Öffentlichkeitsarbeit der Stadt mit Gerd Klemusch und Marcel Kolbenstetter beim Katastrophenschutztag 2023: Als nächstes werden die Fachkräfte beim Neujahrsempfang in der Kugelbake-Halle informieren. Foto: Reese-Winne
Öffentlichkeitsarbeit der Stadt mit Gerd Klemusch und Marcel Kolbenstetter beim Katastrophenschutztag 2023: Als nächstes werden die Fachkräfte beim Neujahrsempfang in der Kugelbake-Halle informieren. Foto: Reese-Winne
Gut gerüstet für ein paar Tage

Katastrophenschutz in Cuxhaven: So sind Sie gut gerüstet

von Maren Reese-Winne | 20.12.2023

600 Haushalte in Cuxhaven saßen kürzlich im Dunklen, als fast einen Tag lang der Strom ausfiel - ein Vorgeschmack auf das, was passieren könnte, wenn ein flächendeckender Blackout die Stadt Cuxhaven treffen würde. Die Katastrophe wäre da. Was tun?

Als Katastrophe wurde der Stromausfall zwar nicht eingestuft, aber alles geschah mitten in den Vorbereitungen der Stadtverwaltung für einen neuen Katastrophenschutzplan.

Durch die Ergänzung des Niedersächsischen Katastrophenschutzgesetzes um den Abschnitt "zivile Verteidigung" kommen riesige Aufgaben auf alle niedersächsischen Kommunen zu (wir berichteten).  Der Katastrophenschutz erhält eine neue Dimension, mit der erhöhten Gefahren aus der Natur, aber auch durch kriegerische Handlungen, Manipulation und Cyber-Angriffe begegnet werden soll.

Tragweite führt sich vorher niemand vor Augen

Berater Jürgen Kettler (Dozent im Bereich Katastrophenschutz und zivile Verteidigung) hinterließ kürzlich im Ausschuss für Feuerwehr, Katastrophenschutz, Sicherheit und Ordnung die Mitglieder tief beeindruckt und auch ein bisschen überwältigt. Vor allem, was die Tragweite eines Blackouts anging: Dass sich dabei - beispielsweise - auch ein gewaltiges Problem in der Landwirtschaft einstellen könnte, ist ein Problem, dass bei den meisten Menschen in ihren Alltagsgedanken nicht vorkommt. Kettler berichtete über ausgeklügelte Pläne für den Fall des Massensterbens von Nutztieren, Nottötungen und Entsorgung der Tiere, was in dieser Region in die Regie des Landkreises fiele.

Schutzbedürftige Objekte identifizieren

Während die Stadt bei Kommunikation, Trinkwasserversorgung und dem Sirenennetz schon weit vorn ist, muss sie sich als nächstes einer Objekterfassungsrichtlinie widmen (schutzbedürftige Objekte identifizieren und einstufen) sowie die Sicherstellung der Kraftstoffnotversorgung vollenden. Nachschub für die Einsatzfahrzeuge würde im Ernstfall alle 76 Stunden aus zentralen Tanklagern herangefahren. Für die Zivilbevölkerung sind die Vorräte nicht vorgesehen.

Öffentlichkeitsarbeit wichtiger Bestandteil des Konzepts

Kein Konzept ohne Information der Bevölkerung - dieser Punkt gehört sogar mit zu den zentralen Forderungen. Die Bevölkerung soll nicht nur über die elementarsten Fragen Bescheid wissen, sondern ein Bewusstsein entwickeln, um  ein paar Tage selbst über die Runden zu kommen.

Ohne Campingkocher kein heißes Wasser

Der Katastrophenschutztag, zuletzt im September, ist ein wesentlicher Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit. Viele Informationen will die Stadt darüber hinaus online bereitstellen, aber es steht auch ein Flyer kurz vor der Vollendung. Er enthält Informationen über Notrufnummern, Sirenensignale und die Warn-App "Biwapp" sowie Empfehlungen für den Notfall-Vorrat zu Hause: Essen und Trinken, Hygieneprodukte, Medikamente, Ersatzbatterien oder -Akkus; erst recht für medizinische Geräte. Auf Campingkochern, die mit Gaskartuschen oder Spiritus betrieben werden, können Wasser und Speisen erhitzt werden.

"Die Behörde kann nicht alles allein regeln. Wir kommen nicht mit Essenpaketen an die Tür", so SPD-Ratsherr Michael Stobbe, selbst Feuerwehrmann.

Empfohlen wird auch, eine Notfallmappe mit Kopien der Ausweispapiere und wichtiger Dokumente anzulegen, deren Originale oft in einem Banksafe am besten aufgehoben sind: Das können Familienurkunden, Bankunterlagen, Verträge, Versicherungspolicen, Steuer- und Rentenbescheinigungen, Patientenverfügungen, Vollmachten und Ähnliches sein.

Gegenseitige Unterstützung verabreden

Angebracht sei es außerdem, sich beizeiten mit Nachbarn und Familie darüber auszutauschen, wie sie sich in Ausnahmesituationen gegenseitig unterstützen können.

Die eigene Solarstromanlage auf dem Dach ist übrigens kein Garant dafür, dass der eigene Strom weiter fließt. Dafür brauche es sogenannte Insellösungen, die über die auch die meisten Anlagen auf öffentlichen Gebäuden nicht verfügten, hieß es auf die Frage des Ausschussmitglieds Thorsten Larschow (Die Grünen). Selbst abzuschalten  bräuchten Verbraucher ihre Anlage nicht: "Es wird dunkel", so die lakonische Voraussage des Experten.

Beim Katastrophenschutztag im September konnten sich Interessierte ein Beispiel-Vorratsregal anschauen. Inzwischen gibt es auch Komplettpakete im Netz zu kaufen.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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