Während die Fahrt noch andauert, legt sich die Altenwalderin in aller Regel einen Plan fürs Aussteigen fest. Aber einige Male setzte der Bus bereits zum Abfahren an, während sie sich noch auf den Stufen befand und eingeklemmt war. Foto: dpa/Marijan Murat
Während die Fahrt noch andauert, legt sich die Altenwalderin in aller Regel einen Plan fürs Aussteigen fest. Aber einige Male setzte der Bus bereits zum Abfahren an, während sie sich noch auf den Stufen befand und eingeklemmt war. Foto: dpa/Marijan Murat
Was müsste besser laufen?

Eingeklemmte Seniorin erlebt in Cuxhaven bange Momente zwischen Bus und Straße

von Maren Reese-Winne | 20.10.2025

In Cuxhaven kam es für eine Altenwalder Seniorin mit Rollator zu gefährlichen Momenten beim Aussteigen aus dem Bus. Nachdem es das dritte Mal passiert war, schrieb sie einen Brief an die KVG - und meint, etwas erkannt zu haben.

Beim dritten Mal hatte die Altenwalderin genug: Nachdem sie zwei gefährliche Situationen beim Aussteigen aus dem Bus noch hingenommen hatte, schrieb sie nach dem dritten Vorfall an die KVG in Cuxhaven. Ob es etwas gebracht hat? Sie ahnt es nur.

Auf eine Antwort wartet sie bis heute. Im Brief hat sie das Erlebte so geschildert: Es passierte jedes Mal an demselben Ort, nämlich beim Aussteigen an der Haltestelle Altenwalde-Apotheke. Waltraud S. (Name von der Redaktion geändert) ist seit einiger Zeit mit einem Rollator unterwegs und gut informiert. So benutzt sie beim Einsteigen stets den Hintereingang, strebt dem Platz für Gehbehinderte zu und klingelt rechtzeitig vor der Haltestelle.

"Will den Betrieb nicht aufhalten"

"Ich denke, dass ich mit Rollator noch recht behende bin. Und so stehe ich immer auch sofort auf, sobald der Bus hält, weil ich den Betrieb nicht aufhalten will", berichtet die Seniorin. Den ersten Beinahe-Unfall vor einem Jahr hat sie als besonders dramatisch in Erinnerung: Als sie einem jungen Mann folgen wollte, schlossen sich die Türen und klemmten ihren Kopf ein. "Mein Gesicht und ein Unterarm hingen draußen", schildert sie die Situation.

Ein- und Ausstieg mit einem Rollator in den Bus: Das scheint nicht immer ganz reibungslos zu funktionieren, wie ein Fahrgast erklärt. Symbolfoto: Oliver Berg/dpa

Andere Fahrgäste erkannten die Situation

Erst auf die Schreie der anderen Fahrgäste hin habe der Bus angehalten, sie sei ausgestiegen und der Bus sei davongefahren, ohne dass sich jemand nach ihrem Befinden erkundigt habe. "Womöglich hat der Fahrer die Situation überhaupt nicht wahrgenommen", vermutet sie. Einige Zeit später endete das Aussteigen mit einer eingeklemmten Schulter.

Am 12. August habe sich die Tür wieder vorzeitig geschlossen, während sie sich noch - rückwärts den Bus verlassend - auf der Stufe befunden habe. Diesmal habe der Rollator festgesteckt. Ein mitfahrender Fahrgast mit Fahrrad, der ihr schon zuvor geholfen hatte, sich auf das Aussteigen vorzubereiten, habe die Tür aufgepresst. "Er - nicht der Fahrer - fragte, ob alles in Ordnung sei. Abfahrt wie gehabt"; erinnert sich Waltraud S..

Unfall mit ernsten Folgen wäre verheerend

Für sie war das eine gefährliche Situation zu viel: "Ich habe erlebt, dass Leute bei solchen Unfällen Verletzungen erlitten haben, die nie wieder gut geworden sind. Das möchte ich nicht erleben." Sie kann sich nicht erklären, warum die Fahrer nicht mehr Vorsicht walten lassen, zumal sie stets einen mit einem Rollstuhl gekennzeichneten Halteknopf betätige, der bei diesen extra ein Signal aufleuchten lassen müsse.

Hat der Brief doch etwas bewirkt?

Auf ihr Schreiben hätte sie sich eine Entschuldigung oder zumindest eine Resonanz gewünscht. Das blieb zwar aus, aber seit jüngerer Zeit habe sie immerhin das Gefühl, dass im Rückspiegel häufiger ein Auge auf gehbehinderte Fahrgäste geworfen werde, sagt sie und möchte eins nicht vergessen: "Es bleibt dabei - die meisten Fahrer sind aufmerksam; vielleicht seit meinem Brief noch aufmerksamer", sagt sie.

