Die große Photovoltaikanlage auf dem Dach des KuBi. Foto: Myriam Domke-Feiner
Die große Photovoltaikanlage auf dem Dach des KuBi. Foto: Myriam Domke-Feiner
Mutig und innovationsbereit

Nicht nur das Neubauprojekt: Lebenshilfe Cuxhaven beim Thema Nachhaltigkeit weit vorn

von Maren Reese-Winne | 09.04.2025

Die Lebenshilfe Cuxhaven setzt mit ihrem Neubauprojekt und der Modernisierung des KuBi neue Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit. Doch was bedeutet das für die Region und wie sieht die Zukunft mit einem neuen Geschäftsführer aus?

Die Lebenshilfe in Cuxhaven prescht nicht nur mit ihrem jüngsten Neubauprojekt voraus: Gerade erst hat sie die Modernisierung des Kulturbistros "KuBi" in der Wernerstraße abgeschlossen; eine Maßnahme, von der auch die Allgemeinheit eine Menge hat.

Werner Ludwigs-Dalkner, Geschäftsführer der Werkhof und Wohnstätten Lebenshilfe Cuxhaven gGmbH, erklärt, was die Lebenshilfe zur Investition eines sechsstelligen Betrags im KuBi bewogen hat: "Wir versuchen seit Jahren, bewusst zu wirtschaften. Angesichts der steigenden Energiepreise ist es wichtig, unabhängig zu werden. Wir wollen aber auch im Hinblick auf den Klimawandel Vorbild in unserer Küstenregion sein."

Eine Ära geht zu Ende, wenn Werner Ludwigs-Dalkner, Geschäftsführer der Werkhof und Wohnstätten Lebenshilfe Cuxhaven gGmbH, im kommenden Jahr die Regie abgibt. Foto: Reese-Winne

Zum großen Teil schon unabhängig vom Energieversorgungsdienstleister

Die finanziell ohne Zweifel herausfordernde Investition verspreche sich langfristig zu rechnen. Das Beispiel des Ende 2021 bezogenen Wohn- und Geschäftshauses in der Südersteinstraße beweise, dass es gehe: "Wir müssen dort nur noch an wenigen Tagen im Jahr Strom aus dem Netz beziehen." Im aktuellen Bauprojekt in der Brockeswalder Chaussee, bei dem in zwei Häusern barrierefreier Wohnraum geschaffen wird, wird ebenfalls von Beginn an durch erneuerbare Energien versorgt werden.

Nun ist auch das KuBi mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet, es wurde eine Wärmepumpe und eine Wärmerückgewinnungsanlage für den Küchenbereich installiert und im Mai sollen zwei Ladesäulen für E-Autos in Betrieb gehen. Ergebnis: Zu 85 Prozent kann sich das KuBi zukünftig autonom versorgen.

Im KuBi wurden jetzt Wärmepumpen installiert. Foto: Myriam Domke-Feiner

Erfahrungen bestätigen eingeschlagenen Weg

"Vor sechs Jahren haben wir begonnen, Photovoltaikanlagen auf den Dächern unserer Werkstätten zu installieren - die Erfahrungen haben uns bewegt, diesen Weg kontinuierlich weiterzugehen", berichtet Werner Ludwigs-Dalkner. Natürlich auch am Standort Hemmoor. Dort werden voraussichtlich im Mai, spätstens im Juni ebenfalls zwei öffentlich zugängliche Ladesäulen für E-Autos in Betrieb gehen. Nach und nach soll auch die Lebenshilfe-Flotte umgestellt werden. In der Landschaft der sozialen Einrichtungen in Niedersachsen liegt sie mit dem eingeschlagenen Weg zur Nachhaltigkeit weit vorn. 

Das KuBi (Kulturbistro) wurde technisch in die Neuzeit überführt. Die neuen Ladesäulen für Elektroautos stehen auch der Öffentlichkeit zur Verfügung. Weitere zwei öffentliche Ladepunkte werden in Hemmoor geschaffen. Foto: Myriam Domke-Feiner

Die öffentliche Wahrnehmung ist oft weitab von der Realität

Das bedeutet viel Innovationsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein aus einer Branche heraus, die in der gesellschaftlichen Wahrnehmung oft immer noch eher als Ballast wahrgenommen wird. "Dabei investieren wir hier in Cuxhaven jeden Euro in Handel, Handwerk und Dienstleistungen. Unser Personal gibt seinen Lohn hier aus. Und: Wir ermöglichen sehr vielen Angehörigen, dass sie arbeiten und Geld verdienen können", zählt Werner Ludwigs-Dalkner auf. Beim Ringen um Zuschüsse werde gerne verkannt, dass rein volkswirtschaftlich betrachtet eine Nicht-Finanzierung dieser Arbeit wesentlich teurer kommen würde.

Rund 430 Menschen mit Behinderung arbeiten in den Werkstätten in Cuxhaven und Hemmoor, rund 220 leben in einer Wohnstätte der Lebenshilfe und rund 120 nehmen Assistenzleistungen in Anspruch. Mit rund 260 Beschäftigten in allen Bereichen zählt die Lebenshilfe zu den großen Arbeitgebern im Landkreis.

In der öffentlichen Wahrnehmung zum Randthema geworden

Im Gegenzug gehe allerdings das Bewusstsein für den Stellenwert der sozialen Arbeit zusehends verloren, beobachtet Werner Ludwigs-Dalkner. Soziale und Bildungsthemen hätten jedenfalls im Wahlkampf und in den Koalitionsverhandlungen so gut wie keine Rolle gespielt. Die große Werkstattreform, die eine bessere Bezahlung der Menschen mit Behinderungen vorgesehen hätte, sei seit dem Zerbrechen der Ampel erledigt.

Dabei sei die finanzielle Lage der Einrichtungen angesichts der knappen Landesmittel flächendeckend alarmierend. Drei Jahre, schätzt Werner Ludwigs-Dalkner, könne es vielleicht noch gut gehen, dann seien die Einrichtungen, auch in Cuxhaven, an ihren Grenzen. "Individuelle Förderung ist teuer. Doch sie ist nötig, um Menschen ein Leben als vollwertiges und gleichgestelltes Mitglied der Gesellschaft zu ermöglichen", bekräftigt er.

Für Werner Ludwigs-Dalkner ist 2026 Schluss: Nachfolge wird gesucht

Mit den jüngsten weitblickenden Entscheidungen bestellt er derzeit auch das Feld für eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger, denn im Jahr 2026 wird er in den Ruhestand gehen. Die Stellenanzeigen für die Neubesetzung der Geschäftsführungs-Stelle zum 1. Januar 2026 sind geschaltet. Nach einer mehrmonatigen Einarbeitungszeit für den Neuen oder die Neue wird sich Werner Ludwigs-Dalkner zurückziehen. Und es kommt eine Vorahnung auf: So wie jetzt wird's wohl nicht wieder ... 

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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