Sturmgeschütz in Nordholz gefunden: Was über die Kriegswaffe bekannt ist (mit Fotos)
Ein überraschender Fund aus dem Zweiten Weltkrieg: Das Sturmgeschütz Stug III, tief im Boden in Nordholz (Kreis Cuxhaven) verborgen, wirft Fragen zur historischen Bedeutung und seinem Zustand auf. Alle Infos mit Video und vielen Fotos.
Das letzte Aufgebot wurde kurz vor Kriegsende herangezogen, um am Nordholzer Flugplatz einen tiefen Panzerabwehrgraben zu errichten. Genau darin befand sich das Nordholzer Sturmgeschütz. Vor der Bergung mussten Munitionsfunde gesprengt werden.
Von dem zur Festung erklärten Cuxhaven aus werden eilig die letzten deutschen Truppenteile nach Schleswig-Holstein übergesetzt, vor den Toren des Elbe-Weser-Dreiecks stehen bereits die britischen Truppen. Obwohl sich Adolf Hitler in Berlin schon das Leben genommen hat, ist noch nicht klar, ob es noch zu einem letzten Gefecht kommen wird: In dieser Situation mögen Anfang Mai 1945 verbliebene Wehrmachts-Sturmgeschütze in Nordholz positioniert worden sein.
Ob sie da überhaupt noch funktionstüchtig waren - man weiß es nicht. Das jetzt in Nordholz geborgene Stug III gibt einige Rätsel auf: So müssen ganz kurz vor der Kapitulation noch dessen Laufrollen ausgetauscht worden sein - aber nur auf einer Seite. Allenfalls zwei bis drei Kilometer könnten diese gefahren sein, so Kreisarchäologe Dr. Andreas Hüser. Auf der anderen Seite ist die Bereifung stark abgenutzt; vielleicht ein Hinweis darauf, dass die Sanierung nicht mehr abgeschlossen werden konnte.

Unter großem Medieninteresse und fachkundiger Begleitung wurde am Donnerstagnachmittag (11. Juni 2026) auf dem Marinefliegerstützpunkt Nordholz das Ende April im Erdreich gefundene Sturmgeschütz Stug III, Typ G, erstmals öffentlich gezeigt.

Selbst Sand erzählt ein Stück Geschichte
Die umgebende Sandschicht hat das Fahrzeug konserviert und Feuchtigkeit davon ferngehalten. Doch auch sie selbst erzählt ein Stück Geschichte und soll deshalb bei der Konservierung unbedingt erhalten bleiben. Überall an der deutschen Küste wurden ab Mitte/Ende 1944 zum Teil notdürftig und mit Einsatz des letzten Aufgebotes - Volkssturm, Reichsarbeitsdienst, Hitlerjugend - Barrieren und Panzergräben errichtet.

Rund 2000 Mann, ein zusammengewürfelter Haufen, erhielten im April 1945 die Anweisung, im Süden des Nordholzer Flugplatzes einen drei bis vier Meter breiten steilwandigen Graben zu graben, schreibt Hein Carstens in seinem Buch "Schiffe am Himmel". Genau hier befand sich das nun aufgespürte Sturmgeschütz; im Graben versenkt und mit Sand abgedeckt. Es war in der Nachkriegszeit nicht unüblich, Kriegsgerät auf diese Weise loszuwerden.
Fachleute der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben aus Koblenz, Landesarchäologe Dr. Henning Haßmann und Kreisarchäologe Dr. Andreas Hüser berichteten über den Ablauf der Bergung und mögliche historische Zusammenhänge. So habe der Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen die Fundstelle eingehend erkundet und die Bergung sowie den Transport zur Zwischenlagerstätte durchgehend begleitet. Erst seine Freigabe machte den Weg für die Archäologen frei.

Tatsächlich stießen die Sprengstoffexperten in der Umgebung auf verschiedene Kampfmittel, die abtransportiert oder vor Ort gesprengt wurden. "Relativ öffentlichkeitswirksam, weil auch Anwohner betroffen waren", bestätigt Fregattenkapitän Thomas Szcepanski, Kommandeur der Stützpunktgruppe in Nordholz. Überraschend sei dies angesichts der Geschichte des Flugplatzes, auf dem sich die Reste der Wehrmacht aufgelöst hätten, allerdings nicht gewesen.
Mit einer völlig anderen Epoche konfrontiert
Kreisarchäologe Dr. Andreas Hüser sah sich plötzlich mit seinem bislang schwersten Fundstück - Gewicht: 29 Tonnen - konfrontiert; kein Teil aus der Antike oder dem Mittelalter, sondern ein Zeugnis der Zeitgeschichte. Am archäologischen Vorgehen änderte das nichts.

Problemlos habe sich die Einstiegsluke öffnen lassen. Das Innere habe sich in einem sehr guten Zustand präsentiert: "Erschreckend gut." Bis April 1945 wurde das Stug III in riesiger Stückzahl und Weiterentwicklungen (in Nordholz ist es Variante G) an mehreren Orten produziert.

Eine vierköpfige Besatzung drängte sich darin; ganz vorn der Fahrer, der sich durch einen nur fünf Zentimeter hohen Sehschlitz orientieren musste. Unmittelbar dahinter saß der Richtschütze, dann kamen der Kommandant und ein Kanonennachlader.

Zerstörte feindliche Panzer dokumentierte die Besatzung mit Ringen, die sie in weißer Farbe auf das Kanonenrohr malte. 17 davon fanden die Archäologen an dem Nordholzer Exemplar. Die Farbanhaftungen sind ein weiteres Detail, das den Fund für die Restauratoren spannend machen wird.

Hans-Peter Weber, Geschäftsführer des Nordholzer Aeronauticums, wäre gerne an der Aufklärung beteiligt gewesen. Das Deutsche Marineflieger- und Luftschiffmuseum hatte sich wie mehrere andere um den Sensationsfund beworben, doch den Zuschlag erhielt das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden.

Wichtige Kriterien seien die Konservierungsmöglichkeiten sowie das Ausstellungskonzept gewesen, so die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Das Museum stelle sicher, dass das StuG einer breiten Öffentlichkeit ebenso zugänglich sei wie der Truppe und der Forschung. Hier könne das Sturmgeschütz auch fachgerecht gelagert werden, wenn es einmal nicht ausgestellt sein sollte.

Nicht lange hinter Türen verschwinden lassen
Der wissenschaftliche Direktor des Militärhistorischen Museums, Götz Ulrich Penzel, möchte das Stück aber chnell zugänglich machen, am besten gleich nach der für April 2027 geplanten Ankunft im Panzermuseum Munster. Dass dieses die erste Station sei, habe auch etwas mit Entfernungen zu tun, denn der Transport sei teuer.

Grundsätzlich ist die Bima nicht daran interessiert, nach Kriegswaffen zu suchen oder diese zu bergen. Die jetzige Bergung sei jedoch erforderlich gewesen, um die Bauarbeiten für das Marinefliegerkommando nicht zu stoppen, erläutert Dr. Eva Susanne Fiebig, Leiterin der Bima-Hauptstelle Verwaltungsaufgaben (Koblenz). Daher habe das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr die Bergung bezahlt; alles Folgende habe das Museum zu tragen.

Das Team der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Cuxhaven um Dr. Andreas Hüser habe das Wrack und die Bergung umfassend dokumentiert, hieß es. Das Bildmaterial werde interessierten Museen auf Anfrage zur Verfügung gestellt.
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