Das Sturmgeschütz wurde - gut konserviert in einer trockenen Sandschicht - in Nordholz gefunden. Foto: A. Hüser/Archäologische Denkmalpflege Landkreis Cuxhaven
Das Sturmgeschütz wurde - gut konserviert in einer trockenen Sandschicht - in Nordholz gefunden. Foto: A. Hüser/Archäologische Denkmalpflege Landkreis Cuxhaven
Ein "Panzer" im Erdreich

Sturmgeschütz in Nordholz gefunden: Was über die Kriegswaffe bekannt ist (mit Fotos)

von Maren Reese-Winne | 15.06.2026

Ein überraschender Fund aus dem Zweiten Weltkrieg: Das Sturmgeschütz Stug III, tief im Boden in Nordholz (Kreis Cuxhaven) verborgen, wirft Fragen zur historischen Bedeutung und seinem Zustand auf. Alle Infos mit Video und vielen Fotos.

Das letzte Aufgebot wurde kurz vor Kriegsende herangezogen, um am Nordholzer Flugplatz einen tiefen Panzerabwehrgraben zu errichten. Genau darin befand sich das Nordholzer Sturmgeschütz. Vor der Bergung mussten Munitionsfunde gesprengt werden.

Von dem zur Festung erklärten Cuxhaven aus werden eilig die letzten deutschen Truppenteile nach Schleswig-Holstein übergesetzt, vor den Toren des Elbe-Weser-Dreiecks stehen bereits die britischen Truppen. Obwohl sich Adolf Hitler in Berlin schon das Leben genommen hat, ist noch nicht klar, ob es noch zu einem letzten Gefecht kommen wird: In dieser Situation mögen Anfang Mai 1945 verbliebene Wehrmachts-Sturmgeschütze in Nordholz positioniert worden sein.

Ob sie da überhaupt noch funktionstüchtig waren - man weiß es nicht. Das jetzt in Nordholz geborgene Stug III gibt einige Rätsel auf: So müssen ganz kurz vor der Kapitulation noch dessen Laufrollen ausgetauscht worden sein - aber nur auf einer Seite. Allenfalls zwei bis drei Kilometer könnten diese gefahren sein, so Kreisarchäologe Dr. Andreas Hüser. Auf der anderen Seite ist die Bereifung stark abgenutzt; vielleicht ein Hinweis darauf, dass die Sanierung nicht mehr abgeschlossen werden konnte.

Auf den Laufrädern ist unverkennbar der Schriftzug "Continental" zu sehen. Foto: Reese-Winne

Unter großem Medieninteresse und fachkundiger Begleitung wurde am Donnerstagnachmittag (11. Juni 2026) auf dem Marinefliegerstützpunkt Nordholz das Ende April im Erdreich gefundene Sturmgeschütz Stug III, Typ G, erstmals öffentlich gezeigt.

Die Räder haben die Jahrzehnte unter der Erdoberfläche gut überdauert. Foto: Reese-Winne

Selbst Sand erzählt ein Stück Geschichte

Die umgebende Sandschicht hat das Fahrzeug konserviert und Feuchtigkeit davon ferngehalten. Doch auch sie selbst erzählt ein Stück Geschichte und soll deshalb bei der Konservierung unbedingt erhalten bleiben. Überall an der deutschen Küste wurden ab Mitte/Ende 1944 zum Teil notdürftig und mit Einsatz des letzten Aufgebotes - Volkssturm, Reichsarbeitsdienst, Hitlerjugend - Barrieren und Panzergräben errichtet.

Die Sandanhaftung ist charakteristisch für das Fundstück und soll erhalten bleiben, um die Umstände der Versenkung sichtbar zu machen. Foto: Reese-Winne

Rund 2000 Mann, ein zusammengewürfelter Haufen, erhielten im April 1945 die Anweisung, im Süden des Nordholzer Flugplatzes einen drei bis vier Meter breiten steilwandigen Graben zu graben, schreibt Hein Carstens in seinem Buch "Schiffe am Himmel". Genau hier befand sich das nun aufgespürte Sturmgeschütz; im Graben versenkt und mit Sand abgedeckt. Es war in der Nachkriegszeit nicht unüblich, Kriegsgerät auf diese Weise loszuwerden.

Fachleute der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben aus Koblenz, Landesarchäologe Dr. Henning Haßmann und Kreisarchäologe Dr. Andreas Hüser berichteten über den Ablauf der Bergung und mögliche historische Zusammenhänge. So habe der Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen die Fundstelle eingehend erkundet und die Bergung sowie den Transport zur Zwischenlagerstätte durchgehend begleitet. Erst seine Freigabe machte den Weg für die Archäologen frei.

Teile der Empfangsrunde beim Vorstellungstermin in Nordholz: v.l. Christoph Schulz, Götz Ulrich Penzel, Dr. Eva Susanne Fiebig, Mariel Kubatz, Dr. Henning Haßmann, Dr. Andreas Hüser, Marcus Skupin, Thomas Szcepanski. Foto: Reese-Winne

Tatsächlich stießen die Sprengstoffexperten in der Umgebung auf verschiedene Kampfmittel, die abtransportiert oder vor Ort gesprengt wurden. "Relativ öffentlichkeitswirksam, weil auch Anwohner betroffen waren", bestätigt Fregattenkapitän Thomas Szcepanski, Kommandeur der Stützpunktgruppe in Nordholz. Überraschend sei dies angesichts der Geschichte des Flugplatzes, auf dem sich die Reste der Wehrmacht aufgelöst hätten, allerdings nicht gewesen.