Die KVG betreibt das Busnetzwerk in Cuxhaven. Archivfoto: Koppe

Hinweise auf Abläufe sind willkommen

In der Zentrale in Stade war der Vorgang auf Nachfrage von cnv-medien.de noch unbekannt. Die Fälle seien so im System nicht zu finden gewesen, so Anna-Farina Taach, Sachberaterin Kundendialog. Grundsätzlich begrüße das Unternehmen Hinweise auf mögliche Gefährdungssituationen: "Nur durch solche Rückmeldungen können wir unsere Abläufe überprüfen und kontinuierlich verbessern."

Manchmal wird der zweite Check vergessen

Grundsätzlich hätten Fahrerinnen und Fahrer Einsicht in den Türbereich in der Regel über den Innenspiegel. Dieser decke allerdings nicht den gesamten Bereich ab. Der zusätzliche Blick in den rechten Außenspiegel bleibe in der Praxis - gerade während der Einstiege und der Kassiertätigkeiten - jedoch vor dem Schließen manchmal aus; dann würden die Türen ohne Prüfung des Außenspiegels geschlossen.

Automatische Öffnung bei Hindernis in der Tür

Die Fahrer seien selbstverständlich dazu angehalten, insbesondere mobilitätseingeschränkten Personen einen sicheren Ausstieg zu ermöglichen und gegebenenfalls aktive Hilfe zu leisten. Die Türen verfügten zudem über eine Reverse-Funktion, die bei einem Druck von etwa 30 Kilogramm die Tür automatisch wieder öffne, sodass ein versehentliches Einklemmen schnell korrigiert werden könne.

Die KVG-Busse halten an verschiedenen Stellen im Cuxhavener Stadtgebiet. Archivfoto: Reese-Winne

Der von der Altenwalderin erwähnte Halteknopf im Mehrzweckbereich diene dazu, dass Fahrgäste, insbesondere mit Rollator oder Rollstuhl, den Wunsch zum Halten einfach auslösen könnten. Bei manchen Fahrzeugtypen werde zusätzlich im Display angezeigt, wenn ein Rollstuhl mitfahre. Grundsätzlich könne diesen Knopf jeder Fahrgast betätigen. Fahrerinnen und Fahrer sollten die Person daraufhin im Auge behalten und gegebenenfalls unterstützen - dies sei jedoch nur möglich, wenn die Fahrgäste sich bemerkbar machten.

KVG spricht von einer sorgfältigen Schulung

Anna-Farina Taach: "Unsere Fahrerinnen und Fahrer werden im Hinblick auf Barrierefreiheit, sichere Türnutzung und Haltestellenzugänglichkeit sorgfältig geschult. Neue Kolleginnen und Kollegen erhalten Einweisungen von erfahrenen Lehrfahrern, bei denen alle Linien und die speziellen Haltestellen besprochen und befahren werden. Dabei werden auch Faktoren wie Fahrwerkshöhe, Bordsteinabstand, Sperrgitter oder Bäume berücksichtigt."

In Stade erhielten Fahrgäste mit Mobilitätseinschränkungen außerdem zweimal im Jahr die Gelegenheit, in Ruhe unter fachkundiger Anleitung den sicheren Ein- und Ausstieg zu üben - ein vergleichbares Angebot für den Bereich Cuxhaven wäre sicherlich sinnvoll, so die KVG-Sprecherin. 

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Bild von Maren Reese-Winne
Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
In der Stadtbibliothek

Bewegende Lesung von Tim Pröse in Cuxhaven: Geschichten von Überleben, Mut, Hoffnung

Die Zuhörer erlebten bei der Lesung von Tim Pröse in der Stadt Bibliothek in Cuxhaven eine bewegende Reise in die Vergangenheit, die die Kraft der Menschlichkeit in ihren verletzlichsten Momenten zeigt.

Jugendbegegnung 

Cuxhavener Schülerinnen waren mit dabei: Deutschland und Polen Seite an Seite

von Redaktion

Für eine kleine Gruppe von Zwölftklässlerinnen des Lichtenberg-Gymnasiums und die Lehrkräfte Anke Seifert und Frank Hohmeister ging es kürzlich mit dem Zug Richtung Brandenburg, wo sie sich mit Jugendlchen ihrer Parterschule in Jaslo trafen.

Zum runden Geburtstag

Mehr als ein Lesewettbewerb: Was der Cuxhavener Julius-Club 2026 alles bietet

von Jens Potschka

Der Julius-Club feiert sein 20. Jubiläum in Cuxhaven und lädt Schüler zum kostenlosen Sommerabenteuer ein. Neben spannenden Büchern gibt es Workshops und eine Überraschung: Eigene Audioprojekte warten darauf, entdeckt zu werden.

Ergebnis der Prüfung steht fest

Kein Denkmalstatus für die Alte Liebe in Cuxhaven: Dämpfer für Petitions-Initiative

von Christian Mangels

Nach einer Ortsbesichtigung hat das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege entschieden, die Alte Liebe nicht als Denkmal anzuerkennen. Für die Initiatoren der Petition "Oberdeck der Alten Liebe erhalten" bedeutet dies einen deutlichen Dämpfer.