Sie kommen aus drei afrikanischen Ländern, Nepal, China, der Dominikanischen Republik, Haiti und der Ukraine: 19 Absolventinnen und Absolventen des 7-Level-Integrationsprogramms bekamen jetzt ihre Zertifikate überreicht; fünf von ihnen mit Auszeichnung (Premium). Foto: Reese-Winne
Sie kommen aus drei afrikanischen Ländern, Nepal, China, der Dominikanischen Republik, Haiti und der Ukraine: 19 Absolventinnen und Absolventen des 7-Level-Integrationsprogramms bekamen jetzt ihre Zertifikate überreicht; fünf von ihnen mit Auszeichnung (Premium). Foto: Reese-Winne
Nachbarschaft statt Anonymität

Einzigartiges Integrationsprogramm in Cuxhaven: "Ihr seid Vorbilder für Deutschland"

von Maren Reese-Winne | 09.12.2024

Eine Entdeckungsreise sollte es werden - eine, die Migranten zu Nachbarn machen, Talente und Stärken hervorbringen sollte. Jetzt wurden im Begegnungszentrum "Tante Emma" erstmals Zertifikate für das Programm "7-Level Integration" vergeben.

Bodo Mayerhof, 1. Vorsitzender des Christlichen Sozialwerks Cuxhaven, erinnerte bei der Feier mit Gästen aus Verwaltung und Wirtschaft, unter ihnen Oberbürgermeister Uwe Santjer, Anne Gryczan (Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe, Landkreis Cuxhaven) und Anna-Christina Riebau von der IHK Elbe-Weser, an den Ursprung: den Zeitpunkt, an dem am Runden Tisch Integration bei "Tante Emma" immer mehr Afrikaner aus ganz unterschiedlichen Ursprungsländern sowie Geflüchtete aus der Ukraine zusammentrafen, die ein Ziel einte: Wirklich anzukommen in Deutschland.

Ehrenamtliche Arbeit schweißt zusammen

Zusammen mit Gemeinwesenarbeiter Jason Frost und den Gästen selbst entstand die Idee für das Seven-Level-Programm. Es sollte - über staatliche Stellen hinaus - helfen, sich schneller in Deutschland zu integrieren, die Sprache zu lernen und fit für den Arbeitsmarkt zu werden. Mit einem streng gefassten Rahmen, denn die Teilnehmenden entschieden sich unter anderem, regelmäßig - unterstützt durch die App "Duolingo" - Deutsch zu pauken, Wissen zu deutscher Kultur und Staatsform aufzubauen und ehrenamtliche Arbeit zu leisten - "dabei sind über 400 Stunden pro Person zusammengekommen", betonte Bodo Mayerhof.

Weihnachtsdeko im Lotsenviertel montiert

So übernahmen die "Studenten" unter anderem 2023 und 2024 das Schmücken des Lotsenviertels für Weihnachten oder beteiligten sich mit einer Gruppe von 15 Personen am Tag der sauberen Stadt. Als Dank kamen Einladungen aus der Nachbarschaft und es entstand das, was beabsichtigt war: Anonymität wandelte sich zu Nachbarschaft, Vorurteile wurden gegenstandslos.

"Danke für die Chance"

Parallel wurden Verbindungen in die lokale Wirtschaft aufgebaut. Die von den Teilnehmern in einem Video formulierte Botschaft "Danke für die Chance" richtete Bodo Mayerhof auch an die Stadt, die Stadtsparkasse Cuxhaven sowie alle anderen, die ihnen die Türen geöffnet hätten: "Wir sind so dankbar, dass wir das hier in Cuxhaven machen konnten." Mit gefördert wurde das Programm auch durch die Deutsche Postcode-Lotterie.

Die Zertifikate könnten nun zu Türöffnern bei der Bewerbung werden, denn die Teilnehmenden hätten Fleiß, Motivation und Mut bewiesen. "Eine Voraussetzung, um in der Nachbarschaft klarzukommen", ergänzte Jason Frost. "Unsere Teilnehmer gehen raus, treffen echte Menschen und nehmen an Projekten, zum Beispiel im Haus der Jugend, teil. All das müssten sie nicht machen, alles geschieht freiwillig. Sie sind Herz und Seele des Programms."

Chance auf ein gutes Miteinander ergriffen

Die Akzeptanz hätten sie als große Bestärkung empfunden, so die Absolventen. Der Oberbürgermeister habe sich mit ihnen stets auf Augenhöhe unterhalten: "Wir fühlten uns so einig in dem Moment." Uwe Santjer, der die Zertifikate überreichte, würdigte die Zertifikatsempfänger als "Vorbild für Deutschland", sie hätten ihre Chance auf ein gutes Miteinander ergriffen.

"Nebenbei gesagt haben wir daran mitgewirkt, dass dem Staat mit diesem Programm schätzungsweise um die 120 000 Euro an Kosten erspart geblieben sind", so Bodo Mayerhof, denn über 60 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer hätten bereits einen Job bekommen.

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Maren Reese-Winne

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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