Mit einer völlig anderen Epoche konfrontiert

Kreisarchäologe Dr. Andreas Hüser sah sich plötzlich mit seinem bislang schwersten Fundstück - Gewicht: 29 Tonnen - konfrontiert; kein Teil aus der Antike oder dem Mittelalter, sondern ein Zeugnis der Zeitgeschichte. Am archäologischen Vorgehen änderte das nichts.

Der Fund aus einer anderen Zeit zieht großes Interesse auf sich. Foto: Reese-Winne

Problemlos habe sich die Einstiegsluke öffnen lassen. Das Innere habe sich in einem sehr guten Zustand präsentiert: "Erschreckend gut." Bis April 1945 wurde das Stug III in riesiger Stückzahl und Weiterentwicklungen (in Nordholz ist es Variante G) an mehreren Orten produziert.

Blick ins Innere, noch im Originalzustand. Foto: A. Hüser/Archäologische Denkmalpflege Landkreis Cuxhaven

Eine vierköpfige Besatzung drängte sich darin; ganz vorn der Fahrer, der sich durch einen nur fünf Zentimeter hohen Sehschlitz orientieren musste. Unmittelbar dahinter saß der Richtschütze, dann kamen der Kommandant und ein Kanonennachlader.

Dieses Element an der Kanone kennzeichnet die Variante "G". Foto: Reese-Winne

Zerstörte feindliche Panzer dokumentierte die Besatzung mit Ringen, die sie in weißer Farbe auf das Kanonenrohr malte. 17 davon fanden die Archäologen an dem Nordholzer Exemplar. Die Farbanhaftungen sind ein weiteres Detail, das den Fund für die Restauratoren spannend machen wird.

Die weißen Ringe stehen für zerstörte feindliche Panzer. Foto: Reese-Winne

Hans-Peter Weber, Geschäftsführer des Nordholzer Aeronauticums, wäre gerne an der Aufklärung beteiligt gewesen. Das Deutsche Marineflieger- und Luftschiffmuseum hatte sich wie mehrere andere um den Sensationsfund beworben, doch den Zuschlag erhielt das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden.

Geschäftsführer Hans-Peter Weber hätte gerne den Zuschlag für das Aeronauticum bekommen. Foto: Reese-Winne

Wichtige Kriterien seien die Konservierungsmöglichkeiten sowie das Ausstellungskonzept gewesen, so die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Das Museum stelle sicher, dass das StuG einer breiten Öffentlichkeit ebenso zugänglich sei wie der Truppe und der Forschung. Hier könne das Sturmgeschütz auch fachgerecht gelagert werden, wenn es einmal nicht ausgestellt sein sollte.

Erste Blicke auf das in Nordholz wieder aufgetauchte, wahrscheinlich vor 80 Jahren von den Amerikanern versenkte Sturmgeschütz. Foto: Reese-Winne

Nicht lange hinter Türen verschwinden lassen

Der wissenschaftliche Direktor des Militärhistorischen Museums, Götz Ulrich Penzel, möchte das Stück aber chnell zugänglich machen, am besten gleich nach der für April 2027 geplanten Ankunft im Panzermuseum Munster. Dass dieses die erste Station sei, habe auch etwas mit Entfernungen zu tun, denn der Transport sei teuer.

Erste Blicke auf das in Nordholz wieder aufgetauchte, wahrscheinlich vor 80 Jahren von den Amerikanern versenkte Sturmgeschütz. Foto: Reese-Winne

Grundsätzlich ist die Bima nicht daran interessiert, nach Kriegswaffen zu suchen oder diese zu bergen. Die jetzige Bergung sei jedoch erforderlich gewesen, um die Bauarbeiten für das Marinefliegerkommando nicht zu stoppen, erläutert Dr. Eva Susanne Fiebig, Leiterin der Bima-Hauptstelle Verwaltungsaufgaben (Koblenz). Daher habe das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr die Bergung bezahlt; alles Folgende habe das Museum zu tragen.

Mithilfe eines Krans wurde das Fahrzeug, formal eine Kriegswaffe, geborgen. Foto: A. Hüser/Archäologische Denkmalpflege Landkreis Cuxhaven

Das Team der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Cuxhaven um Dr. Andreas Hüser habe das Wrack und die Bergung umfassend dokumentiert, hieß es. Das Bildmaterial werde interessierten Museen auf Anfrage zur Verfügung gestellt.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Maren Reese-Winne
Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
So sieht die Kriegswaffe aus

Sturmgeschütz III aus Weltkrieg in Nordholz präsentiert: Ein ganz besonderer Anblick

Ein historisches Sturmgeschütz III aus dem Zweiten Weltkrieg wurde in Nordholz (Kreis Cuxhaven) entdeckt und soll bald ausgestellt werden. Der erstaunlich gut erhaltene Fund erzählt von seiner bewegten Geschichte. Eine Kriegswaffe zum Anfassen.

60.000 Besucher erwartet

Tag der Bundeswehr 2026 in Nordholz: Das Programm auf dem Marinefliegerstützpunkt

von Maren Reese-Winne

Dass der Marinefliegerstützpunkt Nordholz im Kreis Cuxhaven am 6. Juni den Tag der Bundeswehr ausrichtet, ist kein Zufall. Das Großereignis werde für lange Zeit die letzte Gelegenheit sein, den Marinefliegern so nahe zu sein, heißt es.

Bima äußert sich

In Nordholz gefundenes Sturmgeschütz: Bund warnt vor unbefugter "Schatzsuche"

von Maren Reese-Winne

Ein in Nordholz (Gemeinde Wurster Nordseeküste/Kreis Cuxhaven) entdecktes Sturmgeschütz aus der NS-Zeit wirft Fragen über den Umgang mit Kriegsrelikten auf. Die Bundesanstalt für Immobilien (Bima) warnt vor unbefugtem Auftauchen.