Der Buckelwal wurde in seiner Barge vom Schlepper "Fortuna B" entlang der dänischen Küste in Höhe unterhalb von Skagen, im sogenannten Skagerrak, durch die Ostsee gezogen (Luftaufnahme aus einem Flugzeug). Foto: Christoph Reichwein
Der Buckelwal wurde in seiner Barge vom Schlepper "Fortuna B" entlang der dänischen Küste in Höhe unterhalb von Skagen, im sogenannten Skagerrak, durch die Ostsee gezogen (Luftaufnahme aus einem Flugzeug). Foto: Christoph Reichwein
Nach dem Einsatz

"Fortuna B"-Geheimfahrt vor Cuxhaven: Was hinter dem abgeschalteten Tracking steckt

von Bengta Brettschneider | 05.05.2026

Die "Fortuna B" brachte Buckelwal "Timmy" in die Nordsee und lief dann unter Polizeibegleitung in Cuxhaven ein, das Ortungssystem des Schleppers war abgeschaltet. Inzwischen sind die Hintergründe etwas klarer - während es Vermutungen zum Tier gibt.

Am späten Sonntagabend (3. Mai 2026) erreichte der Schlepper "Fortuna B" den Hafen von Cuxhaven. Zuvor war das Tracking-System abgeschaltet worden, wie CNV-Medien berichtete. Somit gab es keine öffentlich sichtbaren Positionsdaten und die Wasserschutzpolizei begleitete den Schlepper.

Auf Nachfrage der CN/NEZ-Redaktion teilte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe-Nordsee (WSA) jetzt mit, dass das automatische Identifikationssystem (AIS) zuvor aus Sicherheitsgründen deaktiviert worden war. Die Maßnahme erfolgte in Abstimmung mit der Verkehrszentrale Cuxhaven.

"Grundsätzlich sind Schiffe verpflichtet, das AIS zu betreiben. In diesem Fall ist jedoch eine Ausnahme zugelassen worden", bestätigt Kai Ewers, Pressesprecher des WSA. Gründe für Maßnahmen an Land oder die Wahl des Zielhafens konnte die Behörde nicht nennen. Sie erklärte, dass sie dafür nicht zuständig sei.

Die "Fortuna B" liegt im Hafen von Cuxhaven: Die Ankunft unter Polizeischutz und abgeschaltetem Ortungssystem sorgt für Spekulationen. Foto: Brettschneider

Polizeieinsatz im Hafenbereich

Auch an Land wurde die Ankunft des Schleppers vorbereitet. Wie Stephan Hertz, Pressesprecher der Polizeiinspektion Cuxhaven, gegenüber cnv-medien.de bestätigte, waren zwischenzeitlich rund ein Dutzend Einsatzkräfte im Hafen im Einsatz. Die Polizei mache grundsätzlich aus einsatztaktischen Gründen keine Angaben zur Anzahl von eingesetzten Kräften. Da in diesem Fall jedoch mehrere Presseteams vor Ort gewesen waren, die augenscheinlich die Einsatzkräfte schlicht gezählt hatten und damit auch entsprechende Zahlen veröffentlicht worden waren, machte er eine Ausnahme.

Hintergrund des Einsatzes waren Hinweise der Schiffsbesatzung sowie Störaufrufe in sozialen Netzwerken. Die Polizei sicherte den Bereich vorsorglich ab. Vor Ort blieb die Lage jedoch ruhig. Verstöße wurden nicht festgestellt. Die Zahl der Einsatzkräfte wurde im Verlauf des Einsatzes reduziert. Gegen 1.45 Uhr endete der Einsatz der Polizeiinspektion Cuxhaven.

Der Wal Timmy war bei Wismar gestrandet. Eine private Initiative hatte dann veranlasst, ihn in die Nordsee zu bringen. Was dort in den vergangenen Tagen wirklich geschah, bleibt ungewiss. Foto: Philip Dulian

Zweifel am Ausgang der Rettungsaktion

Unklar ist nicht nur der Ablauf im Hafen - auch das Schicksal des geretteten Wals bleibt offen. Nach Angaben des Deutschen Meeresmuseums gibt es seit Sonnabend (2. Mai), 9.24 Uhr, keine unabhängig bestätigten Sichtungen von "Timmy" mehr. Die bislang letzte dokumentierte Beobachtung erfolgte per Drohne im offenen Meer.

Aufgrund des stark geschwächten Zustands des Tieres gehen Fachleute mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass der Buckelwal nicht mehr genügend Kraft hatte, um dauerhaft im tiefen Wasser zu überleben und bereits tot ist.

Für die wissenschaftliche Aufarbeitung fordert das Museum zudem mehr Transparenz. Notwendig seien unter anderem genaue Angaben zum eingesetzten Tracker, zur Befestigung am Tier sowie vollständige Rohdaten und ein Zugriff auf die Übertragung durch unabhängige Stellen.

Zuständigkeiten und offene Fragen

Weitere Details zum Einsatz auf See liegen bei anderen Behörden. Die Wasserschutzpolizei war ebenfalls eingebunden, machte bisher aber keine Angaben zur Dauer ihres Einsatzes.

Warum die "Fortuna B" Cuxhaven ansteuerte und nicht ihren Heimathafen Wilhelmshaven, ist weiterhin unklar. Auch zur konkreten Gefährdungslage, die zu den Sicherheitsmaßnahmen führte, äußerten sich die beteiligten Stellen nicht.

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Bengta Brettschneider

Volontärin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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