Mut zur Innovation beim Wohnen in Cuxhaven: Gruppe "Wohnen neu denken" sucht Investor
In Cuxhaven träumt eine engagierte Gruppe von einem modernen Wohnprojekt, das Gemeinschaft, Mehrgenerationenwohnen und Nachhaltigkeit vereint. Doch trotz innovativer Ideen fehlt bislang der entscheidende Investor, um den Plan zu realisieren.
Viele von ihnen bewegt die Suche nach einem gemeinsamen Wohnprojekt schon seit Jahren. Nach einer Veranstaltung der Grünen hat sich in Cuxhaven im Februar eine Gruppe Interessierter zusammengetan, die es endlich schaffen will. Seitdem kommen sie regelmäßig zusammen, lernen sich kennen, geben sich Strukturen und warten. Irgendwo muss es doch das Objekt geben, mit dem sich der Traum vom Zusammenwohnen realisieren lässt.
Wobei klar ist, dass es für jede Partei - ob Alleinstehende oder Paar - eine eigene Wohnung geben muss, wenn auch nur eine kleine. Der entscheidende Unterschied sind die Gemeinschaftsflächen: ein großer Begegnungsraum mit Kochmöglichkeit und Platz für Hobbys und Unternehmungen, ein Gästezimmer, ein kleiner Garten - alles, was es ermöglicht, mit einer kleineren individuellen Wohnung auszukommen. Das ist nachhaltig und eigentlich genau das, was die Gesellschaft braucht, aber in der Praxis bisher fast kaum umsetzbar.
"Regeln fürs Zusammenleben geben"
Dies berichtet die Gemeinschaft um Beate Haas-Heinrich und Rudolf Zimmermann beim Pressegespräch. Nach einem gleichnamigen "Grünen Kneipengespräch" mit der ehemaligen Bundestagsabgeordneten Christina-Johanne Schröder hat sich die Gruppe "Wohnen neu denken" zusammengefunden. Zurzeit bereiten die Aktiven eine Vereinsgründung vor und sind dabei, eine Satzung auszuarbeiten: "Man muss sich Regeln fürs Zusammenleben geben."
Ihre Beweggründe dafür sind ähnlich: möglichst lange selbstbestimmt leben zu können, der Einsamkeit zu begegnen und in Zeiten, in denen der Platz im Altenheim unbezahlbar wird, Alternativen zu schaffen. Ausdrücklich erwünscht ist dabei auch die Begegnung mit jungen Familien mit Kindern. "Aber nicht etwa als Ersatz für Betreutes Wohnen", betont einer der Interessenten. Es gehe um zeitgemäßes, selbstbestimmtes Wohnen. Von Besuchen ähnlicher Wohnprojekte in Bremerhaven, Lüneburg und Stade wissen sie, dass das funktionieren kann.
Neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen
Beim Abwägen der Grundsatzfrage "Eigentum oder Miete?" hat sich herausgestellt, dass nur ein Mietprojekt finanzierbar sein wird. Die Kosten für die Gemeinschaftsbereiche werden auf alle Parteien umgelegt. Nur das richtige Objekt - es müsste angesichts der explodierten Baukosten wohl ein Bestandsgebäude sein - hat sich in Cuxhaven bisher weit und breit nicht aufgetan. Die Gruppe ist kreativen Ideen wie zum Beispiel der Umgestaltung früherer Industrie- oder Büroimmobilien gegenüber aufgeschlossen. Favorisiert wird eine Lage innerhalb der Kernstadt.

Alle Gespräche mit den öffentlichen Wohnungsbauträgern seien bisher ins Leere gelaufen: Offenbar habe sich die Erkenntnis noch nicht durchgesetzt, dass solche Wohnprojekte viele Probleme an anderer Stelle der Stadt lösen könnten: "Man gibt Wohnraum frei, den Cuxhaven braucht." Zu groß gewordene Eigenheime könnten Familien zur Verfügung stehen, die auf dem Markt dringend danach suchten. "Über ein solches Pilotprojekt müsste die Stadt daher eigentlich begeistert sein." Stadtbaurat Andreas Eickmann, der die Idee kenne, habe dies auch signalisiert, habe aber auch keine Lösung für die konkrete Umsetzung liefern können.
Offenheit dafür ist durchaus vorhanden
Das unweit des Fernmeldeturms geplante Wohngebiet Westerwischhöfe und die Aktivitäten der Cuxhavener Siedlungsgesellschaft in der Ditmar-Koel-Straße im Lehfeld bieten wohl nicht den Rahmen für ihr Projekt, obwohl der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der "Siedlung", Jörg-Peter Knochen, kürzlich seinen ausdrücklichen Wunsch geäußert hatte, im Viertel Mehrgenerationenwohnen als absolute Bereicherung der Gesellschaft zu forcieren.
Für diese Wohnungen sind jedoch Wohnberechtigungsscheine erforderlich und - da sind die Mitwirkenden sich einig: Bevor die großen Neubauprojekte der Zukunft konkret beginnen, möchten sie schon losgelegt haben oder längst eingezogen sein. Nun fragen sie: Gibt es den Investor oder die Investorin, der oder die mit ihnen diesen Weg geht? Natürlich könne dies auch weiterhin eine der großen Gesellschaften sein. In Bremerhaven etwa baue die städtische "Stäwog" angesichts der Zufriedenheit der Mieterinnen und Mieter zurzeit bereits das dritte Gemeinschaftsprojekt.
Außerdem freuen sie sich über neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Kontakt kann über E-Mail an wohnenneudenken@posteo.de aufgenommen werden.
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