Höhe des ehemaligen Bettenhauses müsste der Deich dem Vernehmen nach neun Meter hoch (die Elemente nicht mit eingerechnet) werden. 

Bauzeit wird mit zwei Jahren veranschlagt

Was die weitere Ausgestaltung anbelangt, sind offenbar zwei behindertengerechte Deichübergänge vorgesehen. Fußgänger- und Radverkehr sollen getrennt werden, wobei Passanten der Weg auf der Deichkrone vorbehalten bleibt. Der Kitesurf- oder Katamaransegler-Standort (hinter dem "Kliff") wird nach diesen Plänen durch den Wernerwald zu erreichen sein, den während einer mit rund zwei Jahren veranschlagten Deichbau-Zeit auch die Baufahrzeuge durchfahren sollen. "Was die Wattwagen anbelangt - dafür müssen wir noch die Hamburger ins Boot holen", sagte Kihm in Anspielung auf einen ebenfalls geplanten "Bahnhof" für den Neuwerk-Verkehr.

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