NPorts hat nachgebessert: Der Entwurf für eine neue "Alte Liebe" sieht eine zweite Ebene vor, die begangen werden kann und andererseits als Wetterschutz dient. Die Kosten für eine Sanierung erhöhen sich dadurch um circa 500.000 Euro. Grafik: Joost Phillips Tepe GbR
NPorts hat nachgebessert: Der Entwurf für eine neue "Alte Liebe" sieht eine zweite Ebene vor, die begangen werden kann und andererseits als Wetterschutz dient. Die Kosten für eine Sanierung erhöhen sich dadurch um circa 500.000 Euro. Grafik: Joost Phillips Tepe GbR
Neuer Entwurf

Sanierung der Alten Liebe: NPorts plant jetzt mit zweiter Ebene

von Kai Koppe | 27.02.2026

Eine Debatte um Cuxhavens "Sehnsuchtsort" Alte Liebe endete am Donnerstag wesentlich leiser, als sie begonnen hatte.

In Erwartung großen öffentlichen Interesses hatte die Stadt die Ratssitzung in die Kugelbakehalle verlegt. Tatsächlich waren die Sitzreihen am Donnerstag in weiten Teilen belegt. Foto: Koppe

In der Ratssitzung stellte der Hafenbetreiber Niedersachsen Ports (NPorts) einen überarbeiteten Plan für die Sanierung der Aussichtsplattform vor und nahm den Zündstoff aus einem Konflikt, der in der Öffentlichkeit gut 14 Tage lang für Aufruhr gesorgt hatte.

Mit einem überarbeiteten Entwurf hat NPorts den Kritikern beim Sitzungstermin den Wind aus den Segeln genommen. Grafiken, die in der zum Ratssaal umfunktionierten Kugelbakehalle projiziert wurden, zeigen das künftige Bauwerk mit einem Wetterschutz. Dessen Bauweise ist so stabil ausgeführt, dass das mit der ikonischen Holzbalustrade versehene "Dach" über eine Treppe erklommen und als Aussichtsplattform genutzt werden kann.

Faktisch handelt es sich dabei um eine zweite Ebene, die in bisherigen Plänen so sehr vermisst worden war: Ein Ursprungsentwurf hatte vorgesehen, das sanierungsbedürftige Ausflugsziel eingeschossig wiederaufzubauen. Das Oberdeck, von dem aus Urlauber wie Einheimische über Generationen hinweg auf die Elbe geblickt hatten, wäre damit Geschichte gewesen. Rund 9.500 Menschen protestierten daraufhin mit einer Petition, verstiegen sich in Einzelfällen aber offenbar auch in wüste Beschimpfungen. Es geht für sie um ein Stück Stadtidentität.

Zuschriften: "Zehn Prozent unter der Gürtellinie"

"Wir haben sehr viele Zuschriften in den letzten zwei Wochen bekommen", räumte NPorts-Niederlassungsleiter Knut Kokkelink in der Ratssitzung ein. Etwa zehn Prozent dieser Briefe, Mails oder Kommentare seien "unter der Gürtellinie" gewesen. Sachliche Kritik oder den Wunsch nach einem Wetterschutz habe man jedoch aufgenommen. "Wir haben mit einem Statiker diskutiert: Was geht und was geht nicht?", berichtete Kokkelink und sprach dabei einen zentralen Punkt an, nämlich das auf der Pfahlgründung des Bauwerks lagernde Gewicht.

Ein Knackpunkt ist dabei, dass NPorts die aufliegende Betonplatte - im Gegensatz zu den intakten Pfählen ist sie vom Salzwasser zerstört worden - im Zuge der Sanierung massiver ausführen wird. Mehr als einen Meter möchte man an Höhe gewinnen - hauptsächlich, um zu verhindern, dass die Hauptebene des Bauwerks mehrmals jährlich von Sturmfluten überspült wird. Der Preis dafür sind schwindende Reserven hinsichtlich des Gesamtgewichts: Ein Oberdeck in der heutigen Form wäre schlicht und ergreifend zu schwer. Im grünen Bereich (so die Nachricht von Donnerstagabend) liegt jedoch eine den Dimensionen nach abgespeckte Lösung: ein kleineres Oberdeck, das nach den Worten des Niederlassungsleiters 24 mal 4 Meter messen könnte.

 Zu denjenigen, die den Vorschlag ausdrücklich lobten, gehörte auch die Ratsgruppe CDU/Demokraten. Deren Vorsitzender Thiemo Röhler warf dem Oberbürgermeister allerdings vor, durch  mangelnde Kommunikation zu beigetragen zu haben, "dass Menschen auf die Barrikaden gehen". Röhler ging es dabei um eine Positionierung der Stadt gegenüber NPorts.

In der Halle blieben die Kritiker stumm

Als Geschäftsführer der dem Land unterstehenden Hafen GmbH wandte sich Holger Banik in einer Fragerunde an die zahlreich vertretenen Zuhörer in der Halle: "Wirtschaftlich ist das nicht", stellte er in Bezug auf dieSanierungslösung, klar. Deren Kosten werden durch das nun in die Planungen integrierte Extra von fünf auf 5,5 Millionen Euro steigen würden. Da man mit dem Betrieb der Alten Liebe nichts einnehme, sei die aktuell vorgestellte Lösung im Grunde "ein Give-away" für Cuxhaven. Gelder dafür könne man nur akquirieren, indem man an anderer Stelle (etwa bei Straßenausbesserungsarbeiten im Hafen) spare.

Gleichwohl zeigte sich Banik aufgeschlossen gegenüber Wünschen aus den Zuhörerreihen. Ein Windschutz und die Installation von Lautsprechern, wie sie der Schiffsansagedienst gerne in Betrieb nehmen würde, werden bei den Erneuerungsarbeiten wohl auch noch zu realisieren sein. Mehr wurde von Bürgerseite zum Thema Alte Liebe nicht vorgebracht. "Frau Antons, Sie können sich auch glücklich schätzen, dass das Bauwerk nun einen Wetterschutz und eine Empore erhält", sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende Günter Wichert in Richtung der mutmaßlich im Saal sitzenden Initiatorin der Alte Liebe-Petition.

Rat stützt den Kurs von NPorts

Die Genannte äußerte tags darauf, die im Rat vorgestellten Details "in Ruhe und mit der gebotenen Sorgfalt für uns prüfen" zu wollen. Für den Rat war allerdings schon am Donnerstag quer durch alle Fraktionen klar, den von NPorts aufgezeigten Weg unterstützen zu wollen.

"Das ist ein großer Gewinn für Cuxhaven", kommentierte OB Uwe Santjer im Anschluss an die Sitzung die jüngste Entwicklung. Santjer würdigte dabei die emotionale Bedeutung der Alten Liebe für viele Cuxhavener. Keine Selbstverständlichkeit ist es aus seiner Sicht, dass NPorts die aktuelle Lösung in Gänze eigenständig finanzierrt.

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Kai Koppe

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

kkoppe@no-spamcuxonline.de

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