Hilfe aus Cuxhaven: Wie für Frauen in Burkina Faso aus Wunschträumen Realität wird
Was für die Cuxhavenerin Kathrin Seyfahrt eine "ganz normale Projektreise" ist, wäre für die meisten anderen eine Herausforderung, vor der sie kapitulieren würden. Bei 45 Grad schaute sie sich jetzt in ihren Projekten in Burkina Faso um.
Armut, fehlender Komfort, fremde Bräuche in einem Land, von dem viele noch nie etwas gehört haben: Burkina Faso liegt mitten in Westafrika und ist nach wie vor zu rund 60 Prozent von Terrorgruppen besetzt. Und dennoch strahlen die Menschen Zuversicht, Fröhlichkeit und Gestaltungswillen aus - für Kathrin Seyfahrt, Gründerin des Vereins "Wunschträume - Netzwerk für Frauen- und Mädchenprojekte" die Bestätigung, dass sie sich weiter auf dem richtigen Weg befindet - inzwischen seit vielen Jahren mit großer Unterstützung aus ihrer Wunschheimat Cuxhaven.
Garten der Hoffnung "wie ein Paradies"
Auch auf dieser Reise konnte sie auf die Ergebnisse von Projekten blicken, die noch vor wenigen Jahren bloße Wunschträume waren: Der Garten der Hoffnung: "Wie ein Besuch im Paradies." Wo sich vor wenigen Jahren noch eine Steinwüste befand, stehen heute sattgrüne und ertragreiche Mangobäume, auch die Ernte bei Bohnen und Erdnüssen sei sehr erfreulich gewesen.

Gut ein Jahr nach der ersten Idee weiß sie außerdem ihr Webstuhl-Projekt in trockenen Tüchern. 16 Webstühle sind inzwischen mit überall leicht verfügbaren Materialien nach dem Bauplan einer Hamburger Weberei gebaut worden. Nach zwei vorhergehenden Lehrgängen mit einem Berliner Weber wollte Andreas Möller, Erfinder der Flying-8-Webstühle, selbst das Abschlusstraining leiten.
Frauen können nun eigenes Geschäft aufbauen
"Acht Frauen sind jetzt so ausgestattet, dass sie andere ausbilden können", freut sich Kathrin Seyfahrt. Sie freut sich besonders über eine Geste des Hamburgers bei der Übergabe der Zertifikate: Aus den von den Frauen gewebten Stoffen ließ er bei einem ortsansässigen Schneider heimlich Taschen nähen, die er ihnen zum Abschied übergab.

Eine unheimliche Hartnäckigkeit bei den Frauen hat sie nicht nur in diesem Projekt ausgemacht: "Das ist Afrika." Die Webrinnen befänden sich auf dem besten Weg zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit, zumal auf Weisung des Präsidenten zunehmend Produkte und Rohstoffe aus dem eigenen Land zur Verwendung kommen müssen. Erfreulicherweise habe sich ein erfahrener einheimischer Weber bereit erklärt, die Frauen weiter anzuleiten. Für den Verein ist somit auch ein finanziellet Brocken geschafft. Der Nachschub an Garnen und Materialien soll weiter gesichert werden.
Aufbauhilfe für kleine Ziegen-Zucht
Die nächste Projektidee ließ nicht lange auf sich warten: Nach wie vor ist für Deutsche die Fahrt zu den Dörfern im Norden zu gefährlich; dafür kamen ihr die Bewohnerinnen entgegen: Elf Frauen aus drei Dörfern möchten sich mit der roten Niger-Ziege eine kleine Viehzucht aufbauen. Die Ziegen versprechen gute Erträge an Milch und Fleisch und sollen zweimal im Jahr jeweils fünf bis sechs Junge zur Welt bringen.
Für den Start soll jede Frau drei Ziegen - immer zwei Weibchen und ein Männchen - erhalten. Stückpreis: 92 Euro. Kathrin Seyfahrt ist zuversichtlich, das zu schaffen: "Wir wollen Frauenprojekte unterstützen und das ist ein gutes Grundkapital."

Da Schulferien waren, waren die Schul- und Kindergartenkinder zu Hause, aber trotzdem gab es etwas Neues im Wend-Raabo-Schulkomplex zu entdecken: einen Supermarkt, wie die Afrika-Kennerin ihn in Burkina Faso noch nicht gesehen hat: "Klein-Edeka", schmunzelt sie. Daneben hat ein ehemaliger Schüler einen kleinen Handyladen eröffnet.
Zweimal in der Woche öffnet das 2018 gegründete gynäkologische Zentrum, in dem Mädchen und Frauen nach Gewalterlebnissen oder bei Fragen zur Familienplanung Rat erhalten oder eine Krebsvorsorge in Anspruch nehmen können.
Konzerte im Swimming-Pool
Die Fahrt bot auch Gelegenheit zum Austausch mit ihren Projektleiterinnen und Projektleitern sowie weiteren Deutschen im Lande wie Maria Behrens, die in der Hauptstadt Ouagadougou die Musikschule A.M.E.M. betreibt. Ein Umzug inspirierte sie zu einem ganz neuen Angebot: In dem zum neuen Gebäude gehörenden leeren Swimmingpool werden nun Konzerte gegeben - fast wie beim Bundesjugendballett in der Sole-Therme in Otterndorf.

Das Cuxhavener Publikum wird bald in den Genuss eines Kooperationsprojektes kommen können: Unter dem Motto "Musik kennt keine Grenzen" werden Kinder aus Cuxhaven und Burkina Faso am Donnerstag, 10. September, um 17 Uhr in der Stadtbibliothek für den guten Zweck musizieren. Zu einem Video aus Burkina Faso wird der Unterstufenchor des Amandus-Abendroth-Gymnasiums, die Sunset Chords Junior, live singen. Chorleiterin Miriam Läpple ist Burkina Faso eng verbunden. Schirmherr des Konzerts ist Mathias Christian Kosel, Gründer des Mare-Musikfestivals Cuxhaven. Spenden kommen der Musikförderung in Burkina Faso zu.
Segelschiff-Versteigerung für Brunnenbau
Eine Woche zuvor, am Donnerstag, 3. September, wird in der Stadtbibliothek um 18 Uhr die Ausstellung "Menschen in Burkina Faso" eröffnet. Dabei werden drei Segelschiff-Modelle zugunsten des Brunnenbaus in dem westafrikanischen Land versteigert. Schirmherr ist Udo Brozio, Leiter des Shanty-Chors Cuxhaven. Im Mittelpunkt stehen diesmal Fotos, die Mitreisende im Laufe der Jahre gemacht haben: Hanne Sommer, Marion Schossig und Walter Korn. Beide Veranstaltungen finden im Rahmen der Interkulturellen Woche statt und werden durch das Bundesprogramm "Demokratie leben!" gefördert.
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