Die "Funny Girl" nach der Havarie vor Helgoland: Ein Schlepper bringt das manövrierunfähige Schiff sicher in den Hafen von Cuxhaven. Foto: Reese-Winne
Die "Funny Girl" nach der Havarie vor Helgoland: Ein Schlepper bringt das manövrierunfähige Schiff sicher in den Hafen von Cuxhaven. Foto: Reese-Winne
Untersuchungen laufen

Havarie vor Helgoland: Reederei nennt erste Ursache für Ausfall der "Funny Girl"

von Christian Mangels | 15.06.2026

Zwei Tage nach der Havarie der "Funny Girl" vor Helgoland laufen die technischen Untersuchungen auf Hochtouren. Inzwischen steht fest, wie die Reederei Adler & Eils den Verkehr zwischen Büsum und Helgoland in den kommenden Tagen organisiert.

Nach Angaben der Reederei deutet aktuell vieles auf eine Störung im elektronischen System des Schiffes hin. "Die Reederei geht derzeit von einer technischen Störung im elektronischen System der 'Funny Girl‘ aus, die zum Ausfall der Hauptmaschinen geführt hat", erklärte Unternehmenssprecherin Corina Habben auf CN/NEZ-Anfrage. Die genaue Ursache werde jedoch weiterhin untersucht.

Das Schiff liegt derzeit in Cuxhaven und wird dort umfassend überprüft. "Dabei werden alle betroffenen Systeme und Bauteile untersucht", so Habben. Einen Termin für die Rückkehr in den regulären Fahrbetrieb könne die Reederei noch nicht nennen. Ziel sei es jedoch, die Arbeiten "so schnell wie möglich unter Einhaltung aller Sicherheitsanforderungen" abzuschließen.

Die "Funny Girl" wird nach ihrer Havarie von Schleppern sicher in den Hafen von Cuxhaven gebracht. Foto: Reese-Winne

Auf dem Weg nach Helgoland manövrierunfähig geworden

Die "Funny Girl" war am Sonnabend (13. Juni) auf dem Weg von Büsum nach Helgoland, rund vier Seemeilen östlich der Insel, manövrierunfähig geworden. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) koordinierte daraufhin gemeinsam mit weiteren Einsatzkräften die Sicherung des Schiffes.

Die Wetterbedingungen erschwerten die Rettungsaktion erheblich. "Tatsächlich hatten wir sehr herausfordernde Bedingungen für eine Schleppfahrt mit einem Schleppanhang dieser Größe", sagte DGzRS-Sprecher Christian Stipeldey. Die "Funny Girl" sei mit ihren 68 Metern Länge ein vergleichsweise großes Schiff. Hinzugekommen seien Windstärken bis sieben Beaufort, Windgeschwindigkeiten von 50 bis 60 Kilometern pro Stunde, bis zu drei Meter hohe Wellen sowie die ungünstige Konstellation von Wind gegen Strom.

Zunächst nahm der Seenotrettungskreuzer "Hermann Marwede" die Fähre auf den Haken, um sie zu sichern. Später übernahm der Bergungsschlepper "Nordic" den Schleppverband, bevor das Schiff am Abend von den Cuxhavener Schleppern "Wulf IV" und "Wulf V" bis in den Amerikahafen gebracht wurde. Dort traf die "Funny Girl" nach mehr als zwölf Stunden auf See gegen 22.30 Uhr ein.

Nach Angaben der DGzRS befand sich unter den Menschen an Bord auch eine chronisch kranke Passagierin, für die vorsorglich medizinische Hilfe bereitstand. "Vorsichtshalber hatten wir einen Rettungswagen zum Anleger geschickt", berichtete Stipeldey. Letztlich musste nach Angaben der Feuerwehr jedoch niemand medizinisch behandelt werden.

54 Fahrgäste und zwölf Besatzungsmitglieder betroffen

Von der Havarie betroffen waren insgesamt 54 Fahrgäste und zwölf Besatzungsmitglieder. Die Reederei organisierte nach der Ankunft in Cuxhaven umfangreiche Betreuungsmaßnahmen. "Die Fahrgäste wurden nach Ankunft in Cuxhaven betreut, teils bei der Weiterreise unterstützt oder in Hotels untergebracht", teilte Sprecherin Habben mit. Für Reisende, die erst am Folgetag weiterfahren konnten, habe die Reederei zusätzlich Tischplatzreservierungen und ein Frühstück an Bord bereitgestellt.

Inzwischen steht auch die Übergangslösung für den Linienverkehr fest. Vom 16. bis 19. Juni 2026 übernimmt der Katamaran "Nordlicht" die Verbindung zwischen Büsum und Helgoland. Fahrgäste, die ursprünglich ab Cuxhaven reisen wollten, werden laut Reederei über Alternativen mit der "Helgoland" oder über andere Reisetermine informiert.

Seenotrettung vor Helgoland: Die "Funny Girl" wird nach einer Havarie von Rettungsschiffen gesichert und nach Cuxhaven geschleppt. Die technischen Untersuchungen laufen derzeit auf Hochtouren. Foto: Reese-Winne

Ob betroffene Passagiere über die Ticketerstattung hinaus weitere Entschädigungen erhalten, ist derzeit offen. "Zu möglichen Kulanzleistungen oder Entschädigungen prüft die Reederei die Fälle individuell", erklärte Habben gegenüber cnv-medien.de. Auch eventuelle Beschwerden oder Forderungen würden im direkten Austausch mit den Fahrgästen bearbeitet.

Einen Zusammenhang mit einer früheren Havarie der "Funny Girl", die vor knapp zwei Jahren für Schlagzeilen gesorgt hatte, sieht die Reederei nach aktuellem Stand nicht. Auf die entsprechende Frage antwortete Habben knapp: "Nein, hier besteht kein Zusammenhang."

Wann die "Funny Girl" wieder Kurs auf Helgoland nehmen kann, bleibt damit vorerst offen. Fest steht lediglich: Erst nach Abschluss der technischen Untersuchungen und aller erforderlichen Reparaturen wird das Seebäderschiff in den regulären Fahrplan zurückkehren.

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