"Dies ist kein Krankenhaus mehr", steht auf einem Schild im Haupteingang. Eine medizinische Nachnutzung in anderer Form scheint dennoch nicht ganz ausgeschlossen. Foto: Reese-Winne
"Dies ist kein Krankenhaus mehr", steht auf einem Schild im Haupteingang. Eine medizinische Nachnutzung in anderer Form scheint dennoch nicht ganz ausgeschlossen. Foto: Reese-Winne
Mit einer Idee fängt es an

Sein Traum: Ein Medizinisches Versorgungszentrum am früheren Seehospital Sahlenburg

von Maren Reese-Winne | 09.01.2026

Es wäre eine Win-Win-Situation mindestens für Rheuma-Patienten und den Ort Sahlenburg. Dr. Ingo Hartig, Rheumatologe aus Cuxhaven, hat eine Idee, wie auf einem Teil des früheren Seehospitals wieder ein medizinisches Angebot angesiedelt werden könnte.

Dr. Ingo Hartig ist nicht nur Rheumatologe, sondern auch Sahlenburger. Und ihn verbindet eine besondere Beziehung mit dem früheren Helios-Seehospital: "Ich habe dort gearbeitet, mich in den Standort verliebt und erfahren, wie wohl sich die Patienten dort gefühlt haben." Nun hat sich in ihm ein Traum entwickelt, der Perspektiven für das Gelände und die gesundheitliche Versorgung in Cuxhaven versprechen würde. 

Wenn er denn realisiert würde. Denn entscheidend ist die Bereitschaft des Eigentümers, da ist sich der Arzt mit den SPD-Ratsmitgliedern Gunnar Wegener und Andreas Wichmann einig, die er als erste Lokalpolitiker in seine Überlegungen eingeweiht hat. Die Zukunft der Klinik für Rheumatologie in der Helios-Klinik Cuxhaven hat er dabei nicht nur im Hinterkopf.

Denn dass es schwer wird, die Abteilung aufrecht zu erhalten, wenn der Chefarzt und langjährige Kollege Dr. Hartigs, Dr. Matthias Braun, in den  Ruhestand geht, hat Krankenhaus-Geschäftsführer Tim Wozniak im jüngsten Pressegespräch mit unserer Redaktion bereits kommuniziert. Ab 2027 fordert die Einführung von Leistungsgruppen in Krankenhäusern für jede Fachabteilung eine Mindestbesetzung mit drei Fachkräften. Zumindest, wenn die Klinik die Vergütung für die entsprechenden Leistungen auch entsprechend vergütet haben will. Dem gegenüber steht ein leergefegter Personalmarkt. 

"An Nordholz unbedingt festhalten"

Seit Mitte vergangenen Jahres hat sich Dr. Hartig ebenso wie seine Frau, Urologin, in einer eigenen Praxis in unmittelbarer Nähe des Regionalen Versorgungszentrums Nordholz selbstständig gemacht. Ein Standort, bei dem sie sich als Mieter des RVZ außerordentlich wohlfühlten und an dem sie unbedingt festhalten wollten, unterstreicht der Arzt.

Doch wegen der bekannten Engpässe in der Versorgung gebe es Bedarf für mehr. Der Standort dafür könne sich unter Umständen auf dem Gelände des früheren Seehospitals befinden, zum Beispiel im Rahmen eines Medizinischen Versorgungszentrums, dem sich Kolleginnen und Kollegen verwandter Disziplinen anschließen könnten: Rheumatologie,Orthopädie, Rheumaorthopädie oder auch Pneumologie (Lungenheilkunde).

Eine Kombination, die genau an die medizinischen Schwerpunkte in der Tradition des Seehospitals anknüpfe, gibt der SPD-Fraktionsvorsitzende Gunnar Wegener zu bedenken. Für ihn könne diese Perspektive nicht mehr und nicht weniger als entscheidend für die Zukunft des Geländes sein: "Die Mitnutzung für einen medizinischen Zweck würde die Akzeptanz sofort steigern", ist er sicher. Denn Tourismus im großen Stil werde durch die Bevölkerung und  zahlreiche Lokalpolitikerinnen und -politiker abgelehnt. 

"Danke für alles" steht auf einem der Gebäude auf dem einstigen Krankenhausgelände. Hinten das Mathilde-Emden-Haus von 1914. Foto: Reese-Winne

Der Investor - eine Übergabe des Geländes steht noch aus - sei über den Vorschlag informiert, so Dr. Ingo Hartig. Es müsse das Konzept sein, das überzeuge - keineswegs wolle er ihn durch den Vorstoß brüskieren. Ziel sei die Miete und nicht etwa der Kauf, versichert Ingo Hartig. Im Gegenzug könne der Investor mit stabilen Mieteinnahmen rechnen. 

Cuxhaven von landesweit bedeutsamer Bedeutung

Gunnar Wegener rechnet sich durch eine solche Wendung, die wahrscheinlich mit einer reduzierten touristischen Nutzung einhergehe, auch bessere Chancen für die Verhandlungen um einen Bebauungsplan aus. Sehr beeindruckt erfuhren Andreas Wichmann und er, wie bedeutsam der Standort  Cuxhaven für Rheuma-Betroffene aus dem ganzen Land ist: Neben den stationären Betten in Cuxhaven gibt es nur noch einen einzigen weiteren Standort in Niedersachsen, und der befindet sich an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Ingo Hartig berichtet, dass er in Nordholz auch die Stadt Bremerhavens und Teile Bremens samt Umland mitversorge, was Kapazitätsengpässe, Wartezeiten und Nöte erzeuge. Seine Idee: Unter Beibehaltung des Standorts Nordholz die Betroffenen aus Cuxhaven, Hemmoor und Stade an den Standort Sahlenburg zu verlegen; womöglich sogar mit der Perspektive auf einige stationäre Betten; alles selbstverständlich auch Kassenpatienten zugänglich.

Die 20 in Hannover verbleibenden Plätze seien mit dem tatsächlichen Bedarf nur schwer übereinzubringen. Rheuma werde heutzutage früher diagnostiziert und besser therapiert, sodass die Überlebensdauer der Patienten um viele Jahre - Studien sprechen von 16 Jahren - gestiegen sei. Entsprechend hoch sei der Bedarf an einer Facharzt-Betreuung.

"Wir unterstützen die Überlegungen Dr. Hartigs", unterstrich der Sahlenburger Andreas Wichmann. Für ihn eröffneten sich hierdurch großartige Aussichten und eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Auch wenn es, wie der Arzt betont, mit einer Realisierung noch einige Jahre dauern könne. 

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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